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Kultur Rihanna heizt Hannover ein
Nachrichten Kultur Rihanna heizt Hannover ein
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22:42 04.11.2011
Von Uwe Janssen
Foto: Posen in Hannover: Von einer Grippe ist bei Rihanna am Freitag nicht viel zu merken.
Posen in Hannover: Von einer Grippe ist bei Rihanna am Freitag nicht viel zu merken. Quelle: Wilde
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Hannover

Der erste Moment ist immer wichtig. Wie kommt sie auf die Bühne? Ist ja kein Rockkonzert hier. Sondern das höchste am Glamour-Glitzer-Poser-Pop, was man so bekommen kann im Jahr 2011: Rihanna, 23-jährige Barbadierin, hat ihren Aufstieg in den Olymp der Popgöttinnen atemberaubend schnell vorangetrieben, ihr eilt auch live der Ruf einer körperbetonten Vollgas-Performerin voraus. Da ist man gespannt. Auch darauf, ob Madame blass um die Nase ist. Eine Grippe hatte sie in Schweden unter der Woche bei zwei Konzerten aus der Bahn geworfen, und seit dem frühen Nachmittag haben die Earlybirds unter den Fans vor der seit Monaten mit 12.000 Fans ausverkauften TUI Arena etwas bang diskutiert, ob die Show in Hannover denn nun überhaupt stattfinden würde.

Tut sie. Und da ist das Objekt der Begierde dann auch, und wie! Licht aus, hektisches Geflacker, noch hektischeres Gekreische, alle 12.000 Handykameras hoch, die Bühnenrückwand öffnet sich, und da steht sie. In einer pinken Glitzerkugel. Sie trägt einen Lockenschopf, anfangs eine blaue Jacke, dann nur noch einen Bikini, so bunt wie ein Testbild, und quietschgrelle Highheel-Stiefel in Bubblegum-Pink. Grippekranke Menschen sollten nicht so herumlaufen, also gehen wir mal davon aus, dass Rihanna auftrittsfit ist.

„Only Girl (in the World)“ singt sie, ihre scharfkantige Stimme durchschneidet die – getreu dem Motto ihres Albums „Loud“ – höllenlärmige Soundwand, alles blinkt und glitzert. Und Rihanna brüllt immer wieder ein „Hannovääär“ ins Volk, das Klaus Meine zur Ehre gereicht. Eine satte Salve aus der großen Ami-Showkanone – so startet dieser Abend nach dem Aufwärmprogramm von Disko-DJ Calvin Harris. Und der Datendurchsatz an den Videowänden und in den Soundcomputern bleibt hoch, die Halle ist bis unters Dach mit Menschen, Lichteffekten und Klang gefüllt.

Rihannas Körpersprache sagt: Seht mich alle an! Folgt meinen Bewegungen! Spürt meine Energie! Die ist in der Tat beeindruckend, das Gekreische im unbestuhlten Innenraum dementsprechend, und auch die Bühnenkonstruktion ist in Dauerbewegung. Jeder Song hat seine eigene Choreografie, so, wie es üblich ist in dieser Größenordnung und die Hauptdarsteller in ein enges Korsett aus Licht-, Kulissen und Tanzregie zwängt. Aber hier dient alles nur dem Event, und das geizt nicht mit Eindeutigkeiten. Den vielen Kids im Publikum ersetzt das, was Rihanna und ihre Tänzer da auf der Bühne an Spreiz-, Kreis- und Wackel-Moves machen, ein bisschen den Aufklärungsunterricht, und der Rest hat eben auch fürs Hingucken bezahlt. Shakiras Hüftschwung bleibt unerreicht, doch was Rihanna an körperlichem Einsatz anbietet, ist auch nicht gerade was für den Kirchentag. Lasziv, provozierend, professionell. Rihannas Sex-Image ist hausgemacht und wird nicht nur mit öffentlichen Sexshopbesuchen für die Boulevardblätter vorangetrieben wie kürzlich in Paris, sondern auch auf der Bühne in Hannover.

Sie wirbelt rastlos durch ihr Programm, läuft die seitlichen Treppen hoch, lässt sich auf einem Laufband quer über die Bühne fahren, holt sich einen Zuschauer, tanzt ihn nach FSK 18 kurz um den Verstand und verschwindet dann. Oder reiht sich wie selbstverständlich wieder in ihre Tanzriege ein. Sie wechselt die Outfits, will mal die und mal jene sein, Partymaus, Charts-Queen, Fotoobjekt. It-Girl, Hit-Girl, Bit-Girl.

Die vielen Gesichter passen zu ihren vielen Vorbildern, die Palette reicht von Madonna bis Janet Jackson. Und wie bei ihren Kolleginnen Beyoncé oder Pink sind auch die Grenzen zwischen den Spielarten schwarzer Popmusik und weißer Rockmusik fließend, alle Schubladen sind geöffnet, der Gitarrist hat gerade noch ein wildes Solo abgeschossen, da wiegt sich alles im bonbonbunten Karibiksound.

Dann wieder wälzt sich zur Metalgitarre eine Sklavin in Masokluft vor Masterin Rihanna, die sie mit angedeuteten Schlägen und Tritten malträtiert. Später gerät der Star selbst noch in die Hände einer „Gang“. Einer Dramaturgie folgt der Ablauf nicht, jedes Lied hat seine Bilder und seine Handlung, ohne wirklich eine Geschichte zu erzählen. Alles ist selbstverständlich perfekt, und von einer grippegeschwächten Rihanna ist weder etwas zu sehen noch zu hören. Oder es geht in Sound, Licht und Jubel einfach unter. Wer Spektakel will, ist hier bis zum Ende gut aufgehoben. Auch wenn es hinterher ein bisschen in den Ohren klingelt.

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