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Kultur Robert Downey jr. ermittelt als „Sherlock Holmes“
Nachrichten Kultur Robert Downey jr. ermittelt als „Sherlock Holmes“
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03:51 29.01.2010
Von Martina Sulner
Werftarbeiter: Sherlock Holmes (Robert Downey jr.) und Dr. Watson (Jude Law, vorn) im Einsatz beim Schiffbau.
Werftarbeiter: Sherlock Holmes (Robert Downey jr.) und Dr. Watson (Jude Law, vorn) im Einsatz beim Schiffbau. Quelle: Warner
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Bei der Premiere in Berlin, als Regisseur Guy Ritchie seinen Sherlock-Holmes-Film präsentierte, stellte er klar: Der Meisterdetektiv und sein Kumpel Dr. Watson seien nicht schwul gewesen. „Das ist einfach die Art, wie Männer miteinander umgehen, die sich sehr nah sind“, sagte Madonnas Exgatte.

In Ritchies Film sind sich Holmes und Watson sehr nah. Näher als manches Ehepaar – und besser verstehen sie sich sowieso. Das sieht man schon in den ersten Szenen, wenn Holmes (Robert Downey jr.) und Dr. Watson (Jude Law) eine okkulte Messe sprengen, dem Bösewicht Lord Blackwood das Handwerk legen und ihn der Polizei übergeben. Die beiden Männer verstehen sich blind und ergänzen sich tadellos: Hier die überdrehte Intelligenzbestie Holmes, dort der bodenständige Watson.

Am 28. Januar startet der Action-Krimi „Sherlock Holmes“ mit Robert Downey Jr. und Jude Law in den Hauptrollen in den deutschen Kinos.

Der britische Regisseur hat sich einer der berühmtesten Figuren der Literaturgeschichte angenommen. Arthur Conan Doyles Privatdetektiv begründete ein Genre; Holmes ist ein Urvater der privaten Schnüffler. Die erste Geschichte über den Schlaumeier, der aus winzigen Details erstaunliche Schlussfolgerungen ziehen kann, erschien 1887. Etwa 50 Kurzgeschichten und vier Romane folgten; später entstanden zahlreiche Verfilmungen für Fernsehen und Kino.

Das ist Respekt einflößend – doch Ritchie lässt sich von diesem kulturhistorischen Ballast nicht erdrücken. Furios legt er los: mit wilden Kamerafahrten, schnellen Schnitten, pulsierender Musik. Wichtiger aber: Er nähert sich seinem Sherlock Holmes von Beginn an ohne übergroße Ehrfurcht. Sein Detektiv ist zwar ein brillanter Kopf, aber auch ein extrem quengeliger Typ.

Für seine Darstellung des englischen Meisterdetektivs hat der amerikanische Schauspieler Robert Downey jr. gerade einen Golden Globe erhalten. Völlig zu Recht: Downey, der in den vergangenen Jahren ein enormes Arbeitspensum hingelegt und sich von der Krimigroteske „Kiss kiss bang bang“ bis zum Blockbuster „Iron Man“ quer durch alle Genres gespielt hat, gibt einen wunderbar ambivalenten Sherlock Holmes ab. Er ist genial und kindisch, verletzlich und verletzend – und man sieht auch, wie überspannt und nervös er wird, wenn er gerade keinen Fall zu lösen hat. Dann greift er zu Alkohol und anderen Drogen, und Watson (Jude Law ist diesmal ziemlich fad) sorgt sich, dass sein bester Kumpel in Depressionen versinkt. Da verlässt den guten Doktor sogar der Mut, endlich seine Verlobte vor den Traualtar zu führen und aus der Baker Street 221 b, wo die Männer-WG lebt, auszuziehen.

Wie passend, dass der zu Beginn des Films gefangene und hingerichtete Lord Blackwood auf mysteriöse Weise von den Toten aufersteht und weiter sein Unwesen treibt. Das versetzt London zwar in Angst und Schrecken, aber Holmes kann wieder ermitteln. Dafür setzt er nicht nur seinen brillanten Kopf ein, sondern gern auch die Fäuste. Der Regisseur zeigt einen Detektiv, der mit starkem Körpereinsatz arbeitet. Wir sehen Boxkämpfe und Verfolgungsjagden, und Actionheld Holmes muss sich sogar aus einem explodierenden Lagerhaus retten. Was ihm bravourös gelingt.

„Sherlock Holmes“ ist eine wilde Mischung aus Komödie, Actionfilm, Krimi und Biografie. Solche Mixturen mag Guy Ritchie. Auch in seinen früheren Filmen wie „Bube, Dame, König, grAS“ oder „Snatch – Schweine und Diamanten“ erzählte er wüste Geschichten, deren Erzählfäden kaum ein Zuschauer auf Anhieb entwirren konnte. Der Sherlock-Holmes-Film ist zwar nicht ganz so schräg, doch die drei Drehbuchautoren haben entschieden zu viel hineingepackt. Und unter einer ganz, ganz großen Geschichte tun sie es auch nicht: Lord Blackwood will nichts weniger, als die Herrschaft über den Erdball an sich reißen, und Holmes muss die Welt retten. Dabei kann er nicht mal seiner schönen Exgeliebten Irene Adler (Rachel ­McAdams) über den Weg trauen.

Unter der Fülle an Nebenfiguren und -schauplätzen, an immer abstruseren Verwicklungen bricht „Sherlock ­Holmes“ fast zusammen. Der mehrfach ausgezeichnete Kamermann Philippe Rousselot, Spezialist für Historienfilme („Die Bartholomäusnacht“, „Interview mit einem Vampir“, „Mary Reilly“), hat exquisite Bilder gefunden. Doch je länger der aufwendig gemachte Film dauert, desto mehr beschleicht einen das Gefühl: Da hat eine Gruppe von Filmemacher-Jungs sich einen gehörigen Spaß gemacht und es so richtig krachen lassen. Der Spaß der Zuschauer ist allerdings nicht ganz so groß.

Von Donnerstag an im Kino.

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