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Kultur „Ich habe meine Freiheit ausgekostet“
Nachrichten Kultur „Ich habe meine Freiheit ausgekostet“
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00:15 23.07.2013
Robert Redfords neuer Film, „The Company You Keep“, kommt am 25. Juli in die deutschen Kinos. Quelle: dpa Symbolbild
Paris

Mr Redford, Sie sind mit einer gebürtigen Hamburgerin verheiratet. Verfolgen Sie die deutsche Politik?

Über Angela Merkel und die deutsche Politik kann ich nichts sagen. Davon verstehe ich zu wenig. Immerhin habt ihr in Europa nicht das Waffenproblem, das wir haben, uns fehlen die nötigen Gesetze. Wir könnten von euch lernen – schaut euch nur mal unsere hohe Mordrate an.

In Ihrem neuen Film erzählen Sie von einer terroristischen Vereinigung, den sogenannten Weathermen, die gegen den Vietnamkrieg protestierten und Bombenanschläge auf US-Regierungsgebäude begingen. Ähnliche linksextremistische Bewegungen gab es auch in Deutschland.

Sie meinen die Baader-Meinhof-Gruppe? Ich erinnere mich. Ich habe mich immer für anarchistische Bewegungen in der Geschichte interessiert – umso mehr, je älter ich werde. Überall und immer wieder hat es solche Gruppierungen gegeben. Sie standen gegen das auf, was in ihren Augen eine Entwicklung hin zu totalitären Regimen darstellte. Vor allem interessiert mich dabei die Frage: Warum beginnt so etwas? Und warum endet es? Davon handelt mein Film.

Wie begann es bei den Weathermen?

Junge Menschen sollten in den Vietnamkrieg gezwungen werden. Sie fühlten, dass das moralisch und rechtlich falsch war. Ich war damals auch jung und habe mit der Anschauung sympathisiert.

Haben Sie auch etwas dafür getan?

Das war schwierig: Ich war gerade dabei, eine Familie zu gründen, und baute mir eine Karriere am New York Theater auf. Aber die Gründe, gegen den Krieg zu sein, haben mir eingeleuchtet: Dann begann der Widerstand, aber die Macht der Nixon-Regierung war zu stark. Die Bewegung drehte in Gewalt ab. Das war der Anfang vom Ende. Viele mussten in den Untergrund abtauchen.

Alles schon verdammt lange her.

Mein neuer Film dreht sich nicht um damals, sondern um heute. Was ist aus den Menschen geworden? Wie fühlen sie sich? Sie blieben gefangen in der Falle ihrer falschen Identität.

Sollte man Menschen nach so langer Zeit noch zur Rechenschaft ziehen?

Die Frage stelle ich im Film. Wir ändern uns, die Lebensbedingungen ändern sich. Aber diese Menschen kommen nicht los davon. Manche haben ihre Taten bereut, wieder andere sind dem Terror immer noch zugewandt. Deshalb muss die Figur, die ich im Film spiele, noch einmal auf die Flucht gehen. Wenn Menschen sterben, muss sich jemand dafür verantworten – sogar dann, wenn man der Ansicht sein sollte, dass diese Leute die richtigen Positionen vertreten.

Sie führen Regie und sind zugleich Hauptdarsteller: Hatte der Regisseur nie Zweifel, ob der Hauptdarsteller ein wenig zu alt für diese Rolle sein könnte? Er hat eine elfjährige Tochter ...

Ja, ja, das hat der Regisseur immer wieder gesagt. Es hat aber auch vier lange Jahre gedauert, um diesen Film auf die Leinwand zu bringen. Ich kannte die Hauptfigur besser als jeder andere, und da dachte ich: Dann spiele ich sie auch.

Wie viel hat Ihr Film mit dem aktuellen Terror in Amerika zu tun? Ich denke an die Bomben beim Boston-Marathon.

Gar nichts. Das waren Einzeltäter, der Anschlag scheint etwas sehr Persönliches gewesen zu sein. Und die Gewalt gehörte bei den Tätern von Anfang an zum Plan. Bei mir geht es um eine Bewegung, um eine Stimme des Protests.

Es scheint Sie in jüngster Zeit wieder verstärkt vor die Kamera zu ziehen. Sie spielen in J. C. Chandors Überlebensdrama „All Is Lost“ die Hauptrolle, sind auch in der Comic-Verfilmung „Captain America“ dabei. Wie kommt‘s?

Ich habe in den Siebzigern viele Filme gemacht – als Schauspieler und Produzent. Als ich dann 1980 mein Regiedebüt „Eine ganz normale Familie“ ablieferte, war ich nicht bereit für den Erfolg (vier Oscars, darunter die für die beste Regie und den besten Film, d. Red.) Dabei wollte ich nur eine kleine Geschichte über das Leben in Amerika erzählen! Die Reaktionen haben mich nervös gemacht.

Und dann?

Ich wollte pausieren und meinen Erfolg für andere nutzbar machen. So entstand das Sundance-Festival. Ich wollte jungen Filmemachern eine Chance geben. Dann habe ich mich tiefer versenkt in diese Aufgabe als geplant. Klar, ich habe Filme gemacht wie „Jenseits von Afrika“ – aber unregelmäßig. Irgendwann bin ich aufgewacht und habe mir gesagt: Ich muss wieder schauspielern – bevor es zu spät ist.

Biographie

Robert Redford wurde 1936 in Santa Monica in Kalifornien geboren. Er zählt zu den populärsten Hollywoodschauspielern. Seine wichtigsten Filme sind „Zwei Banditen – Butch Cassidy and the Sundance Kid“, „Die drei Tage des Condor“, „Jenseits von Afrika“, „Der Pferdeflüsterer“, „Von Löwen und Lämmern“. Redford (hier aufgenommen bei der Pressevorstellung seines neuen Films beim Filmfestival in Cannes) führt auch Regie, fördert den Filmnachwuchs und fühlt sich auf seiner Ranch in den Rocky Mountains dem Umweltschutz verpflichtet. Im Politthriller „The Company you keep“ (Kinostart am 25. Juli) hat er Regie geführt und die Hauptrolle übernommen.

Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken: Lässt sich ein roter Faden erkennen?

Es gibt in meinen Filmen tatsächlich ein Thema: Oft gibt es einen Jäger, und es gibt einen Gejagten – sogar in einem Film wie „Quiz Show“. Vielleicht hängt dies mit meiner Kindheit zusammen: „Les Misérables“ war meine Lieblingsgeschichte. Und da wird Jean Valjean ein Leben lang von Inspektor Javert verfolgt.

Wenn Sie könnten: Würden Sie in Ihrem Leben etwas anders machen?

Überhaupt nichts! Nicht einmal die Fehler, denn die gehören dazu – auch wenn ich sie gerne vermieden hätte. Jungen Filmemachern in Sundance sage ich immer: Habt keine Angst vor Fehlschlägen. Wenn ihr scheitert, ist das nicht das Ende. Vielleicht lernt ihr was daraus.

Bedauern Sie tatsächlich gar nichts?

Ich bedauere das ein oder andere, besonders im Privaten. Aber das werde ich Ihnen nicht auf die Nase binden.

Und beruflich?

Nein, es gab einige große Momente für mich: „Die Unbestechlichen“ etwa. Der Widerstand war so groß gegen diesen später gefeierten Film über die beiden Journalisten, die den Watergate-Skandal aufdeckten. Oder der Western „Jeremiah Johnson“, den das Studio gar nicht herausbringen wollte und ins Regal packte – bis er eher versehentlich beim Cannes-Filmfestival lief. Ich habe in meinem Leben ziemlich viel von dem gemacht, was ich machen wollte. Ich habe meine Freiheit ausgekostet.

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