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Kultur Plaza-Hymnen von den Kings of Leon
Nachrichten Kultur Plaza-Hymnen von den Kings of Leon
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00:22 07.06.2014
Von Uwe Janssen
Foto: Wortkarger Rocker: Caleb Followill, Frontman der Kings of Leon.
Wortkarger Rocker: Caleb Followill, Frontman der Kings of Leon. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Die größte Show ist das Wetter. Schon weit vor der Veranstaltung. Herren in weißen Hosen rutschen in Pfützen aus, Frauen stöckeln hektisch unter Pavillondächer auf dem Expo-Gelände. Und wenn Menschen sich in konzentriert duftenden Dixi-Toiletten vor dem Regen retten, muss es schon ziemlich rundgehen.

Aber: Heut' ist Rock 'n' Roll, Baby! Die Bumm-Bumm-Tanzbären waren am Wochenende bei der Plaza-Party da, die Konzertbühne ist gleich stehen geblieben. Und heute regiert die Gitarre. Die Mighty Oaks aus Berlin um 19 Uhr sind gut zum Anwärmen, danach das schottische Trio Biffy Clyro. Die haben kürzlich im Stadionbad vor Halbnackten gespielt, da war es noch nasser als auf der Plaza. Die Jungs wissen also, wie man sowas angeht. Und wie der Wetterfrust vergeht. Mit Dampf, viel Dampf. Passt schon.

Auf der Expo-Plaza wird gerockt: 12.000 Menschen sind gekommen, um sich Kings of Leon anzusehen.

Aber eigentlich wollen die 12.000 Fans Kings of Leon sehen. Vier Männer aus Amerika, die alle Followill heißen, drei Brüder und Cousin Matthew an der Gitarre. Rock-'n'-Roll-Personalunion. Wer sie nicht kennt, weiß nach dem ersten Song: Show ist ihre Sache nicht. Wer sie kennt, wusste vorher: Der Regenguss war optisch spannender. Dass die Band trotzdem eine Weltkarriere gemacht hat, muss also an ihrer Musik liegen. Und auch das ist nach wenigen Minuten klar: Der größte Wind weht aus den Boxen. „Supersoaker“ und „Tape Jean Girl“ fegen über die Köpfe hinweg, gehalten von einem wuchtigen Bass/Schlagzeug-Gerüst, effektvoll angereichert von nervös drängelnden Gitarren und immer wieder durchtrennt von der schneidenden Stimme Caleb Followills.

So oder fast so funktionieren eigentlich alle Songs der aus Tennessee stammenden Band. Auch das melodiöse "Fans", das noch einen anderen Trumpf der Könige ins Spiel bringt: hymnische Melodien, die sich aus den Rockriffs herausschälen, wie gechaffen für Großarenen und Expo-Plätze. Und damit haben sie, so nach einer knappen Viertelstunde, die meisten Fans schon im Sack. Denn die Songs sind geschickt gebaut und arrangiert, immer wieder lassen die Herrschaften in einer Strophe mal die Zügel schleifen, um dann umso wuchtiger wieder anzuziehen und die Menge dabei mitzunehmen.

Caleb sagt nicht viel, er sagt eigentlich gar nichts, irgendwann immerhin " Hallo" und "Wir sind Kings of Leon". Das bisschen, was sonst noch alle drei Songs kommt, ist kaum zu verstehen, denn Caleb nuschelt, er ist Südstaatler, was will man erwarten. Gilt etwas weniger für das Singen, aber wer die Songs nicht kennt, muss schon sehr genau hinhören. Die Texte an seinem Gesichtsausdruck zu interpretieren, bringt nichts, er guckt immer gleich und nicht besonders fröhlich, eher ein wenig angestrengt.

Ohnehin geigen sich die vier gern bandintern die Meinung, es gab schon Prügeleien mit gebrochenen Armen im Studio Fast wäre die Gruppe daran zerbrochen, aber nach einer Auszeit ging es dann doch weiter. Das neue Album „Mechanical Bull“ kann man musikalisch als ein wenig differenzierter betrachten als die fünf zuvor. Aber live fällt das nicht auf und schon gar nicht ab. Wie „Family Tree“. Beginnt wie eine Soulfunknummer, biegt dann aber in ein Bluesschema ab und lärmt am Ende doch kräftig.

Und auch eine Tugend, die im weiten Indie-Feld fast untergegangen ist, halten die Kings of Leon fast trotzig hoch: das Gitarrenriff, Brandzeichen eines guten Gitarrenrocksongs. "Closer" ist so eins, "Temple" vom neuen Album wird so eins. Es lässt schon nach dem ersten Ton die Arme hochgehen und die Leute jubeln und jauchzen, Indie-Fans brauchen dafür 'ne App. Oder sie sind einfach zu cool dafür.

Irgendwann wird es dunkel und die Lichtshow kommt ein bisschen besser zur Geltung. Immerhin daran haben sie optisch gedacht. Aber das ist nicht das Wichtigste. Dass es irgendwann wieder anfängt zu regnen, ist dann auch egal. Wer sich jetzt daran stört, hat das mit dem Rock 'n' Roll nicht vestanden.

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