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Kultur „Ich gebe viel Herzblut in das Festival“
Nachrichten Kultur „Ich gebe viel Herzblut in das Festival“
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22:19 17.06.2014
Von Ronald Meyer-Arlt
Baron Freiherr Roderic von Bennigsen am 10.06.2014 in Springe auf dem Rittergut Bennigsen. Quelle: Tobias Kleinschmidt
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Zwei Jahre lang gab es kein Sommerfestival auf dem Rittergut Bennigsen. Was ist geschehen?
Ich war so viel auf Reisen, habe so viele Konzerte gegeben und mich anderen Aufgaben gewidmet, sodass ich mich entschieden habe, zwei Jahre auszusetzen.

Nun geht es aber wieder weiter.
Ja. Es wäre nicht richtig, länger als zwei Jahre zu pausieren, weil dann der Faden abreißen würde. Ich mache nun nicht mehr so viele Konzerte, dafür aber mache ich außergewöhnliche Veranstaltungen.

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Außergewöhnlich ist eine Podiumsdiskussion, die Sie geplant haben. Vor der ersten musikalischen Darbietung, einem Konzert mit dem Streichquartett des Gewandhauses Leipzig am 5. Juli, sollen der Philosoph Peter Sloterdijk und Martin Fischer-Dieskau, der Sohn des Sängers Dietrich Fischer-Dieskau, mit Ihnen über das Thema „Musik als Medium“ sprechen. Der Titel verspricht nicht gerade eine kontroverse Diskussion.
Ich will ein Thema, das so universell ist wie die Musik, nicht zu einem kleinen, kontroversen Thema reduzieren. Man muss dem Gespräch die Möglichkeit eines großen, universellen Spektrums lassen. Alles andere hieße das Thema restriktiv in deutsch-akademischen Grenzen zu halten. Ich will die Möglichkeit wahren, weit auszuholen.

Aber es ist doch immer ein Problem, wenn jemand wie Peter Sloterdijk weit ausholt. Zumindest bekommen Sie dann ein Zeitproblem.
Er kann ruhig weit ausholen. Ich persönlich schätze es ja auch sehr, weit auszuholen. Da ich die Diskussion moderieren werde und zu diesem Thema auch sehr viel zu sagen habe, kann ich die Sache auch steuern. Sollte es nötig sein, werden wir mit dem Konzert einfach etwas später beginnen. 

Am Freitag, 18. Juli, gastiert das Philharmonic Orchestra Odessa bei Ihnen auf dem Gut Bennigsen. Warum haben Sie dieses Orchester aus der Ukraine eingeladen?
Zuerst hatte ich das London Philharmonic Orchestra engagiert, das schon oft hier war. Ich habe ihm dann aber abgesagt. Ich suchte etwas Besonderes. Ganz Deutschland spricht derzeit über die Ukraine, und Odessa ist eine wichtige Musikstadt mit einer großen kulturellen Tradition. Also habe ich dieses Orchester eingeladen, das aus einer so dramatischen Situation kommt und zu den Eliteorchestern des Ostens gehört. Das entspricht auch meinem Ideal, ein humanitäres, tieferes Wesen in mein Festival einzubeziehen.

Werden Sie das Orchester selbst dirigieren?
Ja, natürlich.

Warum?
Weil ich bei meinem Festival immer selbst dirigiere. Kürzlich habe ich im Musikverein Wien dirigiert, warum sollte ich das nicht auch hier tun? Ich bin Musiker, und Künstler – als Interpret aufzutreten ist Bestandteil meiner persönlichen Aussage.

Viele Gutshöfe bieten klassische Musik zur Sommerzeit an. Was ist das Besondere an Ihrem Festival?
Mein Festival hat ein sehr individuelles Gesicht. Gutshäuser und Scheunen gibt es überall. Ich war 1995 der erste, der sein eigenes Festival in persönlicher Gestaltung in dieser Weise angefangen hat.

Nun ja, zu der Zeit gab es auch schon das Schleswig-Holstein Musikfestival.
Das ist das einzige bedeutsame Beispiel. Konzerte in einer Scheune veranstalten, das kann jeder. Mein Festival hat dagegen inhaltlich und geistig eine ganze andere Dimension. Das muss man begreifen. Ich habe die Internationale Humanitas Gesellschaft gegründet, damit Künstler eine Möglichkeit erhalten, in schwierigen Situationen ein Forum zu bekommen, um am Weltschicksal teilzunehmen. Es geht ja nicht nur um das physische, sondern vor allem um das geistige und seelische Überleben. Das Problem ist, dass ich manchmal in ein falsches Licht gerate. Man denkt: Der hat seinen Besitz, jetzt macht er da seine Konzerte. In der Berichterstattung kommen so viele Klischees zusammen, dass es mit mir am Ende nichts mehr zu tun hat. Ich gebe viel Herzblut in das Festival und bereichere die Region damit seit 17 Jahren. Aber es wird leider oft nicht richtig gewürdigt.

Sie haben mehreren Kritikerkollegen Hausverbote erteilt.
Nein.

Doch.
Gut. In den ersten Jahren gab es unadäquate, niveaulose Berichte, dass ich mir gesagt habe, es ist besser, auf die Presse zu verzichten, ich habe ja mein Publikum. Als ich hier angefangen habe, wurde jedes Konzert und jedes meiner Dirigate verrissen. In Wien und anderswo dagegen bekam ich wunderbare Kritiken. Ich habe nichts gegen Kritik, aber dass man in Hannover so destruktiv und in ungutem Geist über mich berichtete, mochte ich dann doch nicht hinnehmen. Hier kommen zwei Faktoren zusammen: Erstens gilt der Prophet nichts im eigenen Land, und zweitens kommt sehr viel Neid hoch, wenn Sie einen Menschen wie mich sehen. Ich habe hier einen wunderbaren Besitz, ich hole die größten Künstler, die besten Orchester hierher, und ich dirigiere selbst. Ich habe nur selten einen generösen, vorurteilsfreien Bericht über mein Festival gelesen. Obwohl es einige sehr gute gab. Projekte dieser Natur zu erniedrigen ist einfach, sie richtig zu deuten schwer.

Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie in diesem Jahr?
Das weiß ich nicht. Ich bin jemand, der sich um die Inhalte kümmert, die Logistik ist nur ein Nebenschauplatz. Ich weiß nur, dass etwa 45 000 Besucher seit Bestehen des Festivals hier waren.Und ich freue mich, mein treues langjähriges Publikum wieder zu sehen.

Interview: Ronald Meyer-Arlt

Beim diesjährigen Sommerfestival gastiert am Sonnabend, 5. Juli, um 20 Uhr das Gewandhaus-Quartett Leipzig auf dem Rittergut. Am Freitag, 18. Juli, gibt es um 20 Uhr ein „Galakonzert der Völkerverständigung“ mit dem Odessa Philharmonic Orchestra. Karten gibt es in den HAZ-Ticketshops und unter Telefon (05 11) 12 12 33 33.

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