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Kultur Männer, die mit Hüten singen
Nachrichten Kultur Männer, die mit Hüten singen
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00:20 20.10.2014
Foto: Auf den zweiten Takt: Roger Cicero verpackt leise Lebensweisheiten in groovigen Jazz.
Auf den zweiten Takt: Roger Cicero verpackt leise Lebensweisheiten in groovigen Jazz. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Das siebzehnte Konzert auf Roger Ciceros Tour sei schon etwas besonderes, sagt der Sänger. Hannover. Immerhin hat er lange in Hannover gelebt, zudem sind drei seiner Mitstreiter auf der Bühne in der Swiss Life Hall lokale Musikgrößen. Drummer Matthias Meusel, Hervé Jeanne am Bass, Saxofonist Thomas Zander und zehn weitere Musikanten sorgen für einen großartigen Bigband-Sound.

Aber zunächst kommt Gregor Meyle: Guten Abend, mein Name ist Roger Cicero“ kokettiert der zurückhaltende Sänger – und hat sofort die Sympathien der rund 2000 Besucher. Seine sonor-gebrochene Stimme ist vielen erst seit der TV-Sendung „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ bekannt. Bei „Heute Nacht“ nuschelt er im Bossa-Nova-Duett mit der klaren Stimme von Geigerin Laura Bellon und bekommt viel Applaus. Solider Auftakt, aber dann, nach der Umbaupause, kommt zum filmmusikreifen Intro der echte Cicero.

Roger Cicero begeisterte am Abend zahlreiche Besucher in der Swiss Life Hall.

Die Bläser gehören zum Besten, was Deutschland in Sachen Bigband-Jazz zu bieten hat. Im Hintergrund stimmt jeder Ton, jeder Einsatz. Jedes Solo wird begeistert beklatscht. Im Vordergrund steht everybodies Darling. Ciceros unverwechselbare Stimme ist in allen Tonlagen sicher, der 44-Jährige verpackt seine Lebensweisheiten in groovigen Jazz. Schon beim zweiten Lied stehen nicht nur die besungenen Banker auf, alle klatschen, und zwar richtig – auf den zweiten und vierten Takt.

Cicero singt von tiefer Resignation und verlorener Liebe. Vieles hat sich verändert mit „Was immer auch kommt“, dem neuen Album, seinem ersten, das ganz ohne Bigband aufgenommen wurde. Trotz allen textlichen Tiefgangs haben viele seiner Songs immer noch diese Leichtigkeit, für die er seit „Männersachen“ aus dem Jahr 2006 bekannt ist. Wer bekommt nach der Trennung den Hund, wer das Kaffeeservice – intime kleine Geschichten, massentauglich aufbereitet. Neu ist, dass er hörbar etwas verarbeitet hat – zumindest transportiert sich dieser Eindruck. „Endlich wieder frei“ endet mit dem Satz „Gott, wie ich dich vermisse“. Er kann auch leise, der Cicero.

Das berühmte „Bluesette“ von Jean „Toots“ Thielemans hatte er schon 2004 auf dem Album „There I Go“, damals mit englischem Text. Heute singt er es auf Deutsch, es ist das schnellste Stück des Abends, und es ist eine mitreißende Hommage an vergangene Jazz-Zeiten. Bei „Zieh die Schuh aus“ und „Frauen regiern die Welt“ weicht die zwischenzeitliche Melancholie wieder der augenzwinkernden ciceroschen Sicht auf die Welt.

Wenn du die Wahl hast, heißt es in einem seiner Songtexte, ob du stehen bleibst oder tanzt, dann hoffe ich, dass du tanzt. In Hannover haben sie getrampelt, gepfiffen, gejubelt – und reichlich getanzt.

Von Michael Krowas

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