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Kultur Buchbinder spielt Beethoven-Zyklus
Nachrichten Kultur Buchbinder spielt Beethoven-Zyklus
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00:18 06.03.2015
Von Rainer Wagner
Foto: Rudolf Buchbinder probt im NDR Sendesaal.
Rudolf Buchbinder probt im NDR Sendesaal.  Quelle: Marta Krajinović
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Hannover

Was ist das Geheimnis einer (lebens)langen Liebe? Sich die Neugier zu bewahren und im Vertrauten immer wieder Neues zu entdecken. Rudolf Buchbinder gelingt das bei seinem Beethoven-Zyklus bei Pro Musica, der jetzt im ausverkauften NDR-Sendesaal mit dem sechsten und vorletzten Abend in die Zielgerade einbog. Sein Leben lang beschäftigt er sich mit diesen Sonaten, die er bis jetzt rund 50-mal als Zyklus geboten hat. Und immer wieder präsentiert er sich und uns neue Nuancen.

Er beginnt diesmal mit der B-Dur-Sonate op. 22, der Beethoven-Kritiker gern vorwerfen, sie sei – nach Beethoven-Maßstäben – eher ereignisarm. Dass das vor Überraschungen nicht schützt, macht Buchbinder schnell klar. Das kleine Fragemotiv des Anfangs gibt sich noch etwas raunend, ehe sich die Stimme im Diskant erhebt. Das gehört ja auch zu diesem Zyklus, dass der Pianist bei jedem Start (auch nach der Pause) immer zwei, drei Takte braucht, bis er sich und seinen Steinway auf den Raumklang eingepegelt hat – oder müssen sich unsere Ohren erst feinjustieren?

Dann aber legt er den Charme des Spielwerks dieser Sonate frei und landet im Schlussrondo in abgeklärter Gelassenheit.

Diesem doch eher ausladenden Opus lässt Buchbinder, der ja nie chronologisch vorgeht, die vermeintlich w G-Dur-Sonate op. 49/2, die hier wunderbar luzide klingt und deren Menuetto wie eine Spieluhr tönt.
Danach wird es ernsthafter, aber trotz des Beinamens „Pathétique“ der c-Moll-Sonate op. 13 nicht pathetisch, sondern gewichtig. Mit einem Grave-Beginn, der nicht gravitätisch in Stein gemeißelt ist. Mit einem vorwärtsdrängenden Allegro di molto, einem ganz selbstverständlich sich aussingenden Adagio cantabile und einem virtuos verspielten Rondo.

Der Pianist Rudolf Buchbinder gastiert im großen Sendesaal des NDR.

Dass es bei Beethoven keine Petitessen gibt, auch wenn er eine Sonate zur „Sonatine“ verkleinert, zeigt Buchbinder nach der Pause mit der G-Dur-Sonate op. 79. Eine „Sonata facile“, wie Beethoven selbst sie nannte, ist das vielleicht formal, aber das Leichte ist oft das Schwerste. Hier aber glitzert der Witz nicht nur im Kuckuck-Motiv des Presto alla tedesca. Ein wenig Melancholie darf sich im Andante breitmachen, ehe sich das Vivace wie eine Kinderszene für Große entfaltet.

Zum Abschluss dann mit der „Waldstein“-Sonate einer der populärsten Teile des Zyklus. Weil Buchbinder die Tonrepetitionen des Con-brio-Auftakts tatsächlich im Pianissimo-Bereich hält, vermeidet er das blank Motorische und lässt Klangraum für immer neue Schattierungen. Die Introduzione, die dann überleitet zum rätselreich fragenden Rondo, wirkt verzaubert und verzaubernd. Wenn Beethoven mit dem Prestissimo den rasanten Schlusspunkt setzt, bleibt Buchbinder diesen Anforderungen nichts schuldig.

Entsprechender Beifall, ein Großteil des Publikums erhebt sich. Und Buchbinder bedankt sich mit dem pointiert zugespitzten Finale aus der F-Dur-Sonate op. 10. Auf sein (wie wir ihn kennen: nur vorläufiges) Schlusswort in Sachen Beethoven darf man gespannt bleiben.     

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