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Kultur Ruhrgebiet feiert sich als Kulturhauptstadt Europas
Nachrichten Kultur Ruhrgebiet feiert sich als Kulturhauptstadt Europas
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10:38 10.01.2010
Feuerwerk zur Eröffnung: Das Ruhrgebiet ist 2010 die Kulturmetropole Europas.
Feuerwerk zur Eröffnung: Das Ruhrgebiet ist 2010 die Kulturmetropole Europas. Quelle: ap
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Das Tief „Daisy“ konnte die Feier der neuen Kulturhauptstadt Europas nicht stoppen. Trotz Schneegestöbers und Minusgraden feierte am Sonnabend das Ruhrgebiet mit einem Fest unter freiem Himmel die Ernennung zur Kulturmetropole Europas. Doch wurde den Teilnehmern der Eröffnungsfeier auf der zum Weltkulturerbe gehörenden Essener Zeche Zollverein einiges abverlangt. Denn vor und auf der Freilichtbühne war es kalt und zugig. So suchten die meisten Ehrengäste unter roten, gelben, blauen und grünen Plastikcapes Schutz vor dem Schneegestöber. Musiker spielten mit Handschuhen ihre Instrumente. Tänzer und Sänger der Eröffnungsrevue mit dicken Pullovern, Schals oder Daunenjacken der Kälte. Herbert Grönemeyer präsentierte seine neue Ruhr-Hymne „Komm zur Ruhr“ im Wintermantel. Und immer wieder musste mitten in der Revue auf der Bühne Schnee geräumt und Salz gestreut werden.

Auch Schneesturm Daisy konnte dem Fest nichts anhaben: Mit einer bunten Feier ist am Sonnabend in Essen der einjährige Kulturmarathon "Ruhr2010" eröffnet worden. Bis zum Ende des Jahres ist das Ruhrgebiet Europas Kulturhauptstadt.

Unbeeindruckt vom Wetter zeigte sich aber Bundespräsident Horst Köhler. Während sein Hut langsam vom Schnee weiß bepudert wurde, lobte er in seiner Eröffnungsrede die Ernennung des Reviers zur Kulturhauptstadt als großen Gewinn nicht nur für das Ruhrgebiet. „Hier ist Kultur keine elitäre Veranstaltung, sondern eine lebensgestaltende Kraft für alle“, sagte der Bundespräsident.

Im Revier gebe es viel zu entdecken: stillgelegte Zechen und Stahlwerke als imposante Zeugnisse einer der größten Industrieregionen Europas, aber auch mittelalterliche Gotteshäuser und zahlreiche beeindruckende Museen. Doch vor allem werde das Revier geprägt von seinen Menschen: „Bodenständig und direkt, hilfsbereit und solidarisch, zusammengekommen aus Europa und der ganzen Welt“.

Zum ersten Mal ist mit dem Ruhrgebiet eine ganze Metropolenregion mit 5,3 Millionen Bewohnern als Kulturhauptstadt Europas ausgewählt worden. Und die 53 Städte des Reviers wollen die Gelegenheit nutzen, das Image von Kohle und Stahl abzuschütteln und auf ihre kulturelle Vielfalt aufmerksam zu machen. Dafür stehen den Organisatoren des Hauptstadtjahres rund 62,5 Millionen Euro zur Verfügung. Geplant sind insgesamt 300 Projekte und 2.500 Veranstaltungen, zu denen fünf Millionen Besucher erwartet werden.

Das Programmangebot reicht vom Happening bis zur Hochkultur. Dabei schlagen die Verantwortlichen immer wieder eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart - etwa mit dem Projekt „Schachtzeichen“. Ende Mai sollen im ganzen Ruhrgebiet neun Tage lang rund 350 gelbe Ballons weithin sichtbar über ehemaligen Bergwerkschächten schweben und auf die Wurzeln des Ruhrgebiets aufmerksam machen. Gleichzeitig sollen sie aber auch den Wandel der Metropole verdeutlichen. Denn die meisten Fördertürme sind längst verschwunden. Oft stehen an ihrer Stelle heute Wohnsiedlungen, Einkaufszentren oder Technologieparks.
Ein weiterer Höhepunkt dürfte das „Still-Leben Ruhrschnellweg“ sein, zu dem am 18. Juli mehr als eine Million Teilnehmer erwartet werden. Einen Tag lang soll die Autobahn 40 zwischen Duisburg und Dortmund gesperrt werden. Mitten auf der Hauptverkehrsader des Reviers, einer der meistbefahrenen Straßen Deutschlands, soll ohne Motorlärm und Abgase ein Fest der Alltagskulturen stattfinden. Rund 20.000 Tische sollen dazu auf dem Asphalt aufgebaut werden - zum Essen und Trinken, aber auch als Raum zur Selbstdarstellung für Brieftaubenzüchter, Chöre und Künstler.

Doch auch die Hochkultur zu ihrem Recht. Das neugebaute Folkwang-Museum in Essen präsentiert von März bis Juli die Ausstellung „Das schönste Museum der Welt“. In ihr wird mit wertvollen Leihgaben die einzigartige Folkwang-Sammlung der frühen 30er Jahre rekonstruiert - mit später von den Nazis in alle Welt verkauften Meisterwerken von Kandinsky, Matisse, Kirchner, Marc, Munch und Beckmann.

Außerdem hat Hans Werner Henze, einer der wichtigsten Komponisten der Gegenwart, im Auftrag der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 und der sächsischen Staatsoper Dresden die in Oberhausen spielende Oper „Gisela oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks“ komponiert, die im September im Revier ihre Uraufführung erleben soll.

Doch das ist längst nicht alles: Zum Programm des „Hauptstadtjahres“ gehören auch die Loveparade, das Festival „Theater der Welt“ und das größte Chor-Konzert Europas in der Veltins-Arena, wo sonst Schalke 04 spielt.

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afp