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Kultur Der Jahresrückblick des Salons Herbert Royal im Theater am Aegi
Nachrichten Kultur Der Jahresrückblick des Salons Herbert Royal im Theater am Aegi
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00:15 12.12.2017
Salon Herbert Royal
Salon Herbert Royal Quelle: Meyer-Arlt
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Hannover

 Das hätten sich die Herberts früher nicht getraut: „Janssen, Schmaler, Brauer, Grimm, Wiedersheim und Teetz“ singen sie, als sie die Bühne betreten. Die Namen der Mitwirkenden als Erkennungsmelodie - daraus spricht gesundes Selbstbewusstsein. Aber das ist durchaus berechtigt. Denn der „Salon Herbert Royal“ ist mittlerweile eine Institution in Hannover. Seit sechs Jahren treten die singenden Journalisten jeweils im Advent im (ausverkauften!) Theater am Aegi auf.

Außerhalb der Weihnachtszeit gastieren sie regelmäßig im Theater am Küchengarten. Der kleinen Bühne scheinen sie nun langsam zu entwachsen. Beim Auftritt im Aegi gab es einen (deutlich zu langen) Werbeblock, in dem verkündet wurde, dass der Salon Herbert Royal im kommenden Jahr an mehreren Terminen im GOP in der Georgstraße zu Gast sein wird.

Der Salon Herbert Royal im Theater am Aegi

Und der Vorverkauf für die Jahresrückblickshows 2018 im Theater am Aegi hat auch schon begonnen. Das komische Journalistensextett (verstärkt von drei Musikern des „Salon-Orchesters“) kommt sehr gut an in der Stadt. Was vielleicht auch daran liegen mag, dass die immer sehr gefeiert wird. Von der „schönsten Stadt der Welt“ ist mehrfach die Rede und von der „Perle der Natiön“. Naja.

Sind diese tiefen Verbeugungen vor dem Lokalen wirklich nötig? Wahrscheinlich nicht. Denn die besten Nummern des Programms sind sowieso die stadtkritischen Beiträge, etwa Uwe Janssens hochkomische Auseinandersetzung mit englischsprachiger Hannover-Werbung („List District“) oder die, in denen die Stadt eigentlich gar keine Rolle spielt. Kristian Teetz‘ fulminante Beobachtung eines Schalke 04 Fans, der Indianerkopfschmuck trägt, Dirk Schmalers witziger Song über einen Marathonläufer, der nur das Fleisch schneller Tiere isst, oder Imre Grimms an Willy Astor erinnernde Künstleraufzählung („Matisse, mal das“) funktionieren auch ohne jeden Hannover-Bezug. Und zwar hervorragend. Das Programm dauert wieder mal gut drei Stunden, aber die fühlen sich an wie anderthalb. Höchstens. 

Musikalisch bewegen sich die Herberts zwischen Achim Reichel und Element of Crime. Ab und zu aber stürzen sie ab in den Rumpelschlager. Dann freuen sich die Akteure auf der Bühne, wenn die Zuschauer ordentlich mitklatschen. Und das ist genau der falsche Weg für eine großartige Gruppe, bei deren Auftritt doch eigentlich jedes Wort zählt.

Für die Aufführung am Sonnabend Abend gibt es noch Karten an der Abendkasse.

Von Ronald Meyer-Arlt

08.12.2017
08.12.2017