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Kultur Sample und Jarreau jammen in Hannover
Nachrichten Kultur Sample und Jarreau jammen in Hannover
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19:11 19.11.2012
Kann ein ganzes Orchester imitieren: Al Jarreau. Quelle: Frank Wilde
Hannover

„Lean on Me“ singt Al Jarreau, 72 Jahre jung, zum Abgang. Lehn dich an mich. Also lehnt Joe Sample, 73 Jahre jung, sich an Al Jarreau. Betont theatralisch hinken die beiden nach zwei Stunden Konzertdauer von der Bühne. Aber sie kommen wieder, keine Frage. Das gehört einfach dazu, zu einer guten Show. Las Vegas ist ganz nah an diesem Abend im hannoverschen Theater am Aegi. Aber auch der Broadway. Und Texas. Und die Jungferninseln. Und noch vieles mehr. Mehr, als von den beiden Veteranen des Pop-Jazz, die im Rahmen der „Jazz Nights“ mit dem opulenten Klangkörper der NDR Bigband durch Deutschland touren, zu erwarten war.

Die zwei Jazz-Unterhalter haben viel gemeinsam, etwa ihren Flirt mit Pop- und Disco-Musik. Es war sogar eine heftige Liaison, die ihnen Hits mit Millionen verkaufter Tonträger bescherte. Songs wie „L Is for Lovers“, „Boogie Down“ oder „Street Life“ von Sample mit den Crusaders. Keiner der Hits ist an diesem Abend zu hören, obwohl 90 Prozent des Publikums diese Songs wohl auswendig mitsingen könnten. Und wohl auch klammheimlich erwarten.

Stattdessen spielt sich Sample in der ersten Hälfte des Konzerts meisterhaft und subtil arrangiert von Jörg Achim Keller und seiner NDR Bigband durch ein von ihm komponiertes Songkompendium, das die Sklaverei thematisiert. Von dem Sklavenumschlagplatz, den Jungferninseln, geht es musikalisch nach Texas. Von kreolischen Klangfarben zum Texas-Blues, weiter zum Soul. Und von dort zum Jazz.

Eine kleine Geschichtsstunde über die Entwicklung afroamerikanischer Musik ist das. Wobei die Solisten der NDR Bigband, allen voran die Trompeter Ingolf Burghard und Claus Stötter, die Höhepunkte setzen. Am Ende des ersten Sets ist auch Jarreau auf der Bühne und singt „Summertime“ aus der großen Jazz-Oper „Porgy and Bess“ - ein Vorgeschmack auf den zweiten Teil des Abends, den Jarreau weitgehend mit seinen Version von „Porgy and Bess“-Songs wie „It Ain’t Necessarily So“ füllt.

Von Jarreau heißt es, er könne mit seiner Stimme ein ganzes Orchester imitieren. Umso beeindruckender, ihn nun mit einer Jazz-Bigband zu hören. Da ist der „Instrumentalist der Stimme“, wie er schon mal bezeichnet wurde, in seinem Element: Er scattet, imitiert Saxofonsoli, duelliert sich mit dem Schlagzeuger und verbindet Charlie-Parker-Phrasen mit James-Bond-Melodien. Und weil er kein Unmensch ist, singt Jarreau zum Abschluss dann doch einen Hit - seine Version von Dave Brubecks „Take Five“. Den Song muss er einfach spielen, sonst würden ihn seine Fans bis ins Hotel verfolgen, sagt Jarreau.

Der Jubel ist groß, der Zugabeblock ausgedehnt, die Standing Ovations der Ü-50-Generation nicht enden wollend. So sind am Ende alle froh: die Jazz-Veteranen, die Musik mit einer Bigband spielen, die ihnen am Herzen liegt. Und die Zuhörer, die zwei Größen des Jazz im besonderen Rahmen erleben.

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