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Kultur Samuel Koch veröffentlicht Autobiografie
Nachrichten Kultur Samuel Koch veröffentlicht Autobiografie
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09:49 20.04.2012
„Heulen ist nicht mein Ding“: Samuel Koch im November 2011. Quelle: Steiner
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Berlin

Das zweite Leben von Samuel Koch begann am 4. Dezember 2010 um 20.38 Uhr. Es war der Moment, der ihn vom sportlichen jungen Mann zu einem Menschen machte, dessen ganzes Leben eine Herausforderung ist. Bei „Wetten, dass …?“ wollte er über fahrende Autos springen, mit Sprungfeder-Schuhen. Doch der damals 23-Jährige stürzte, Millionen sahen live zu. Er blieb liegen. Heute ist Koch vom Hals abwärts querschnittsgelähmt. Am Montag nun erscheint sein Buch. „Zwei Leben“ heißt es.

„Heulen ist nicht mein Ding. Man kann auf jedem Niveau klagen – aber auch glücklich sein“, sagt Koch über sein Buch. Der Verlag adeo bewirbt es als die Geschichte „eines jungen Mannes, der nichts mehr zu verlieren hat, sondern nur noch gewinnen kann“. Christoph Fasel, Koautor, hatte Koch vor seinem ersten Fernsehinterview nach dem Unfall bei Peter Hahne kennengelernt. Der Journalist und Mediencoach sollte ihn sicherer vor der Kamera machen. Die beiden verstanden sich auf Anhieb, Fasel sagt sogar: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Der Verlagsleiter von adeo kam dann mit der Buchidee auf Fasel zu. Der besuchte Koch anschließend häufig, oft sprachen die beiden auch stundenlang über Skype. „Parallel zum Gespräch protokollierte ich Hunderte Seiten.“ Anschließend ordneten die beiden gemeinsam das Material, entschieden über die Dramaturgie des Buches. Fasel: „Samuel ist von außergewöhnlicher Kraft und Zielstrebigkeit.“

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Schon früh erklärte Koch nach dem Unfall, dass er ein normales Leben führen wolle. Ein schwieriges Unterfangen. Bei einem Gottesdienst in Hannover, den Koch besuchte, hatte er im Januar erklärt: „Wenn ich einen Bewegungsdrang verspüre, dann ist das wie eine Platzangst im eigenen Körper.“

In Hannover hat sich Koch eine Wohnung gesucht, er studierte vor dem Unglück an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Schauspiel – und wollte das auch weiterhin tun. Dieses Ziel zumindest hat er erreicht. Seit dem 1. April ist er zurück in Niedersachsen. Die Hochschule hat für ihn einen Lehrplan erstellt, der auf Modulen des Schauspielstudienganges aufbaut und an Kochs Möglichkeiten angepasst ist. Dabei sei sie von kompetentem Fachpersonal beraten worden.

Fachpersonal begleitet Samuel seit dem Unfall dauerhaft. Ein Jahr verbrachte er in einer Schweizer Spezialklinik. Im Buch, dass die „Bild“ derzeit in Auszügen exklusiv vorab druckt, erzählt Koch, dass er an den Unfall keine Erinnerung hat. Er habe Sekunden vor der Wette im Kopf aus Psalm 23 zitiert, schreibt er („Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“). Um 20.37 Uhr dann: „Applaus, Geschrei, Jubel, Schilder werden hochgehalten, meine Geschwister springen auf.“ Dann: „Absprung. Salto. Ein Knall. Nacht.“

An die Zeit im Krankenhaus direkt danach erinnert er sich verschwommen: „Wie in schlechten Filmen, dachte ich. Ich sah die Lichter an der Decke über mir vorbeisausen. Mein Papa lief neben mir her, hatte seine Hand auf mir.“

Sebastian Scherer

20.04.2012
Stefan Arndt 19.04.2012