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Kultur Sandra Bullock im Drama „Blind Side – Die große Chance“
Nachrichten Kultur Sandra Bullock im Drama „Blind Side – Die große Chance“
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02:52 26.03.2010
Von Ernst Corinth
Die Regeln des Spiels: Sandra Bullock und Quinton Aaron. Quelle: Warner Bros.

Vorsicht vor vorschnellen Urteilen. Dass die manchmal ganz schön in die Irre führen, beweist auch John Lee Hancocks Film „Blind Side – Die große Chance“. Wer nämlich nicht weiß, dass das Südstaaten-Drama auf einer wahren Begebenheit beruht, wird es womöglich als verlogen, schlimmer noch: als versteckt rassistisch verurteilen.

Dabei ist die Geschichte einfach nur schön, ja, für ihren dunkelhäutigen Helden ist sie ein Märchen, das wahr wird, und für den Zuschauer bedeutet sie Wohlfühlkino der angenehmeren Art – vor allem dank der beiden Hauptdarsteller Quinton Aaron und Sandra Bullock, die für ihre Rolle kürzlich einen Oscar als beste Schauspielerin erhielt. Und dass sie tatsächlich am Oscar-Wochenende für ihre Rolle in der romantischen Komödie „Verrückt nach Steve“ (Deutschland-Start: 29. April) auch als miserabelste Schauspielerin mit der Goldenen Himbeere ausgezeichnet wurde, hat es übrigens in der ganzen Filmgeschichte noch nicht gegeben.

Die 45-jährige Bullock spielt hier die Südstaaten-Lady Leigh Anne Tuohy, die mit Mann und zwei Kindern in einer properen Villa lebt und bei anderen Damen der vermeintlich besseren Gesellschaft für ihr soziales Engagement berüchtigt ist.

Viel mehr allerdings – also Beruf, Herkunft und so weiter – erfährt man leider nicht über diese Frau. Eines kalten Winterabends läuft ihr Michael über den Weg. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Weil dieser bullige schwarze Jugendliche, den alle nur Big Mike nennen, auf derselben christlichen Schule wie Leigh Annes Kinder ist und offenbar kein Zuhause hat, nimmt sie ihn bei sich auf.

Von nun an wird Michael, der alles andere als fit im Lesen und Schreiben ist, rundum von Leigh Anne gefördert. Und auch im Schulsport macht diese jugendliche Dampfwalze schnell Karriere. Natürlich beim Football, in einer Sportart also, die er – nach eigener Aussage – betreibt, nicht weil sie ihn interessiert, sondern weil er eben gut in ihr ist. Und bald interessieren sich auch auswärtige Mannschaften für diesen wahren Football-Rammbock.

Wie „Precious“ beruht auch „The Blind Side“ auf einer wahren Geschichte. Hier ist es das Leben des heute 24-jährigen Footballstars Michael Oher. Quinton Aaron, der diesen Mike spielt, ist eine richtige Entdeckung. So sanft, so zurückhaltend und liebenswert agiert er in dieser Rolle. Ein Typ, dem man einfach helfen muss. Und der diese Hilfe mit großem Dank und aufrichtiger Freude annimmt. Aber den Oscar hat – bei ihrer ersten Nominierung überhaupt – ja Sandra Bullock gewonnen. Eine Entscheidung, die man durchaus nachvollziehen kann. Wie sie hier vor Selbstbewusstsein strotzt, wie sie nichts und niemanden fürchtet, das ist schon sehr überzeugend. Auch ihre kurzen Selbstzweifel, ob sie Michael nicht doch nur für ihre Zwecke missbraucht, wirken glaubhaft. Und humoristische Töne, als sie beispielsweise ihrem Schützling die Geheimnisse des Footballs erklärt, gelingen ihr auch immer überzeugend.

Und der Film? Nun, der bietet zwar nichts Neues, ist solide und konventionell inszeniert, passt eigentlich formal ganz gut in die konservative Landschaft, in der er spielt. Aber er trifft wohl ziemlich exakt die Befindlichkeit vieler US-Bürger, die sich nach Barack Obamas Wahlsieg nach ein bisschen neuer gesellschaftlicher Harmonie sehnen.

Schwarzes Kind steigt auf, weiße Lady hilft. Zum Zweiten. Cinemaxx Nikolaistraße, Cinemaxx Raschplatz, Hochhauskino, CineStar.

Selbstachtung als Lernziel: Am Donnerstag startet das Drama „Precious“ in den deutschen Kinos, das von einer tapferen Teenagerin erzählt, die sich aus ihrem Elend befreit.

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