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Kultur Satiriker Hans Scheibner wird 75
Nachrichten Kultur Satiriker Hans Scheibner wird 75
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12:24 21.08.2011
Hans Scheibner feiert am 27. August seinen 75. Geburtstag. Quelle: dpa
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Hamburg

Mit seiner scharfen Zunge hat er manch einen Politiker verärgert, und sein Spott hat ihn auch den einen oder anderen Job gekostet. Besonders in den 1980er Jahren prägte Kabarettist und Liedermacher Hans Scheibner („Scheibnerweise“) die deutsche Satire. Am Samstag (27. August) wird er 75 Jahre alt. „Ich kann nicht begreifen, dass ich schon so ein alter Sack bin“, sagt der Hamburger. Zu tun gebe es weiterhin genug: Aktuell produziert Scheibner zwei neue Programme, zudem schreibt er eine regelmäßige Kolumne für den Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag. „Einfach nur zu Hause sitzen, das kann ich nicht.“

Am schriftstellerischen Biss übte Scheibner sich bereits in der Schule: Er schrieb kleine Stücke, die seine Mitschüler dann auf die Bühne brachten. Während seiner Kaufmannslehre trat er erstmals mit Uwe Friedrichsen im Hamburger „Theater 53“ auf. Nach einiger Zeit als Angestellter einer Lackfabrik und als Werbeleiter einer Maschinenfabrik wandte er sich später ganz der Satire und dem Kabarett zu und tourte durch Deutschland und die Schweiz.

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Leicht hat es sich der Künstler in seiner Karriere nicht gemacht. So erschien er den Linken oft zu konservativ und den Konservativen zu links. Er sei immer er selbst geblieben und habe sich nie den Mund verbieten lassen, so Scheibner. „Ich habe keine meiner Äußerungen bereut, auch wenn sie mitunter Konsequenzen hatten.“ Zum Eklat kam es 1985, als er in der NDR-Talkshow zum Thema “30 Jahre Bundeswehr“ in Anlehnung an das Kurt-Tucholsky-Zitat sang „Mit Mördern teilen sie (die Frauen) ihre Betten“. „Da war der Teufel los“, erinnert sich Scheibner, der damals erst seine Kolumne im „Hamburger Abendblatt“ und wenig später seine ARD-Sendung „Scheibnerweise“ verlor.

„Früher durfte man kein schlechtes Wort über den Papst verlieren“

Auch seine Arbeit als Satiriker bei der „Hamburger Morgenpost“ endete jäh: Das Blatt wollte 1992 seinen Text über Hemmungen deutscher Polizisten im Umgang mit neonazistischen Straftätern nicht drucken und verlangte Ersatz. Scheibner weigerte sich, nahm erneut den Hut und war weiter unermüdlich im Einsatz. Ob beim satirischen „Nachschlag“ nach den Tagesthemen, als Bruno Brockmann in der NDR-Sendung „DAS“, bei seinen Bühnenstücken und als Buchautor.

Auch wenn heutzutage viel mehr erlaubt sei („Früher durfte man kein schlechtes Wort über den Papst verlieren“), der Politikbetrieb sei in vielem ähnlich geblieben. „Ich muss schon schmunzeln, wenn ich 30 Jahre alte Satire-Texte von mir finde. Da muss ich nur die Politiker-Namen aktualisieren und sie treffen noch immer zu.“ Von seinen jüngeren Kollegen wünscht sich das Urgestein, „dass sie niemals nachgeben mögen und Kabarett und Satire nie zur reinen Comedy und zur Showbühne verkommen lassen.“

Das Wichtigste für ihn sei aber nicht die Arbeit, sondern seine Familie. „Das Schönste, was ich zustande gebracht habe, sind meine vier Töchter und nicht meine Werke.“ Den Geburtstag selbst will er im kleinen Kreis verbringen, bevor einen Monat später mit Freunden und Wegbegleitern bei einer großen Gala gefeiert wird.

dpa