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Kultur Schamhaar, Schweiß und Schießpulver
Nachrichten Kultur Schamhaar, Schweiß und Schießpulver
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17:43 19.03.2015
Die Künstlerin Helga Griffiths vor einer Skulptur, die der Molekularstruktur ihres Schweißes nachempfunden ist. Quelle: dpa
Burgrieden

Dallas, im November 1963: Langsam rollt der aufpolierte Lincoln Continental durch die Straßen. Der penetrante Duft des Wagenleders kriecht in die Nase. Die Schaulustigen jubeln, es riecht nach Zuckerwatte und Popcorn, nach Herbstlaub, auch etwas nach Schweiß. Plötzlich fallen drei Schüsse, das Schießpulver stinkt, eine Frau schreit in Panik. Dann strömt das süße Parfüm von Jackie Kennedy aus, die sich verzweifelt über ihren Mann beugt. Der Präsident wurde erschossen. Das Kennedy-Attentat riecht gruselig.

Kunst ist weit mehr als Beobachtung und schöne Bilder - und nicht zwangsläufig liegt sie im Auge des Betrachters. Das Museum Villa Rot in Burgrieden (Baden-Württemberg) will in den kommenden Monaten die Nasen der Kunstfans herausfordern. Unter dem Motto „Es liegt was in der Luft“ dreht sich in der Villa alles um Gerüche, Aromen und Schnuppereien. „Es geht um den Duft als Werkstoff und Material der Kunst“, erklärt Museumsleiterin Stefanie Dathe. Die Besucher können die Werke geradezu einatmen.

So lässt sich das Attentat von Kennedy nachriechen. Der niederländische Filmemacher Frederik Diernick erzählt die dramatischen Szenen mit Gerüchen nach. „Wir haben uns gefragt, wie man über Duft kommunizieren kann“, sagt er. Zum morbiden Charme trägt bei, dass der schnüffelnde Gast dabei vier Minuten lang in einem stockdunklen Leichenkühlschrank liegen kann. Über 18 silberne Behälter mit komprimierten Aromen leitet Diernick die Gerüche in den Metallsarg. Der Schnüffler fühlt sich, als ob er selbst in der Präsidenten-Limousine säße, und spürt den Tod am eigenen Leib - genauer: in der Nase.

Andere Duftinstallationen sind weniger gruselig. Die japanische Künstlerin Maki Ueda hat im ersten Stockwerk der Villa mit Holzwänden ein Geruchslabyrinth gebaut. Verschiedene Holzduftnoten sollen in die Irre führen. Nur der Geruch von Zedernholz führt auf den richtigen Pfad. Die 40-Jährige schnauft sich gerade an ihrer Wand entlang. „Wenn du einen Fehler machst, gehst du verloren“, sagt Ueda und lacht. „Oder wenn du Schnupfen hast.“

Schamhaar-Pinsel samt Vaginalsekret

Die Ulmer Synästhetikerin Christine Söffing hat für die Ausstellung Töne in Gerüche verwandelt und Düfte vertont. Aus kleinen Glasfläschchen strömt der Duft der Farbe Rosa, die Gerüche von Salbei und Ingwer lassen sich dafür anhören. Synästhetiker wie Söffing koppeln mehrere Sinne miteinander. „Ein Klavier ist blau“, sagt sie zum Beispiel.

In der Kunst ist bekanntlich alles erlaubt, deshalb sind nicht alle Gerüche in Burgrieden wohlriechend und appetitlich: Auch ein „Raucherraum“ mit 750 000 Zigarettenstummeln, ein Schamhaar-Pinsel samt Vaginalsekret von 47 Damen, raumfüllende Schweißmoleküle und sogar faschistische Gerüche sind Teil der Schnupperschau. Ein kleines Zimmer im oberen Stock ist völlig leer - der Raum wird aber komplett ausgefüllt von penetrantem Spermagestank. Die Lewinsky-Affäre brachte die italienisch-kanadische Künstlerin Clara Ursitti auf die Idee, den Duft der männlichen Befruchtungsflüssigkeit künstlich herzustellen. „Das ist fast, wie Farbe zu benutzen“, schwärmt sie.

Die Schnupperschau ist eine große Aufgabe für das kleine Museum. In der Villa wurden extra neue Türen eingebaut, damit sich die flüchtigen Gerüche nicht vermischen oder entweichen. „Man kann Duft nicht einsperren oder steuern“, weiß Dathe. „Und man kann sich Gerüchen nicht entziehen.“ Die Museumschefin blickt aus dem Fenster auf die umliegenden Felder und lächelt. „Das haben wir auch gemerkt, als die ganzen Bauern drum herum ihre Schweinegülle ausgefahren haben.“

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