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Kultur Schau wirft neues Licht auf Hundertwasser
Nachrichten Kultur Schau wirft neues Licht auf Hundertwasser
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14:42 18.10.2012
Auch das Gemälde "Der große Weg" ist in der Hundertwasser-Ausstellung zu sehen.
Auch das Gemälde "Der große Weg" ist in der Hundertwasser-Ausstellung zu sehen. Quelle: dpa
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Bremen

Bei Hundertwasser denken die meisten Menschen sofort an seine fantasievoll gestalteten Gebäude und die knallbunten Grafiken. Als zu populär und gefällig sind sie bei Kritikern verschrien. Auch wegen seines skurrilen Erscheinungsbilds wird der österreichische Maler oft belächelt. Doch Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) ist vielschichtiger und tiefgründiger als viele meinen. Das will von diesem Sonnabend an die Ausstellung „Gegen den Strich“ in der Bremer Kunsthalle beweisen, die sich auf das Frühwerk des Künstlers konzentriert.

Mehr als 100 Gemälde, Grafiken, Aquarelle und Plakate von 1949 bis 1970 sind zu sehen. Viele davon seien seit Jahrzehnten nicht mehr gezeigt worden, sagte Museumsdirektor Christoph Grunenberg am Donnerstag. Denn die meisten Häuser stellten nur die Klassiker aus dem Spätwerk aus - Motive, die jeder von Hundertwasser kennt und erwartet. „Sein Ruhm überschattet sein Werk auch.“

Mit der Schau will Grunenberg ein neues Licht auf den Künstler, Architekten, Öko-Aktivisten und Provokateur werfen. Sie soll verdeutlichen, wie vielfältig seine Arbeiten waren, wie er mit Materialien experimentierte und sich mit verschiedenen Stilen auseinandersetzte. Für „Die Werke der Straße“ sammelte Hundertwasser 1952 zum Beispiel alle Schnipsel, die er auf dem Boden fand und klebte sie zu einer Collage zusammen.

Im selben Jahr webte er über Monate mit Händen und Füßen an einem Wandteppich, der den anschaulichen Titel „Pissender Knabe mit Wolkenkratzer“ trägt. Aber auch typische Motive wie Spiralen, Häuser, Zwiebeltürme und runde Köpfe mit schmalen Augen sind in der Ausstellung zu finden.

Ein Höhepunkt der Bremer Schau ist die Neuinszenierung einer Kunstaktion, mit der Hundertwasser 1959 an der Hamburger Kunsthochschule für einen Eklat sorgte. Er ließ Studenten die Wände und Decken eines Ateliers mit einer endlosen Linie bemalen - 50 Stunden sollte das Ganze dauern. Doch der Rektor ließ die umstrittene Performance abbrechen, und Hundertwasser kündigte seine Dozenten-Stelle. Seit Mittwoch überziehen Bremer Studenten einen Raum in der Kunsthalle mit einer endlosen Linie - diesmal volle 50 Stunden.

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