Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Stufen zum Erfolg
Nachrichten Kultur Stufen zum Erfolg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:27 06.05.2015
Spiel im Treppenhaus: „Atlas der abgelegenen Inseln“. Quelle: Karl-Bernd Karwasz
Anzeige
Berlin

Beim Berliner Theatertreffen dreht sich dieses Jahr vieles um Kolonialismus, die weite Welt und Emigranten. Mit Elfriede Jelineks Flüchtlingsdrama „Die Schutzbefohlenen“ wurde das Festival am Freitag eröffnet, die Hamburger Inszenierung von Nicolas Stemann mit Lampedusa-Flüchtlingen als Laiendarstellern erfuhr durch das jüngste Flüchtlingsdrama vor der Küste Libyens eine traurige Aktualität.

Von der Sehnsucht nach der Ferne handelt auch die Produktion „Atlas der abgelegenen Inseln“ von Judith Schalansky. Mit dem Stück aus der Cumberlandschen Galerie wurde das Schauspiel Hannover zum Theatertreffen eingeladen. Nicht nur inhaltlich geht es um Südsee-Expeditionen, Einsamkeit, Kreuzfahrten und Jenseitsreise, auch auf der Bühne spielt die Topographie eine große Rolle: In der Cumberlandschen Galerie schuf der Regisseur Thom Luz auf drei Ebenen eines Treppenhauses ein mehrstimmiges Hörstück. Die Zuschauer hören nur Versatzstücke aus den Monologschnipseln und Musikeinlagen. Auf unterschiedlichen Etagen war Unterschiedliches zu sehen. Keiner hatte den Überblick. Die Verpflanzung nach Berlin war wegen der ungewöhnlichen Bühnenanordnung eine besondere Herausforderung.

Anzeige

Die Dramaturgin Judith Gerstenberg erzählt: „Diese Produktion erfordert von den Darstellern höchste Konzentration, weil man stets darauf lauschen muss, was der Kollege eine Ebene höher oder tiefer gerade sagt.“ Man habe sich eigentlich nicht vorstellen können, diese Inszenierung an einem anderen Ort zu zeigen. „Wir haben mehrere Treppenhäuser in Berlin sondiert, zunächst leer stehende Bauten.“ 

Schließlich wurde man im Carl-von-Ossietzky-Gymnasium in Pankow fündig, dort ist das Stück noch bis heute Abend zu sehen. Aufführungen ab 23 Uhr bis nach Mitternacht sorgen für die Geisterstundenatmosphäre, die in Hannover schon durch viel Nebel und den Altbau mit seinem abgewetztem Charme erzeugt wird.

Gerstenberg erzählt: „Die Aura ist in einem laufenden Schulbetrieb natürlich eine ganz andere als im ehemaligen Heimatmuseum der Cumberlandschen Galerie. Aber es passt thematisch sehr gut zur Inszenierung.“ So hängen an den Wänden Spendenaufrufe für Nepal oder Bilder mit der Aufschrift „Erdkunde – Mein Lieblingsfach“. Statt der Gläser an der Bar werden in Berlin jetzt die Pokale der Schüler poliert, ansonsten ist die Inszenierung gleich geblieben. 

Beim Theatertreffen gibt es meist eine Inszenierung, deren Form aus dem Rahmen fällt. Die Gastproduktion aus Hannover erfüllt in diesem Jahr diese Rolle. Das Publikum jedenfalls reagierte mit langem Applaus und viel Gelächter. 

Noch bis zum 17. Mai werden in Berlin die laut einer Jury bemerkenswertesten zehn Inszenierungen der vergangenen Spielzeit gezeigt. Abschluss ist Frank Castorfs Münchener Version von BrechtsBaal“, der nach einem Rechtsstreit mit den Erben nur noch ein letztes Mal gezeigt werden darf.

Nina May

Kultur „Die abhandene Welt“ im Kino - Familiärer Ringkampf
Stefan Stosch 06.05.2015
Kultur Welthit „You Sexy Thing“ - Hot-Chocolate-Sänger Errol Brown ist tot
07.05.2015
Kultur Türkische Regierung verbietet „Carmina Burana“ - Kein Sex mehr in der Oper
Stefan Arndt 09.05.2015