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Kultur Schauspiel-Intendant Walburg feiert Erfolg in Zürich
Nachrichten Kultur Schauspiel-Intendant Walburg feiert Erfolg in Zürich
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19:18 03.02.2012
Vernebelt: Tony (Sean McDonaugh, li.) findet nicht einmal Verständnis bei Freundin Lisa (Franziska Machens), geschweige denn bei Theateragent John (Klaus Brömmelmeier). Quelle: Tanja Dorendorf
Hannover

Die Aufregung war groß, auch die allgemeine Scham. In einem erschütternden Bericht hielt der US-Staatssekretär Stuart Eizenstat der Schweizer Nationalbank vor, dass sie systematisch Nazi-Deutschland Raubgold-Beute aus dem Vernichtungsfeldzug gegen die Juden abgekauft hatte. Die Enthüllungen beherrschten die politischen Debatten in der Alpenrepublik. Das war vor 15 Jahren. Irgendwann kehrte wieder Ruhe ein.

Nun rüttelt der Schweizer Dramatiker Lukas Bärfuss mithilfe des Intendanten des hannoverschen Schauspiels, Lars-Ole Walburg, erneut am politischen Gedächtnis der Eidgenossen. Zumindest jener, die ins Theater gehen. Bei ihnen aber wohl mit großem Erfolg. Darauf lässt zumindest der lang anhaltende Beifall am Donnerstagabend nach der Uraufführung der bitteren Farce „Zwanzigtausend Seiten“ am Schauspielhaus Zürich schließen.

Der international gefragte Schriftsteller und Dramatiker Bärfuss aus dem malerischen Thun brachte in Hannover unter Lars-Ole Walburg bereits eine Neubearbeitung von Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ auf die Bühne. In „Zwanzigtausend Seiten“ thematisiert der 40-Jährige das oft menschenverachtende Verhalten von Schweizer Staatsdienern gegenüber jüdischen und anderen Flüchtlingen während des Zweiten Weltkrieges.

Der gebürtige Rostocker Walburg – nach drei Jahren als Schauspieldirektor in Basel ist er seit 2009 Intendant in Hannover – setzte das dialogstarke Stück mit minimaler, effektvoller Bühnentechnik und Kostümierung auf einer quadratischen Fläche in Szene. Die Bühne ist an vier Seiten von Zuschauern umgeben.

So entsteht eine starke Nähe zwischen dem engagierten Schauspielerensemble und dem Publikum. Man ist versucht, einfach mitzureden, so unmittelbar wird man in das Stück und die umstrittene Schweizer Weltkriegsgeschichte hineingezogen. Im Mittelpunkt des Ganzen steht der Tagträumer Tony (Sean McDonagh). Durch einen Unfall werden in seinem Kopf 20 000 Seiten umfassende Dokumente zum Schicksal von abgeschobenen Flüchtlingen gespeichert. Ein Wissen, mit dem er ringt, weil es ihn nicht loslässt, das er am Ende aber nur noch löschen möchte. Man fühle sich halt schlecht, wenn man immer über das Elend anderer nachdenke, heißt es da. Und wer wolle sich schon dauernd schlecht fühlen? Verdrängung statt Bewältigung.

Heftig teilen die Theatermacher aus, als Tony in einer TV-Show mit seiner Gedächtnisleistung gegen eine Schlager singende Busfahrerin antritt. Fast gewinnt er. Doch als Tony ernsthaft anfängt, das Schicksal des jüdischen Flüchtlings Oskar auszubreiten, der von Schweizern zurückgeschafft wurde und später ins KZ kam, und als auch noch gefragt wird, wieso Nutznießer des Zweiten Weltkrieges in der Schweiz unbehelligt blieben, fliegt er raus.

Es siegt die trällernde Busfahrerin, durchaus eine Parabel auf den Umgang längst nicht nur vieler Schweizer mit dem „unfeinen“ Teil der eigenen Geschichte. Theater, das provoziert, überrascht und sich einmischt – dafür ist Walburg ebenso bekannt wie Bärfuss.Den Regisseur und den Dramatiker verbindet zudem eine langjährige Arbeitsbeziehung. So brachten die beiden vor dem hannoverschen „Parzival“ an den Münchner Kammerspielen schon Bärfuss’ „Die Probe (Der brave Simon Korach)“ heraus. Dass Walburg ausgetretene Pfade langweilen, hatte er auch bei seinem Antritt in Hannover gesagt – was hier aber bislang auf ein eher wechselhaftes Echo stieß. Unumstritten war Walburg auch in Basel nicht. Aber was ist schon ein Theatermann, an dem das Publikum sich nicht reiben kann? In Zürich jedenfalls scheint er überzeugt zu haben.

Von Thomas Burmeister

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