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Kultur „Große Kunst gehört der ganzen Menschheit“
Nachrichten Kultur „Große Kunst gehört der ganzen Menschheit“
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00:15 12.02.2014
Von Stefan Stosch
George Clooney bei der Premiere des Films „The Monuments Men“ auf der Berlinale. Quelle: dpa

Herr Clooney, Sie haben einen Film über die Rettung der von Nazis verschleppten Kunstwerke gemacht. In „Monuments Men“ sind einige der größten Schätze der Menschheit zu bewundern. Sind Sie beim Drehen mit echter Kunst in Berührung gekommen?

Nein, gar nicht, aber wir hatten einen deutschen Bildhauer im Team, der sich drei Monate lang mit einer Kopie von Michelangelos Brügger Madonna geplagt hat. Schließlich zeigte er uns die Skulptur, und ich sagte: Sieht beinahe echt aus, aber nicht ganz. Und er antwortete: Ich bin auch nicht ganz Michelangelo. Wir haben die Skulptur dann digital ein bisschen verfeinert. Das waren wir Michelangelo schuldig.

Das Thema NS-Raubkunst ist brandaktuell: Wann haben Sie vom Kunsthändler Hildebrand Gurlitt und der umstrittenen Schwabinger Sammlung gehört?

Wir waren noch in der Produktion, als der Münchener Fund bekannt wurde. Das war schon ein besonderes Timing. Jeder ahnt, glaube ich, dass noch viel Kunst zweifelhafter Herkunft da draußen zu finden ist. Aber von der Größe der Gurlitt-Sammlung war ich schon überrascht. Ich glaube, es werden noch viel mehr Schätze auftauchen – jetzt, da die Kriegsgeneration langsam geht.

Hollywoodstar George Clooney hat bei der Berlinale seinen Geschichtsthriller „Monuments Men“ vorgestellt. Der letzte Überlebende dieser alliierten Kunstrettungs-Truppe, Harry Ettlinger, wurde im Berlinale Palast gefeiert.

Wüssten Sie eine Lösung, wie mit gestohlener Kunst umgegangen werden sollte?

Eine verzwickte Angelegenheit. In gewisser Weise gehören diese Kulturgüter der ganzen Menschheit. Niemand muss sie besitzen. Die Frage ist aber, wie sie ihren Besitzern abhandenkamen. Viele waren Juden, oder die Stücke wurden systematisch gestohlen. Als Erstes müssen sie zu den Leuten zurück, denen sie gehörten. Und dann werden diese Besitzer sie vielleicht allen zur Verfügung stellen. Das ist jedenfalls meine große Hoffnung.

Viele spätere Eigentümer wissen oft gar nichts von der dubiosen Herkunft.

Ja, es bleibt schwierig. Jemand, der eine Million Dollar für ein Bild bezahlt und erst später erfährt, dass es gestohlen wurde, wird es kaum als fair empfinden, wenn er es wieder zurückgeben muss. Aber klar ist auch: Museen rund um den Globus verfügen über Stücke, die ihnen nicht gehören.

Wäre die Idee heute in einem Krieg durchsetzbar: die Kunst des Feindes zu retten?

Im Irak jedenfalls haben wir versagt – und wohl auch in Syrien. Das Interessante ist: Der Zweite Weltkrieg war der einzige Fall, in dem der Sieger die Beute zurückgab. Das heißt, die Russen behielten sie. Aber die hatten 20 Millionen Tote zu beklagen, mehr gelitten als jede andere Nation und das Gefühl, ein Recht auf Reparationen zu haben. Ich glaube aber, dass die jungen Leute dort heute anders darüber denken. Im Film haben wir versucht, die Russen nicht als die bösen Jungs dastehen zu lassen.

Ihr Film setzt trotz des ernsten Themas auch auf komische Momente. Warum?

Wir waren gerade mit dem Politdrama „The Ides of March“ fertig und steckten in der Produktion des Iran-Thrillers „Argo“. Wir saßen im Büro zusammen, und ich sagte: Wir machen die zynischsten Filme, sind aber gar keine Zyniker. Wir müssen mal etwas drehen, das uns richtig Spaß macht. Dann stießen wir auf diese Geschichte und wussten sofort, dass wir den Film im Stil von „Kelly’s Heroes“ (deutscher Titel: „Stoßtrupp Gold“, d. Red.) und „The Great Escape“ („Gesprengte Ketten“, d. Red.) anlegen wollen. Der Film soll unterhalten. Manche mögen einen Film über Kunst zu schätzen wissen – aber leicht zu verkaufen ist das Thema nicht.

Als Privatmensch engagieren Sie sich in der Krisenregion Darfur, prangern Menschenrechtsverletzungen an. Wieso interessieren Sie sich so für Politik?

Das habe ich von meinen Eltern. Mein Vater Nick – den können Sie in einer winzigen Szene im Film sehen – war ein Nachrichtenmann. Er hat meine Neugier auf die Welt geweckt – was mein Land heute leider verloren hat. Das war noch anders, als die Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkamen. Vielleicht veränderte es sich mit dem Watergate-Skandal. Heute wollen wir nur noch wissen, was in unserem Bundesstaat, unserer Stadt, bei uns zu Hause passiert. Das ist ein Fehler. Es ist besser, den Blick nach außen zu richten.

In Berlin wimmelt es momentan von Stars, aber Ihr Erscheinen löst den mit Abstand größten Rummel aus. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Ich vermute, dass es damit zusammenhängt, dass ich meine Karriere in Fernsehserien begonnen habe. Ich war quasi zu Hause im Wohnzimmer der Leute, Teil ihres Lebens. Sie glauben, mich persönlich zu kennen. Ich weiß dieses unglaubliche Glück zu schätzen: Eine gehörige Zeit meiner Karriere war ich nicht erfolgreich. Heute spaziere ich bei Hollywood-Studios rein und sage, ich würde gerne einen 70-Millionen-Dollar-Film über Kunst inszenieren. Und dann inszeniere ich ihn.

Sammeln Sie eigentlich selbst Kunst?

Nein, ich kenne mich da nicht aus. Ich habe aber ein paar Bilder an den Wänden hängen. Ich habe mal einen Innenausstatter gebeten, sich mein Haus vorzunehmen. Das Erste, was er tat, war, all meine Bilder abzunehmen. Er fand sie schrecklich. Mag sein, habe ich ihm gesagt, aber das Bild hier habe ich bei meinem ersten Besuch in Paris gekauft. Hängen Sie es bitte wieder auf. Für mich ist es kostbar.

Weißes Hemd, grauer Anzug, blendend weißes Lachen und dazu diese sonore Stimme: George Clooney gab sich am Wochenende bei der 64. Berlinale die Ehre. Auf dem roten Teppich war der 52-Jährige der mit Abstand begehrteste Star. Und sein Film „The Monuments Men“ war der am heißesten erwartete Beitrag. Als Anführer eines Trupps von Museumsleuten zieht Clooney da in den Zweiten Weltkrieg, rettet Tausende Meisterwerke – und stößt im Jahr 2014 in ein mediales Wespennest: die aktuelle Debatte um NS-Raubkunst und die Münchener Sammlung Gurlitt. Für Clooney war der Auftritt gewissermaßen eine Rückkehr: Der Film ist zu großen Teilen im Studio Potsdam-Babelsberg entstanden. Am 20. Februar kommt „Monuments Men“ ins Kino. Quelle: AFP
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