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Kultur Schauspieler Mathias Kopetzki auf der Hinterbühne Hannover
Nachrichten Kultur Schauspieler Mathias Kopetzki auf der Hinterbühne Hannover
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14:52 20.09.2010
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„Sie waren traurig, betrugen sich heiter, versuchten Küsse, als ob nichts sei. Und sahen sich an und wussten nicht weiter. Da weinte sie schließlich und er stand dabei.“ Mit der berühmten „Sachlichen Romanze“ von Erich Kästner leitet Mathias Kopetzki seine lyrisch-musikalische Darbietung „Kästner gets the Blues“ auf der Hinterbühne ein. Er singt über die Entfremdung zweier Eheleute und die Monotonie des Alltags. Vor allem aber über die Einsamkeit. Abwechselnd singt und liest Kopetzki die teils bitteren, teils humoristischen Kästner-Texte. Sein Gesang wird dabei mit swing- und blues-lastigen Kompositionen des Gitarristen Torsten Schmacht hinterlegt. In seine Lesung mischt Kopetzki eigene Prosa, in der es auch um Einsamkeit geht.

Der Berliner Schauspieler stellt die Leiden eines Mannes mittleren Alters dar. Gustav Renner („Kennen Sie Gustav Renner? Er ist bedeutungslos.“) ist auf der Suche nach einem anderen Leben. Seine Frau, die mit Lockenwicklern im Haar in der Bunten blättert, die Kantine, die Arbeit – alles ödet ihn an. Hals über Kopf packt er seine Koffer, zieht nach Berlin. „Die Leute saßen zum Greifen nah und er war doch allein“, singt Kopetzki über das anonyme Stadtleben, das die Schwermütigkeit noch steigert.

Einsam wirkt auch der kleine Theatersaal. Auf der minimalistischen Bühne mit dem Gitarristen im Hintergrund spielt Kopetzki im Licht eines einzigen Scheinwerfers einen verloren wirkenden Herrn, der das Lachen verlernt hat. Kästners Lyrik paart sich mit Blues und melancholischen Geschichten. „Der Blues passt zum herbstlichen Wetter“, sagt Kopetzki über sein Programm. „Kästner gets the Blues“ ist Unterhaltung für kühlere Tage. Man kann ja enger zusammenrücken.

Natali Müller

Am Freitag, 24., und Sonnabend, 25. September, zeigt die Hinterbühne „Das Krisenfest“, Musik-Kabarett von Bengt Kiene.

Jutta Rinas 18.09.2010