Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur „Eigentlich bin ich eine faule Socke“
Nachrichten Kultur „Eigentlich bin ich eine faule Socke“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:55 10.01.2017
In „Ich bins deine Mutter“ spielt Wolfram Koch Monologe aus fünf Erzählungen Einar Schleefs. Quelle: dpa
Hannover

Es ist schwer, Sie dieser Tage zu erreichen.
Ja, ich komme gerade direkt aus dem Kino, der neue Tom Ford. Fantastische Schauspieler, fantastische Szenen. Ich hatte vor Weihnachten wahnsinnig viele Theatervorstellungen. Jetzt habe ich eine Woche frei und gehe jeden Nachmittag oder Abend ins Kino.

Sie sind im Februar ja gleich in zwei Stücken in Hannover zu sehen, mit „Das Leben ein Traum“ und „Ich bins deine Mutter“. Im vergangenen Sommer waren Sie mit „Murmel Murmel“ auch hier. Machen Sie nur noch Tourneetheater?
Da fragen Sie den Falschen. Wenn ich eingeladen werde, dann spiele ich Theater. „Murmel Murmel“ ist seit vier Jahren eine feste Produktion vom Volkstheater und die Hannoveraner haben das Stück eingeladen. Ich war in Hannover schon mit den „Persern“ von Aischylos und mit „Rose Bernd“ von Gerhart Hauptmann. „Ich bins deine Mutter“, ein Monolog-Abend aus fünf Erzählungen Einar Schleefs, ist eine Koproduktion der Ruhrfestspiele. Die Hannoveraner produzieren im Jahr einmal ein Stück mit den Ruhrfestspielen zusammen und daraus entsteht wahrscheinlich der Kontakt.

Sind Sie denn viel unterwegs mit solchen Produktionen?
Unterschiedlich. Ich bin vor allem deshalb viel unterwegs, weil ich in Frankfurt lebe und in Berlin spiele, aber „Murmel Murmel“ ist tatsächlich viel herumgereist. Und der Schleef-Abend ist eine freie Produktion eines jungen Regisseurs, der war Assistent des bulgarischen Theaterregisseurs Dimiter Gotscheff, und mit dem habe ich aus Schleefs Erzählungen einen Monolog gebastelt.

Wieso eigentlich diese One-Man-Show aus fünf Stücken?
Ich weiß gar nicht, ob man das so nennen kann. Es ist ein Theaterabend. Sie können Hamlet auch alleine aufführen oder Hamlet mit 50 Leuten machen – das ist künstlerische Freiheit. Deswegen ist Theater ja so vielfältig. Hauptsächlich haben wir das auch für Einar Schleef gemacht: Weil niemand mehr diesen Autor kennt oder diesen Regisseur kennt, diesen Maler kennt. Das war die Idee: Lass und den Kopf von Einar Schleef oder die Gedanken zeigen.

Was verbindet denn diese Erzählungen?
Nur der Autor. Es sind sehr absurde Erzählungen, sehr unterschiedliche Erzählungen, aus einer DDR-Provinz, mit zutiefst menschlichen, komischen Sichtwinkeln, tragisch und einsam. Ich würde eher sagen: Es sind tragikomische Geschichten.

Kennen Sie dieses Gefühl der Einsamkeit?
Ich glaube, das kennt jeder Mensch. Das ist nichts Spezielles für einen Schauspieler. Ich hab kein Problem, mit mir alleine zu sein, ich hab keine Angst vor der Einsamkeit. Und ich glaube, jeder Künstler, auch wenn man mit vielen Leuten auf der Bühne ist, ist primär auf sich zurückgeworfen. Öfters, sehr oft allein, überlegt er sich: Wie kann man diese Rolle spielen? Das ist ein sehr einsamer Vorgang. Bei jedem Maler, jedem Musiker. Ich glaube, Einsamkeit kann ein kreativer Moment sein, wenn er nicht in die Depression abrutscht.

Sie stehen allein auf der Bühne, ist das schwierig?
Ich bin kein Monolog-Spieler, ich bin eher ein Gruppenspieler. Wie Kinder, die gern allein oder mit mehreren spielen – ich spiele gern mit anderen Menschen auf der Bühne. Aber in dem Fall hat es sich so ergeben. Und es war deshalb gut, weil man kleine Hirnwindungen von Schleef deutlich macht.

Stehen Sie denn gern im Mittelpunkt?
Oh Gott. Weiß ich nicht. Nee, eigentlich nicht so.

Was erwartet den Zuschauer denn noch?
Es gibt eine Erzählung mit Briefen der Mutter. Schleef hatte eine sehr enges Verhältnis zur Mutter, sein berühmtestes Buch ist „Gertrud“, seine Mutter hieß so. Es ist eine sehr starke, große Persönlichkeit, die sehr an ihrem Sohn hing, aber auch sehr streng war. Schleef ist früh aus der DDR weggereist, abgehauen in den Westen, hat dort gearbeitet, und die Mutter hatte so derartig Sehnsucht in Sachsenhausen, dass sie tatsächlich vier Stunden nach Ostberlin gefahren ist. Dort gab es eine Telefonzelle, von der aus sie mit ihrem Sohn telefonieren konnte, die Groschen fielen durch, die Markstücke, und im Grunde konnte man gar nicht reden. Das ist ein sehr tragischer und komischer Moment, damit fängt der Abend an.

Sie spielen die Mutter, wie war das so als Mann?
Och, ich mag alle Rollen gern, als Schauspieler muss man neugierig sein. Man schlüpft ja in sehr unterschiedliche Rollen. Die gleichen Anforderungen hat man doch, wenn man einen SS-Mann oder Macbeth spielt, der schlachtet, der mordet. Es bleibt grundlegend die Neugier: Wie ist die Figur?

Wie erarbeiten sie sich denn eine Figur?
Die stelle ich mir so vor. Am besten auf der Probe, indem man sinnlose Dinge macht. Wo man sagen würde: Die Figur ist nie so. Doch, das weiß man eben nicht, jede Figur ist wie sie ist. Man kann Figuren auf dem Theater nicht logisch erzählen. Man kann natürlich sagen, dass die Figur sich so und so verhalten könnte – aber vielleicht auch nicht. Und dann kann man vieles ausprobieren – und einen Vorschlag behält man.

Sie spielen seit drei Jahren den „Tatort“-Kommissar Paul Brix. Hat man damit als deutscher Schauspieler nicht alles erreicht?
Nein, überhaupt nicht. Das hieße ja, dass ich aufgebe und meine Rente einreiche. Mein Hauptaugenmerk liegt beim Theater. Ich versuche natürlich, diesen Tatort so gut wie möglich zu machen. Aber es ist nichts weiter als eine andere neue, schöne Rolle, die ich angeboten bekommen habe. Wenn ich keine Lust mehr habe, mache ich das nicht weiter. Ich werde das Theater aber auf keinen Fall aufgeben.

Sind Sie ehrgeizig?
In dem Sinne, dass ich Lust habe, mit Regisseuren zusammenzuarbeiten, die mich interessieren. Das ist mein Ehrgeiz. Auf der Bühne und beim Proben. Ansonsten bin ich eigentlich eine faule Socke.
Interview: Katharina Derlin

Kultur Musiker starb vor einem Jahr - Diese Bowie-Songs müssen Sie kennen

Vor einem Jahr starb Ausnahmekünstler David Bowie im Alter von 69 Jahren. Seine Musik schreibt auch heute noch Geschichte. Welche Songs Sie unbedingt kennen sollten, sehen Sie hier.

10.01.2017

Vor einem Jahr starb Musiklegende David Bowie infolge einer Krebserkrankung – gerechnet hat damit niemand. Und so ist es noch schwerer zu akzeptieren, dass der Ausnahmemusiker tot sein soll. Man will sich anderes vorstellen, findet unser Redakteur Matthias Halbig.

10.01.2017

Queen Esther Marrow’s Harlem Gospel Singers machen auf ihrer Abschiedstour auch im Theater am Aegi Station: Am Sonntag begeistern sie das Publikum mit himmlischen Gesängen.

09.01.2017