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Kultur Schauspielintendant Lars-Ole Walburg inszeniert „Staatsfeind Kohlhaas“
Nachrichten Kultur Schauspielintendant Lars-Ole Walburg inszeniert „Staatsfeind Kohlhaas“
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01:16 17.09.2011
Von Ronald Meyer-Arlt
Rainer Frank als Michael Kohlhaas. Hinten hadert Martin Luther (Beatrice Frey). Quelle: Ribbe
Hannover

Am Ende steht eine Hinrichtung und eine Einverleibung. Michael Kohlhaas, der Pferdehändler, dem Unrecht widerfahren ist und der dafür blutig Rache genommen hat, stirbt unter dem Beil des Scharfrichters. Kurz zuvor hat er einen Zettel aus einer Kapsel genommen, die er um den Hals trug. Er hat den Zettel entfaltet, gelesen und sich ihn dann mit einer schnellen Handbewegung in den Mund gesteckt. So hat er sich ein Geheimnis einverleibt: Auf dem Zettel stand eine Weissagung über das Ende der Regentschaft des Kurfürsten von Sachsen. Der Kurfürst kann die Unwissenheit nicht ertragen: „Zerrissen an Leib und Seele“, so der Dichter, kehrt er nach Dresden zurück. So endet die Erzählung. So endet die Sache bei Kleist.

Das Theaterstück, das der ungarische Autor István Tasnádi aus Kleists berühmter Novelle gemacht hat, und das – inszeniert vom Intendanten Lars-Ole Walburg – nun zur Spielzeiteröffnung am Schauspiel Hannover als deutschsprachige Erstaufführung gezeigt wird, endet ganz anders. Kohlhaas tritt hier mit weiß gepudertem Gesicht vors Publikum und sagt: „Oh, ich bin tot.“ Keine Weissagung, kein Zettelessen, keine Einverleibung der Schrift durch den, der sich längst schon das Gesetz einverleibt hatte. Und auch kein Verweis auf den Theaterbruder des Michael Kohlhaas, den Prinzen von Homburg, der ein anderes Gesetz verinnerlicht hatte: das heilige Gesetz des Krieges, das er verletzt hatte und durch seinen Tod verherrlichen wollte.

Stattdessen „Oh, ich bin tot“ und ein paar Aufrufe zu zivilem Ungehorsam: „Parkt auf Behindertenparkplätzen! Überholt rechts! Betrügt, sprayt, verweigert die Mülltrennung!“ Das ist alles möglich, denn Tasnádis Stück heißt ja auch nicht „Michael Kohlhaas“, sondern „Staatsfeind Kohlhaas“. „Kohlhaas reloaded“ wäre auch ganz passend.

Kleists Novelle ist dunkel, Walburgs Inszenierung ist grell. Natürlich wird sie Kleist nicht gerecht – zumal wichtige Handlungsteile wie die Weissagung der alten Frau und die Macht, die der Pferdehändler damit über den Mächtigen hat, einfach fehlen.

Aber andererseits: Muss das Theater Kleist denn überhaupt gerecht werden? An „Michael Kohlhaas“ haben sich schon verschiedene Interpreten ihre Werkzeuge stumpf gearbeitet – das Theater muss der Masse der Deutungsversuche nicht noch einen weiteren hinzufügen. Es muss spielen – und das tut Walburg. Die Drehbühne mit der mal hölzern, mal steinern wirkenden Treppenkonstruktion von Robert Schweer rotiert unermüdlich. Der Zither- und Gitarrenspieler Moe Jaksch sitzt am Rand und zupft famos die Saiten, die Darsteller singen so viele hübsche Lieder, dass das Publikum sich glatt in einem Kohlhaas-Musical wähnt. Manchmal – etwa wenn Beatrice Frey mit volltönender Wurstigkeit den Martin Luther macht oder Dominik Maringer den Wenzel von Tronka als aufgedrehten Theaterkünstler gibt – fühlt man sich auch wie im Komödienstadl.

Und dann die Pferde! Autor Tasnádi lässt die beiden Pferde reden, die der Junker Wenzel von Tronka als Pfand behält, um sie dann durch Feldarbeit zuschanden zu richten. Während Kohlhaas bei Kleist die Pferde erstaunlich schnell aus den Augen verliert, sind sie hier fast in jeder Szene präsent. Wie sie leiden! Katja Gaudard, die neu im Ensemble ist und ein Gewinn für das Haus zu sein scheint, gibt die Stute, Sebastian Schindegger spielt den Hengst. Sie tragen langfransige schwarze Lederjacken (Kostüme: Moritz Müller) und werfen ihre langen Haare immer wieder lässig nach hinten. Am Ende sieht man die Pferde zerschlagen beim Abdecker. Und bei der ziemlich drastischen Kastra­tionsszene fragt man sich vielleicht, wann das Theater endlich mal etwas zu dem Thema bringt, das in Büchern und Filmen derzeit viel diskutiert wird: ein Stück über unseren Umgang mit Tieren.

Den lieben Pferden spendete das Publikum am Ende denn auch einen Extraapplaus. Den meisten Beifall aber gab es – und das zu Recht – für Rainer Frank, der den Michael Kohlhaas spielt. Mit seiner wuchtigen Nüchternheit, seiner nachdenklichen Traurigkeit aber wirkt er auch wie ein Fremdkörper in einer Welt aus Fratzen.

Lars-Ole Walburg hat Kleists Novelle zur Farce geschrumpft. Das kann man machen. Es ist ganz lustig. Aber gespannt warten wir auch auf größere Geschichten.

Weitere Vorstellungen am 18., 25., 30. September sowie am 14., 18., 19., 25. und 28. Oktober. Karten: (0511) 99991111.

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