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Nachrichten Kultur Dieses Konzert hat enttäuscht
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07:16 06.02.2018
Nur selten auf der Bühne zu sehen: Christopher von Deylen von Schiller. Quelle: Alexander Körner
Hannover

  Einmal, direkt nach der Pause, tritt Christopher von Deylen, das verbliebene Gründungsmitglied von Schiller, hinter seinem Turm aus Sequencern und Synthesizern heraus. Er steht vorne rechts in der Ecke der Bühne des Theater am Aegi, als wolle er lieber gleich ganz von ihr verschwinden. Aus dem eigens aufgebauten Surround-System erklingt Meeresrauschen, im Saal verteilte Scheinwerfer werfen bläuliches Licht. Von Deylen beginnt, eine kleine Melodie auf einer elektrischen Steeldrum zu klöppeln. Dann wird es dunkel, und er zieht sich wieder hinter seine Aufbauten zurück.

Ein anderer rarer Moment ist, wenn von Deylen redet. Das passiert dreimal. Einmal, als er die Pause ankündigt. Zum zweiten Mal als er seine beiden Mitmusiker – ebenfalls hinter Türmen aus Gerätschaften verborgen - vorstellt. Beim dritten Mal sagt er: „Wir können auch ganze Sätze sprechen, aber wir sind immer so eingenommen von unseren Knöpfen und Reglern.“

An den Knöpfen und Reglern drehen die Musiker dann auch gute zwei Stunden lang herum. Es kommt Musik dabei heraus, die ein wenig wie eine Mischung aus Walgesängen, geführter Meditation und frühmorgendlichem Chillout im örtlichen Elektro-Schuppen klingt: atmosphärisch, harmonisch, meist langsam und eher ohne große Überraschungen.

Was nicht heißt, dass die Musiker nicht handwerklich ausgezeichnete Elektro-Stücke produzieren würden. Sie schichten ihre Tracks Stück für Stück übereinander, bauen sie wieder auseinander, schichten noch einmal ganz von vorn. Darin perfekt eingepasst ist die Lightshow, überall im Saal blinkt und leuchtet es, auf der Bühne am allermeisten – selbst die zahlreichen Synthesizer sind an den Ständen mit LED-Röhren versehen. Hin und wieder wird auch ein Filmchen auf einer Leinwand über der Bühne gezeigt – langsame Schwenks über Berge, zum Beispiel, oder bildschirmschonerartige Farbkleckse, die sich in 8-Bit-Pixelgrafiken auflösen. Nur die Musiker sind fast nie beleuchet, als wollten sie hinter ihrer eigenen Musik verschwinden. 

Denn auch wenn Schiller schon seit 1998 als Formation unterwegs ist, sich als Ambient-Pop-Formation durchaus einen Namen gemacht hat und auch schon mit so unterschiedlichen Musikern wie Anna Netrebko, Lang Lang und Thomas D. zusammengearbeitet hat: Die Tracks, die Schiller in den „Klangwelten“ spielt, sind eher minimalistisch, so zurückgenommen wie auch die Musiker. Es sei eher eine „Reise“, sagt von Deylen in einer Ansage, auf die er jetzt alle mitnehmen wolle. Schiller liefert dafür einen auf Hochglanz polierten Klangteppich – und darunter gähnt die Leere, jeder Zuschauer für sich alleine füllen muss. 

Von Jan Fischer

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