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Kultur Schillernd und stumpf: Eine feine Niki-de-Saint-Phalle-Ausstellung
Nachrichten Kultur Schillernd und stumpf: Eine feine Niki-de-Saint-Phalle-Ausstellung
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21:14 20.02.2009
Von Ronald Meyer-Arlt
Prall und bunt: Werke von Niki de Saint Phalle sind in Schloss Gottorf zu sehen – Leihgaben aus Hannover. Quelle: Museum
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Rechts davon hängt ein böses Bild: „Heiliger Sebastian oder Porträt meines Liebhabers“. Dieses Bild aus dem Jahr 1961 ist kein Gemälde mehr, sondern eine Skulptur und muss deshalb mit einem Käfig aus Plexiglas geschützt werden. Die Künstlerin hat ein ehemals weißes, mit schwarzer Farbe bekleckstes Hemd mit rostigen Nägeln auf schwarzem Holzgrund befestigt. Wie Stacheln ragen die Nägel aus dem Holz. Dort wo der Kopf des Hemdträgers sein müsste, ist eine Zielscheibe, in der sieben bunte Pfeile stecken. Es ist ein Werk der Wut: Niki de Saint Phalle arbeitet hier eine gescheiterte Beziehung ab – und bereitet eine neue Kunstrichtung vor: ihre Schießbilder. Hier sind es noch Pfeile, später sind es Kugeln, die auf Farbbeutel treffen.

Niki mit dem Schießgewehr, Bilder, aus denen Farbe aus geplatzten Beuteln über Gips und Stoff läuft, sind ein Schwerpunkt der Niki-de-Saint-Phalle- Ausstellung in der Reithalle. Alle 50 Werke, die hier gezeigt werden, kommen aus Hannover, nur fünf von ihnen waren zuvor in den Räumen des Sprengel Museums zu sehen – der Rest stammt aus Lagerhallen, wo (in Ermangelung eines Anbaus ans Sprengel Museum) die meisten Werke Niki de Saint Phalles verwahrt werden. Es gibt jede Menge Nickis in Hannover, nicht nur Nanas. Im November 2000 hat die Künstlerin etwa 400 Arbeiten dem Sprengel Museum vermacht, seitdem gehört Hannover neben Nizza und Stockholm zu den wichtigen Niki-de-Saint-Phalle-Zentren der Welt.

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Zur Schenkung gab es im Sprengel Museum eine große Ausstellung, der damals erschienene, 370 Seiten umfassende Katalog ist immer noch gültig. Jetzt wird er auf Schloss Gottorf verkauft – und macht Werbung für Hannover und das Sprengel Museum. 30 000 Besucher erhofft sich Herwig Guratzsch, der leitende Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf. Er hat die Werke zusammen mit Sprengel-Chef Ulrich Krempel ausgewählt. Die meisten seiner Wünsche konnten erfüllt werden, aber nicht alle – manche Assemblagen sind so fragil, dass ihnen ein langer Transport schaden könnte. Zwei Lastwagen mit Jumbo-Anhängern haben sich auf den Weg nach Schleswig gemacht, hier wurden Arbeiten wie etwa die Riesen-Nana „Dolores“ im Beisein von Fachleuten aus Hannover zusammengesetzt.

Die Auswahl orientiert sich an den Lebenslinien der Künstlerin und zeigt einen klugen Querschnitt aus ihrem Gesamtwerk: von den Anfängen im Malerischen, dem Aufbegehren in den Schießbildern, den Selbstinszenierungen, den Nanas und anderen Skulpturen, die Fragen nach weiblicher Identität stellen, bis zu den späten Grotten und zum Tarot-Garten.

Die Arbeiten des Spätwerks wirken eher lieb und harmlos, manchmal erinnern sie an Werke von Hundertwasser. Netterweise sind diese Modelle etwas versteckt zu sehen. Von der Empore in der Mitte des Ausstellungsraumes sind sie gar nicht zu erkennen. Von hier oben kann man eine schöne Gesamtschau vornehmen. Und auf einen Blick hin feststellen, dass es zwei Niki-Farbwerte gibt: das Schimmern und Glänzen der Polyesterskulpturen und das langsame Verblassen und Dumpf- und Stumpfwerden der Oberflächen der Assemblagen. Das Unscheinbare, so zeigt ein zweiter Rundgang durch die Schau, ist das Spannendere.

Was die wahre Farbe der Niki de Saint Phalle ist, dürften erst weitere Überblicksausstellungen zeigen. Vielleicht mal wieder in Hannover.

Eröffnung am 22. Februar um 14 Uhr. Bis 28. Juni auf Schloss Gottorf.

Informationen: www.schloss-gottorf.de.

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