Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Die Freude am Subversiven
Nachrichten Kultur Die Freude am Subversiven
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 26.10.2015
Kontrast-Konzert mit Schnipo Schranke. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
Anzeige
Hannover

Das neue Album ist bereits komplett gespielt und die Fans wollen nochmal alles geben und alles haben.

Pisse“ ist die Verdichtung des Prinzips Schnipo Schranke: Es geht um Beziehungsdinge, um Sex und Körperlichkeit, Anziehung und Abstoßung. Doch während Wanda sich in eine schmierige Pose werfen und AnnenMayKantereit die Pathosmaschine ankurbeln würden, bleiben Fritzi Ernst und Daniela Reis sehr alltäglich. „Ich bin auch nur ein Mädchen, wenn auch unrasiert. Brauche Liebe, brauche Halt und einen, der mich knallt“, singen sie zu einer fröhlichen Melodie. Sie bringen ganze Romane in Nebensätzen unter.

Anzeige
Die derzeit angesagteste deutschsprachige Indie-Pop-Band? Ganz klar: Schnipo Schranke. In Hannover traten die beiden Musikerinnen im Lux auf.

Die beiden jungen Frauen haben in den vergangenen Monaten oft beteuert, ihre Texte seien weder Provokation noch feministischen oder politischen Botschaften. Sie würden nun mal so reden, auch privat. Doch vermutlich hätten die beiden Musikerinnen nicht so einen Erfolg, wenn sie die behauptete Beiläufigkeit nicht intelligent brechen würden. So griffig ihre Texte auch sind, so ungreifbar bleibt die Haltung von Schnipo Schranke auf der Bühne. Spaß, Naivität, Kokettieren und Coolness wechseln sich ähnlich schnell ab, wie die Instrumente getauscht werden. Was davon echt ist und was gespielt, bleibt undurchschaubar. Das Konzert lebt von Gegensätzen. Brave Kleidchen kontrastieren mit der Freude am Subversiven.

Wenn das Publikum zu oft überdeutlichen Texten mitsummt, ist das ein wenig, als würden zwei Zehnjährige beim Tantengeburtstag ausprobieren, welche Fäkalausdrücke die größte Wirkung erzielen. Und als könnte die Tante sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, in Erinnerung an all die selbst erlebten Unanständigkeiten. Wenn Daniela Reis von ihrer Liebe zu Gastmusiker Ente Schulz erzählt, einem entspannten Endvierziger mit Schnäuzer und Bauch, aktiviert sie das Kopfkino ihres Publikums. Das begeisterte Johlen aus der kleinen Gruppe Teenager, die vor der Bühne eine mitgebrachte Flasche Sekt kreisen lassen, bestätigt: Die Fans feiern Schnipo Schranke gerade weil sie die Dinge auch bei hässlichen Namen nennen.    

Von Thomas Kaestle

Kultur Schauspieler Detlef Bothe - Der Bond-Killer kommt aus Braunschweig
23.10.2015
Kultur Dauerausstellung „Menschenwelten“ - Landesmuseum zeigt Leben in Südafrika
Daniel Alexander Schacht 22.10.2015
Kultur „The Walk“ - Das ist die Höhe!
Matthias Halbig 25.10.2015