Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Schräger Witz mit Plüschbär „Ted“
Nachrichten Kultur Schräger Witz mit Plüschbär „Ted“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:59 03.08.2012
Ted und sein bester Freund John (Mark Wahlberg) sind unzertrennlich. Quelle: Universal
Los Angeles

Ted flucht, trinkt, kifft und stellt üppigen Blondinen nach. Genau der Typ, wie man ihn in derben Filmkomödien wie „Hangover“ findet. Doch der kleine Unterschied bei „Ted“ - der Star des schrägen Films ist ein Teddybär. „Ted“ hält, was sein Werbeplakat verspricht. Ein Mann und sein Plüschtier stehen am Pissoir, Teddy mit einem Bier in der Hand. Schon damit ist klar, dass „Ted“ kräftig unter die Gürtellinie geht. Doch der Humor kommt an: Der Film mit Stars wie Mark Wahlberg („Die etwas anderen Cops“) und Mila Kunis („Freunde mit gewissen Vorzügen“) eroberte in den USA bereits die Kinocharts.

Etwas anderes wäre von dem Schöpfer der TV-Cartoon-Serie „Family Guy“ auch nicht zu erwarten gewesen. Seth MacFarlane, der mit seiner frechen TV-Satire in den USA Kultstatus erreicht hat, gibt mit „Ted“ sein Regiedebüt. Er hat auch das Skript geschrieben und verleiht dem Kuscheltier in der Originalversion seine Stimme.

Dabei fängt alles so niedlich an, wie ein weihnachtliches Disney-Märchen, im verschneiten Boston im Jahr 1985. Der einsame kleine John wünscht sich nichts sehnlicher, als einen treuen Freund. Da kommt der Teddy mit den braunen Kulleraugen unter dem Weihnachtsbaum gerade richtig. Für immer beste Freunde bleiben, verspricht er dem Kuscheltier, als eine Sternschnuppe vorbeirast.

Johns Wunsch, dass Teddy lebendig werden soll, geht in Erfüllung. Ted wird als Sensation gefeiert und tritt in Talkshows auf, doch irgendwann ist der Realitystar vergessen, nur John bleibt seinem besten Freund treu. Das ist zwei Jahrzehnte später immer noch so. John, gespielt von Wark Wahlberg, lebt auch mit 35 noch mit Ted zusammen. Der hat längst eine tiefe Stimme und ist nicht mehr zu bändigen: Die Computeranimatoren verwandeln das pummelige Stofftier in einen lautstarken Schwerenöter. Mit seiner witzigen Geschmacklosigkeit trifft MacFarlane meist ins Schwarze. Es ist tatsächlich zum Lachen, wenn Ted zur vulgären Hochform aufläuft und dabei manche Tabus überschreitet.

Nur Johns Freundin Lori, gespielt von „Black Swan“-Star Mila Kunis, geht das Buddyleben mit Trinkgelagen, Kiffpartys und faulen Abenden vor der Glotze langsam auf die Nerven. Als Teddy einmal völlig über die Stränge schlägt - er hat ein paar Callgirls nach Hause eingeladen - muss sich John entscheiden: Plüschtier oder Freundin. Der Bär fliegt raus, doch das wilde Teddytreiben geht weiter.

Mal hat das Kuscheltier mit einer drallen Kassiererin im Supermarkt Sex. Mal prügelt er John beim knallharten Streit halbtot, fast wie eine Kampfszene aus dem Boxdrama „The Fighter“, in dem Wahlberg 2010 als Profiboxer zuschlug. Überhaupt meistert der Schauspieler die urkomische Rolle als Teddybändiger mit ernstem Gesicht, als sei es das Normalste in der Welt. Auch andere Stars hatten wohl keine Berührungsängste: Hollywoodstar Ryan Reynolds und Sängerin Norah Jones ließen sich für kleine Cameorollen einspannen. Und „Flash Gordon“-Star Sam J. Jones, Filmheld des Achtziger-Jahre-Science-Fiction-Streifens, taucht nach langer Zeit wieder auf der Leinwand auf.

Niemand ist vor MacFarlanes bissigem Humor sicher, weder Dicke und Schwule, noch Justin Bieber und Taylor Lautner. Dabei bedient sich der Regisseur reichlich bei trashiger Popkultur. Nicht jede Anspielung ist auf Anhieb zu erkennen, aber es gibt so viel absurden Humor, dass man „Ted“ kleine Längen gern verzeiht.

Beim US-Kinostart Ende Juni eroberte „Ted“ die Charts im Sturm. Der haarige Bär schlug den gleichzeitig gestarteten Stripperfilm „Magic Mike“, in dem Stars wie Matthew McConaughey und Channing Tatum nackte Haut zeigen. Allein am Startwochenende spielte der Teddy mehr als 50 Millionen Dollar ein, inzwischen sind es schon über 170 Millionen Dollar (gut 140 Millionen Euro) - trotz der strikten R-Altersfreigabe, mit der unter 17-Jährige in den USA den Film nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten sehen dürfen. 

dpa

Mehr zum Thema

Mit einem handfesten Drama kehrt Mark Wahlberg auf die Kinoleinwand zurück. Als Boxer Micky Ward kämpft er nicht nur körperlich im Ring, sondern auch seelisch mit seiner Familie. Ein packender Streifen, der ohne großen Pathos auskommt.

Stefan Stosch 06.04.2011

Zwei Trottel vom Dienst: Will Ferrell und Mark Wahlberg arbeiten in der Komödie „Die etwas anderen Cops“ für die New Yorker Polizei. Der Film startet am Donnerstag in den deutschen Kinos.

Ernst Corinth 14.10.2010

Natalie Portman tanzt, aber „Black Swan“ ist kein Ballettfilm, sondern ein phänomenaler Psychothriller: Das Kinoereignis von US-Regisseur Darren Aronofsky startet am Donnerstag in den deutschen Kinos.

Stefan Stosch 14.01.2011
Kultur Salzburger Festspiele - Anna Netrebko triumphiert als Mimi

Genuss auf Wolke Sieben: Der russsische Opernstar betört das Publikum in „La Bohème“ von Giacomo Puccini. Netrebko schwächelt nie, auch nicht bei Durchgangsnoten, sie sitzt atemberaubend perfekt auf der Solltonhöhe.

02.08.2012

Zehntausende schwarzgekleidete Langhaarige und Musik mit der Lautstärke eines startenden Düsenjets: Unter dem Motto „louder than hell“ feiern Hardrock-Fans das „Wacken Open Air“ – das größte Heavy-Metal-Festival der Welt.

02.08.2012
Kultur Wertung von Wirtschaftsinstitut - Hannover bei Kulturranking im Mittelfeld

Hannover erreicht als Kulturstadt in Deutschland nur eine Position im Mittelfeld. Bei einem vom Hamburger Welt-Wirtschafts-Institut (HWWI) aufgestellten Ranking landet Hannover auf dem 17. Platz unter den 30 größten Städten des Landes.

02.08.2012