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Kultur Scorpions proben auf Expo-Gelände für Abschlusstournee
Nachrichten Kultur Scorpions proben auf Expo-Gelände für Abschlusstournee
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12:31 12.03.2010
Rockerpose? Eine Fingerübung! Die Scorpions Rudolf Schenker, James Kottak, Klaus Meine, Matthias Jabs und Pawel Maciwoda (v. l.) am Donnerstag im Studio von Mousse T..
Rockerpose? Eine Fingerübung! Die Scorpions Rudolf Schenker, James Kottak, Klaus Meine, Matthias Jabs und Pawel Maciwoda (v. l.) am Donnerstag im Studio von Mousse T.. Quelle: Martin Steiner
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Der Anfang vom Ende findet auf dem Expo-Gelände statt. Der Anfang vom Ende ist etwas Besonderes. Doch eigentlich gehen die fünf Herren nur ihrer Arbeit nach. Sie rocken. Im Peppermint Pavillon. In Hannover. Heimatstadt. Oder „Homebase“, wie der weltgewandte Rocker sagt. Hier in der Homebase hat Mousse T. sein Domizil zur Verfügung gestellt, damit sich die Scorpions auf ihre Abschlusstournee vorbereiten können. Rechts vorn in der großen Halle wird nicht gerockt, sondern geschraubt, gesägt und gebohrt. Techniker richten das Bühnendesign ein, testen, schauen mit kritischen Blicken auf Monitore, schalten Lampen ein und wieder aus. Montag muss das laufen. Da ist Premiere. In Prag. Vor 15 000 Fans im ausverkauften Dome. Montag, das sind noch vier Tage.

„Früher“, sagt Klaus Meine, „haben wir irgendwo in Ostwestfalen in einer Halle eine richtige Bühnenprobe gemacht, bevor wir dann im Dortmunder Westfalenstadion losgelegt haben. Aber die Zeiten sind vorbei. „Das steht am nächsten Tag auf ,YouTube’“. Deshalb gibt’s die erste Bühnenprobe in Prag. Erfahrungssache? Meine grinst: „Klar.“

Er und seine Bandkollegen sitzen rechts unten bei Peppermint im Studio. Das neue Album „Sting in the Tail“ läuft. Und wer gedacht hat, die Scorpions gibt es nur mit offenem Mund und Victory-Zeichen – Fehlanzeige. Die Musiker sitzen da und lauschen konzentriert ihrem Werk, das Ende nächster Woche erscheint. Matthias Jabs ist in den Sessel gesunken, die spitzen Lederstiefel wippen auf dem Tisch im Takt. Bassist Pawel Maciwoda hat sich die Wollmütze ins Gesicht gezogen die Sonnenbrille aufgesetzt und trinkt Bier. Schlagzeuger James Kottak sitzt am Mischpult, trommelt seine Parts in die Luft. Meine trinkt Wasser, auch er lauscht. Ändern können sie ohnehin nichts mehr, aber alle scheinen auch ganz zufrieden zu sein.

Vielleicht sind sie aber auch nur müde.Den ganzen Tag haben sie geprobt, drei neue Stücke für den Anfang: „Das wird im Laufe der Tour mehr“, sagt Sänger Meine, der schon vor Wochen die ersten Songlisten zusammengestellt hat. Aber daran wird wie an der Bühne noch gefeilt. Ohnehin ist alles im Fluss. Die Tournee geht wild durch die Welt, von Prag nach Moskau, dann in die USA, zurück nach Belgien und Deutschland, Konzerte, Promotiontermine, der prominenteste ist „Wetten dass ...?“. Doch bei allem Stress – Lena Meyer-Landruts Siegeszug hat Meine mitbekommen. „Sie hat’s drauf“, sagt er, und: „Schön, dass sie aus Hannover kommt.“ Homebase, klar.

„Wir freuen uns, dass wir so ein gutes Feedback gerade in Deutschland bekommen haben“, sagt Meine, der sich durchaus auch der kritischen Haltung bewusst ist, die den Scorpions in Deutschland häufig entgegenweht. „Anfangs schimpfen viele, und am Ende, wenn sie dich gesehen und gehört haben, klopfen sie dir auf die Schulter“, sagt er und fügt mit der Geste des leisen Triumphs hinzu: „Ich glaube, wir sind im letzten Drittel.“

Allerdings bleibt für Wehmut kaum Zeit, auch das Album hat die Band aufgenommen wie ein ganz normales und nicht wie ein letztes. Und die Tour wollen sie genau so angehen, ohne Sentimentalitäten. Es wird eh anstrengend genug. „Wir haben ein gewisses Alter“, sagt der 61-Jährige, „und wir sind eine Hardrockband. Wenn wir eine Bluesband wären, könnten wir im Sitzen weitermachen.“

Nein, eine Bluesband sind sie nicht. Die Platte geht mit „The Best is Yet to come“ zu Ende. James Kottak, eindeutig der Witzbold der Truppe, geht zum Kühlschrank und zieht etwas Grünes hervor: „The Beck’s it yet to come“. Dann möchte der Fotograf ein Foto. Schnelles Umschalten in den Rockmodus. Die Scorpions machen auf Scorpions. Victory-Zeichen, Daumen hoch, Metal-Gruß. Prag wartet. Und am 1. Juni Hannover. Homebase. Meine sagt: „Wir freuen uns.“

Uwe Janssen

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