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Kultur Screwball-Komödie von Michael McKeever
Nachrichten Kultur Screwball-Komödie von Michael McKeever
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11:25 20.12.2010
Michaela Allendorf (Athena Sinclair), Dennis Habermehl (Otis) Quelle: Andreas Hartmann
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Zickenzoff der schlimmsten Art: Die größten Diven ihrer Zeit, Claudia McFadden und Athena Sinclair, sind zu einer Benefizveranstaltung in ein Hotel in Florida eingeladen worden. Leider hassen sich die beiden Damen derart, dass sie sich nicht einmal ansichtig werden dürfen. Und dann verschlägt sie ein seltsames Geschick auch noch in die gleiche Hotelsuite; die eine wohnt links, die andere rechts, und keine ahnt etwas von der Anwesenheit der jeweils anderen. Wohl aber weiß die Entourage vom Hoteldirektor über die Assistenten der Diven bis hin zu den Pagen genug über die sich abzeichnende Katastrophe. Das Stück spielt im Jahr 1942. Ich wünschte, seufzt eines der potenziellen Katastrophenopfer, ich wäre in Europa an der Front in Sicherheit (ungeachtet der Tatsache, dass die Amerikaner 1942 noch gar nicht in Europa gelandet waren).

Michael McKeever heißt der Autor dieses Stücks, das jetzt als Inszenierung des Theaters für Niedersachsen im Theater am Aegi gezeigt wurde. McKeever wurde 1962 in Miami geboren, „Der süßeste Wahnsinn“ 2008 uraufgeführt. Das Stück blickt aber weit zurück, es ist eine Hommage an die Screwball-Comedies Hollywoods aus den dreißiger und vierziger Jahren. Screwball, das bedeutet komische Situationen, die die Protagonisten zu Spielbällen unkontrollierbarer Vorfälle machen, und das bedeutet auch elegante, schnelle Dialoge.

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Screwball auf die Bühne zu bringen, zumal auf eine deutsche, ist keine einfache Aufgabe. Theater ist nicht Film, es spuken einem auch immer Cary Grant und Katharine Hepburn durch den Kopf, und deutschen Schauspielern geht die Leichtigkeit der einstigen Hollywoodstars ab. Jörg Gade, Intendant des Theaters für Niedersachsen, ist als Regisseur das Wagnis trotzdem eingegangen. Und er schlägt sich nicht schlecht. Es geht etwas langsam an, und immer wieder gibt es Probleme mit der Textverständlichkeit, was wohl auch an der Akustik im Theater am Aegi liegt. Aber mit dem Fortschreiten der Aufführung nimmt diese Tempo auf und wird immer vergnüglicher – dass der Schluss des Stückes verschleppt ist, liegt am Autor.

Für das Bühnenbild zeichnen drei Hildesheimer Kunststudenten verantwortlich. Ihre Lösung überzeugt: ein Raum mit einem Flügel, in den gelegentlich eine Klatschjournalistin verfrachtet wird, eine Mitteltür und zwei Seitentüren, durch die abwechselnd Claudia und Athena auftreten. Die Symmetrie spiegelt so die Gleichartigkeit der Situationen wider. Und so entsprechen sich auch die Schauspieler, voran Annetraut Lutz-Weicken als Claudia und Michaela Allendorf als Athena. Kurz vor dem Ende finden sie sich zu einem Gesangsduo zusammen, das sich hören lässt und nach innen die Spannungen auflöst. Wie sich der Knoten entwirrt, wird nicht verraten.

Der Rest des Personals hat es nicht gerade leicht – in seinen Rollen: Jens Koch als Hoteldirektor, Joëlle Rose Benhamou und Christoph Götz als Diven-Assistenten, Heidrun Reinhardt als Klatschjournalistin (für die es in den Vierzigern durchaus reale Vorbilder gab), Ulrike Lodwig als Dame der Gesellschaft sowie Moritz Nikolaus Koch und Dennis Habermehl als Pagen. Diese alle wissen zumeist nicht, wo ihnen der Kopf steht. Im Unterschied zu den Zuschauern, die den Protagonisten immer voraus sind. Bei Alfred Hitchcock hieß dies Suspense. Noch eine Hommage.

Die nächsten Vorstellungen: am 21. Dezember und am 9. Januar. Karten: (0 51 21) 16 93 16 93.

Ekkehard Böhm

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