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Kultur Silvia Avallone: „Marina Bellezza“
Nachrichten Kultur Silvia Avallone: „Marina Bellezza“
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10:30 23.07.2014
Von Gabriele Schulte
Typisch: Ein Dorf im Piemont.
Typisch: Ein Dorf im Piemont. Quelle: dpa
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Ein rückwärtsgewandter Kuhhirte, eine nach Fernsehauftritten gierende Provinzdiva, eine Studentin der Philosophie – die jungen Hauptfiguren im neuen Roman der italienischen Nachwuchsautorin Silvia Avallone scheinen so gar nicht zusammenzupassen. Trotzdem sind die drei mal mehr und mal weniger miteinander befreundet und ineinander verliebt. Bei aller Verschiedenheit haben sie etwas Wesentliches gemeinsam: Sie stammen aus einem abgelegenen Tal am Fuß der Alpen im äußersten Nordwesten Italiens. Das Piemont mit seinen schmalen Landstraßen, schroffen Bergen, wilden Bächen und wirtschaftlichen Problemen hat sie geprägt.

Die 30-jährige Autorin, die für ihr Debüt „Ein Sommer aus Stahl“ zahlreiche Preise erhielt, hat ihren zweiten Roman „Marina Bellezza“ in ihrer Heimat angesiedelt, der Gegend oberhalb der Kleinstadt Biella, die Italienreisende in der Regel links liegen lassen. Sie beschreibt die Region schonungslos, mitsamt ihrer Ereignisarmut und trostlosen Ecken. Zum Höhepunkt im Jahr kann dort schon der Besuch eines eigentlich langweiligen Volksfestes werden, „eingehüllt in den typischen Gestank der Dorffeste: Fleisch vom Holzkohlengrill und Chemieklos hinter den Zelten“. Bei einem solchen Fest verguckt sich der 19 Jahre alte Andrea in die sechs Jahre jüngere, frühreife Marina Bellezza. Die beiden werden ein Paar, verlieren sich dann aus den Augen und treffen sich Jahre später zufällig wieder. Marina tritt inzwischen erfolgreich bei Castingshows im Lokalfernsehen auf und hat als Mitbewohnerin eine Studentin, die sich seit der gemeinsamen Schulzeit nach Andrea verzehrt.

Werden sich am Ende die zusammentun, die am besten zusammenpassen? Was zunächst wie eine klassische Dreiecksgeschichte anmutet, entwickelt überraschende Wirrungen und Wendungen. Das Erwachsenwerden der liebeshungrigen jungen Helden, die die Verletzungen aus ihrer Kindheit allzu oft an andere weitergeben, vollzieht sich über Umwege und auf unerwartete Weise. Während die Eine sich vom Wunsch nach Anerkennung zu Fernsehshows nach Mailand und Rom locken lässt, sehnt sich der Andere nach einem naturnahen Leben auf dem winzigen Hof seines Großvaters. Dass sich Menschen mit so verschiedenen Träumen verbünden, lässt den Roman bisweilen wie ein italienisches Märchen erscheinen. Im Nachwort versichert die Autorin, dass es tatsächlich eine Bewegung von jungen Leuten gibt, die in der Wirtschaftskrise den spröden Charme ihrer entvölkerten Heimat erkannt haben und mit neuer Hoffnung dorthin zurückkehren. Wer „Marina Bellezza“ liest, wird verstehen warum.

Silvia Avallone: „Marina Bellezza“, Klett-Cotta. Aus dem Italienischen von Michael von Killisch-Horn. 566 Seiten, 24,95 Euro.

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