Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur „Meine beste Zeit ist jetzt“
Nachrichten Kultur „Meine beste Zeit ist jetzt“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:56 30.10.2015
Am kommenden Mittwoch tritt Mick Hucknall (Simply Red) in Hannover auf. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Wie fühlt es sich nach fünfjähriger Pause an, wieder ins ganz große Rampenlicht zu treten?
Nun, ehrlich gesagt, ich bin selbst überrascht worden. Und so fühlt es sich an.

Wer oder was hat Sie überrascht?
Ich hatte kein Comeback geplant. Mein Manager hat mich letzten Sommer daran erinnert, dass der 30. Geburtstag von Simply Red bevorsteht. Er wollte, dass wir auf Tournee gehen. Je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto besser gefiel mir die Idee. Nicht viele Menschen haben eine so lange Karriere hinter sich. Vielleicht würden die Fans gern wieder Songs live hören, gerade die jungen Fans, die vielleicht noch nie Simply Red live gesehen haben. Also habe ich zugestimmt ...

Anzeige

… und ein neues Album eingespielt.

Ich habe überlegt, warum die Leute Simply Red mögen. Und wie Simply Red im Jahr 2015 klingen soll. Ich dachte: Wahrscheinlich wird die Plattenfirma zum Jubiläum wieder eine neue „Greatest Hits“-Platte herausbringen. Als ob wir nicht mehr als genug „Greatest Hits“ gehabt hätten. Also wollte ich versuchen, ein paar neue Songs zu schreiben. Dann konnte ich nicht mehr damit aufhören.  

Die neuen Songs klingen sehr gefühlig. So wie früher. Ist Ihr Album „Big Love“ aus der Zeit gefallen?
Die Musik der Achtziger- und Neunzigerjahre war ungeheuer wirksame Musik, sie hatte große Anziehungskraft und konnte mitreißen. Simply Red hat das damalige Lebensgefühl mitgeprägt. Darauf bin ich sehr stolz. Wenn ich Songs schreibe, dann klingen sie eben wie Simply Red. Unser Sound ist sehr original. Das ist es, was die Menschen von uns erwarten.Auch heute noch.

Als Sie vor fünf Jahren aufgehört haben, sagten Sie, dass die Musik von Simply Red ausgereizt sei, das letzte Album war 2007 „Stay“.
Ich selbst musste aufhören, gegen diese Idee anzukämpfen. Mit „Stay“ versuchte ich, vor Simply Red davonzulaufen. Aber inzwischen fühle ich mich sehr wohl mit dem Flair als eine blue-eyed Soulband.

Wollen Sie die Achtzigerjahre zurückholen?
Für meine Fans gilt das. Wir spielen bei der Tournee all die alten Hits, an die sie sich erinnern und in Nostalgie schwelgen.

War das Ihre beste Zeit?
Nein, meine beste Zeit ist jetzt. Ich habe mich komplett verändert. Ich bin verheiratet und Vater geworden. Die Erfahrung mit meiner Tochter und die Liebe meiner Frau haben mich zu einem anderen Menschen werden lassen. Ich fühle mich vollständiger und gehe die Dinge entspannter an. Ich bin geerdet.

Haben Sie keine Angst, durch den wiedererweckten Glamour in alte Muster zu fallen?
Ich will nicht wieder zurück in die alten Zeiten. Aber vielleicht erleide ich ein Trauma und werde verrückt. Niemand kennt die Zukunft. Also alles, was ich sagen kann, ist: Ich bin sehr glücklich, ich liebe meine Frau, ich liebe mein Leben, ich liebe meine Tochter, ich liebe meinen Hund, ich liebe es, zu Hause zu sein. Ich glaube, ich habe sehr viel Glück gehabt. Denn ich habe vorher nie geglaubt, mal eine solche Familie zu haben. Ich selbst hatte keine.

Sie waren einer der ersten weißen Musiker, die mit ihrer begnadeten Soulstimme den schwarzen Amerikanern Konkurrenz gemacht haben. Und das auch noch mit roten Haaren. War es schwierig, Ihren Stil durchzusetzen?
Die Sache bei dieser Generation war: Du konntest anders aussehen, du konntet anders sein. Vielleicht ist es heute wieder so. Die Leute wollen kein Fotomodell, sie wollen einen Musiker mit Charakter. Jemand wie Bob Dylan ist nicht der schönste Typ der Welt. Aber er ist ein Original. Das scheint mir der Schlüssel zum Erfolg zu sein.

Zwischendurch haben Sie versucht, als Mick Hucknall eine Solokarriere zu starten. Wie lief es?
Ich war mit zweien meiner Musiker unterwegs. Aber wir haben keine Songs von mir gespielt. Mit „American Soul“ haben wir Blues und R’n’B-Klassiker gecovert. Kleine Tourneen, kleine Auftritte. Das war alles. Ich muss ja auch singen, um meine Stimme zu trainieren.

Wie darf man sich Proben von Simply Red heute vorstellen? Kaffee und Kekse? Oder doch Rock ’n’ Roll?
Ich war immer schon sehr streng. Ich habe nie Alkohol vor den Shows getrunken. Ich bin ein Profi – ich arbeite. Und wenn wir fertig sind, dann nehme ich einen Drink. So arbeiten wir. Die Band kennt sich schon so lange und hat eine Menge Spaß. Meine Tochter nennt uns die Rock-’n’-Roll-Band. Also sie freut sich sehr über ein bisschen Rock ’n’ Roll.

Hören Sie auf, wenn die Haare grau werden?
Da sitze ich in der Falle. Ich bin Simply Red, ich kann nicht Simply Grey sein. Oder Simply White. Oder Simply Silver.

Interview: Sonja Fröhlich

30.10.2015
30.10.2015
Kultur Eindrücke aus dem Ballettsaal - Opernballett probt "Was ihr wollt"
Daniel Alexander Schacht 01.11.2015