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Kultur Das Hochhaus als Ackerfläche
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17:57 13.11.2015
Von Ronald Meyer-Arlt
Grün erleben, grüner leben: das „Bosco Verticale“ in Mailand. Quelle: Nicole Pfoser
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Hannover

Die Bäume wachsen nicht in den Himmel? Doch, an einigen Orten wachsen sie durchaus in den Himmel. In Mailand etwa, an dem Komplex „Bosco Verticale“. Diese begrünten Hochhäuser sind ein gutes (und vielfach ausgezeichnetes) Beispiel für vertikale Gartengestaltung.
Auf dem „Sky Farming“, der Anlage von Gärten an Fassaden oder auf Dächern in Städten, ruhen viele Hoffnungen. Die Begrünung der Metropolen soll das urbane Klima verbessern, bei der Versorgung der Bevölkerung helfen, den Regen auffangen und so zur Vermeidung von Hochwasser beitragen, und sie soll auch dem Treibhauseffekt und der globalen Erwärmung entgegenwirken.

Mehr Grün in der Stadt könnte die Welt retten – jedenfalls ein bisschen. (Stadt-)Grün ist die Hoffnung, aber hält sie dem Realitätscheck stand? Das wollte man jetzt im Techniksalon wissen. Zwei Gartenbauexperten waren eingeladen. Landschaftsarchitektin Nicole Pfoser von der TU Darmstadt und Gartenbauprofessor Hartmut Stützel von der Leibniz Uni Hannover sprachen mit Salonchef Eckhard Stasch in einem der Gewächshäuser des Institutes für Gartenbauliche Produktionssysteme in Herrenhausen.

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Die Welt retten grüne Häuser nicht

Der Ort war gut gewählt, denn die umliegenden Gewächshäuser, aus denen hellgelb das Kunstlicht strahlte, zeigten schon mal, was Pflanzen besonders brauchen: Energie in Form von Licht. Und zwar sehr viel davon. Das aber lässt sich in und an Häusern nur in begrenztem Maß zur Verfügung stellen. Hartmut Stützel machte eine Rechnung auf, die angehende Vertikalgärtner wohl desillusionieren dürfte: Die Pflanzen, die auf und an Häusern in der Stadt gepflanzt werden können, reichen nur dafür, einen Bruchteil der Stadtbevölkerung zu ernähren. Städte brauchen Hinterland. Oder die raumgreifenden Gewächshäuser von Städten wie Almeria, in denen hochtechnisiert in großem Maßstab Gemüse angebaut wird.

Stadtgärten auf und an Hochhäusern, und Gärten auf Brachflächen, das sei alles gar nicht schlecht, meinte Stützel, aber es diene doch in erster Linie dem persönlichen Wohlbefinden der Stadtgärtner und der Hausbewohner. Auch pädagogisch sei so etwas sicher sinnvoll, um Stadtkindern zu vermitteln, wie Pflanzen wachsen. Aber die Welt retten grüne Häuser leider nicht.

Manchmal reichen ganz einfache Rechnungen, um Hoffnungen zunichte zu machen. Das wurde bei diesem Techniksalon anschaulich demonstriert.

Am Donnerstag, 26. November, beschäftigt sich der Techniksalon um 19.30 Uhr mit dem Thema „Transatlantikkabel“. Ort: Kabelwerk Nexans, Kabelkamp 20 in Hannover.     

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