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Kultur So war das Festival "Pop Conference"
Nachrichten Kultur So war das Festival "Pop Conference"
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20:39 09.07.2017
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Hannover

Ein guter Auftritt findet nicht erst auf der Bühne statt. Im Musikgeschäft ist Präsentation längst ebenso wichtig wie die eigentliche musikalische Leistung. Nur wer im Dschungel der Interpreten auf sich aufmerksam zu machen weiß, wird auf Dauer bestehen. Der Bachelor-Studiengang „Popular Music“ der Musikhochschule Hannover integriert deshalb auch Veranstaltungsmanagement und Medienstrategien in seine Lehre. Dabei ist von den Studenten Eigeninitiative gefragt: Sie sollen ihre Erfahrungen in eigenen Projekten sammeln.

Irritierender Name

Seit fünf Jahren probieren sie sich unter anderem jährlich in einem öffentlichen Abschlusskonzert ausgewählter Bands aus. Im vergangenen Jahr hieß das erstmals „Pop Conference“ und vereinte zwei Tage lang inhaltliche Auseinandersetzungen mit Konzerten. In diesem Jahr ist von der Konferenz nur ein fünfstündiges Festival im Musikzentrum geblieben – und der Name, der in diesem Zusammenhang irritiert. Für Lehrende, Kommilitonen, Freunde und Familie ist das nicht von Bedeutung. Sie sind ohnehin Fans, wohlwollende oder kritische Begleiter. Für sie ist die „Pop Conference“ gegenseitiges Schulterklopfen und Semesterabschlussparty.

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Leider bilden sie deshalb den Großteil des Publikums. Für alle anderen gilt: Die Außenwirkung ergibt sich erst für jene, die sich bereits eingelassen haben. Grenzen ausloten Wer den Weg ins Musikzentrum findet, stellt fest, dass es um den musikalischen Nachwuchs in Hannover nicht nur in Klassik und Chormusik erfreulich bestellt ist. Die neun Bands, von denen jede etwa 20 Minuten auf der Bühne verbringt, sind dabei nur ein Querschnitt – beworben hatten sich mehr als doppelt so viele.

Ironisch gerappte Besserwisser-Chansons

Viele davon verweigern sich einer klaren stilistischen Zuordnung. Verspielt und experimentierfreudig klingt es, wenn einzelne Musiker sich Raum für ihr jeweiliges Instrument nehmen, um dessen Grenzen auszuloten. Yunus zum Beispiel quetscht in ironisch gerappte Besserwisser-Chansons mit Violine und Jazzkeyboard alles, was gerade noch so hineinpasst. Greta Vibes bastelt sich einen Sound aus Softrock, klassischem Piano und symphonischem Powerfolk. Und Karma Kreatures vereint Mainstreampop mit Soul, Funk und Rap.

Andere setzen auf vertraut Eingängiges, wie Boy Adam mit blusigem Hard-Rock und Crossover, Nike mit vielstimmigem Chansonpop oder They Call Me Frääänk mit Hard Rock und Heavy Metal. Manchen Bands mit mehr Bühnenerfahrung gelingen schließlich dichte Momente, die den Hochschulkontext vergessen lassen. Leon Francis Farrow spielt soulig-leichtfüßigen Retro-Rock-’n’-Roll, Alina Bach eindringlichen Deutschpop und Emerson Prime beeindrucken mit funkig-treibendem, düsterem Wave-Pop.

Bestens dokumentiert

Vieles davon hätte ein Publikum jenseits der Hochschulöffentlichkeit verdient. Manches wird es sich erobern, draußen im Dschungel der Eigenständigkeit. Notfalls ist die „Pop Conference“ bestens dokumentiert – manchmal stehen zwei Kameramänner zugleich mit auf der Bühne. Diesen Aspekt der Medienöffentlichkeit haben offenbar alle verinnerlicht. 

Von Thomas Kaestle

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