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Nachrichten Kultur So war das Konzert von James Blunt in der Tui-Arena
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13:35 22.10.2017
James Blunt begeisterte die Zuschauer in der Tui-Arena.
James Blunt begeisterte die Zuschauer in der Tui-Arena. Quelle: Wilde
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Wer sich auf Twitter herumtreibt, der hat inzwischen mitbekommen, dass der britische Sänger James Blunt eine ordentliche Portion Selbstironie besitzt. "Wer dachte, 2016 war schlimm - 2017 veröffentliche ich mein neues Album", schrieb er dort im vergangenen Jahr. Und genau mit diesem Album, "The Afterlove", ist er derzeit auf Tour, am Sonnabend war er in Hannover.

Vorab stimmt Jamie Lawson die eintreffenden Zuschauer bereits auf den englischen Gitarrenklang ein: Man kennt den Sänger vor allem durch seinen Song "Wasn't Expecting That". Nur er und seine Gitarre schaffen es mit den für viele Zuschauer ansonsten unbekannten Songs, große Teile des Publikums zum Mitsingen zu animieren. Ein Lichtermeer bereits beim Support Act - eine beachtliche Leistung.

Man möchte meinen, man sei gut eingestimmt auf das, was dann kommt. Doch die magentafarbenen Lichter gehen an, eine harte Bass Drum setzt ein und James Blunt springt in seiner Skinny-Jeans auf die Bühne. Eine rockige Version von "Heart to Heart" reißt das Publikum sofort von seinen Sitzen. Und Blunts Stimme, die ist phasenweise ungewohnt tief, manchmal sogar schroff. Und er selbst ist energiegeladen, kraftbündelnd, anheizend. 

Der britischer Singer-Songwriter James Blunt begeistert die Zuschauer in Tui-Arena.

Die Tui-Arena ist am Sonnabend nicht ausverkauft, aber mit rund 7500 Leuten im bestuhlten Saal gut besetzt. Das Publikum zeigt sich bei den neuen Songs zurückhaltender. Aber die werden ohnehin nur vereinzelt gespielt, der Abend ist viel mehr ein Best-Of-Programm, Blunt bedient die Hoffnungen seiner Fans: Er spielt "Wisemen" und "Postcards", ist gut drauf, lässig, er scherzt und plaudert dahin: "Meine Deutsch ist nicht so gut, ich kann sagen Danke, dankeschön und vielen dank - das ist alles!"  Inzwischen spielt er sogar "Ok" live, von ihm geschrieben, vom Osnabrücker DJ Robin Schulz produziert - es zeigt mit dem House-Sound den musikalischen Einfluss seiner Wahlheimat Ibiza. 

Charmant und ernsthaft zugleich leitet er den Song "Someone Singing Alone" ein: Es sei ein Stück über Trump, über die Amerikaner und ihr Verhalten. Könne er denen natürlich nicht sagen. Sagt er aber in Hannover und singt: ""Cause just one voice is not enough". Und die Leinwand zeigt in langsamen kamerafahrten zerbombte Städte. "Would you raise your voice just a little louder." Es sind Zeiten, in denen Künstler oft ihre Stimme für politisches Engagement einsetzen, am Tag zuvor hatte sich an gleicher Stelle bereits Westernhagen für demokratische Inhalte stark gemacht.

Natürlich singt Blunt im Funkelmeer der Handylichter auch all die traurigschönen Lieder, für die er berühmt geworden ist: "High", "Carry You Home", "Same Mistake", "Goodbye My Lover" - einzelne sind sichtlich gerührt - ja, man sieht Tränen. Ein einheitlicher Seufzer dann bei der Ankündigung von "You're beautiful", das 2005 auf seinem Debütalbum "Back to Bedlam" war und ihn auf Platz 1 der britischen und amerikanischen Charts brachte. Es spaltete die Menschen, den einen rührte es das Herz in dunklen Nächten, andere waren von dem Schmachtfetzen bis ins Unerträgliche genervt. Und doch, dort in der Arena herrscht große emotionale Einigkeit. Nach den letzten Takten klärt er auf: Der Song sei gar nicht so romantisch, sondern handele von einem Stalker, dem könne man doch wirklich nicht trauen. Es ist ein charmanter, weil so plakativer Versuch, sein Image zurechtzurücken. 

Doch er schreibt noch immer ebensolche Stücke: "Make Me Better" schließt daran an - ein Stück über seine Frau und den gemeinsamen Sohn. Für sie sei das übrigens das romantischste Lied, das er je geschrieben habe. Ein anderes ist über seinen Hochzeitstag, "Time of Our Lives". Es ist nicht mehr der melancholische Blick eines Singles, der ihm so gut stand. Doch der positive Blick auf die Dinge ist authentisch und deswegen genau so rührend, genauso aufrichtig gefühlvoll. Da steht ein Mann, privat offenbar glücklich, mit der politischen Situation unzufrieden, aber aufgeräumt. 

"We could finish with a happy song, but it's me and we are finishing with a miserable one" - da ist sie wieder, die Selbstironie, die sich so durch den Abend zog. Dann spielt er doch noch drei Stücke, zuletzt "Bonfire Heart". Unglücklich geht an diesem Abend wohl kaum einer aus der Arena.

Von Katharina Derlin

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