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Kultur So war das Konzert von Johannes Oerding
Nachrichten Kultur So war das Konzert von Johannes Oerding
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16:01 19.11.2017
Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Am Anfang betreibt Sänger Johannes Oerding in der gut gefüllten Swiss Life Hall Zielgruppenforschung. Alle Frauen unter 30 sollen die Worte „So schön“ aus dem gleichnamigen Song singen. Darauf erfolgt amüsiertes Gelächter, denn die Resonanz ist mäßig. Als er den Chor auf alle Frauen unter 40 erweitert, klappt es besser - seine Fans sind eben älter. Mit solchen Aktionen abseits von schlichten Klatsch-Animationen schafft Oerding es schnell, dass das Publikum warm wird und mit ihm feiert.

Mehr Dur- als Mollakkorde

„Kreise“ heißt Oerdings aktuelles Album, das er im gewohnten Zwei-Jahres-Rhythmus veröffentlicht hat. Darauf zu finden: Mal treibender und mal kuscheliger Gute-Laune-Deutschpop mit mehr Dur- als Mollakkorden. Noch immer singt der 35-Jährige über das Erwachsenwerden, Frei sein und die Liebe. Viel anders als sein Vorgänger „Alles brennt“ klingt die neue Platte nicht – aber eine Spur nachdenklicher. Der Grund dafür könnte sein, dass der Sänger verpasste Jugenderfahrungen nachgeholt hat. Beim „Work and Travel“ in Australien war er viel alleine unterwegs. 

Johannes Oerding, Songwriter und Wahlhamburger, war mit seiner Platte "Kreise" in der Swiss-Life-Hall. Es fällt auf: Oerding ist wie der coole Typ auf der Geburtstagsparty, an dessen Lippen alle hängen.

Von Melancholie ist in der Swiss-Life-Hall aber nichts zu spüren. Oerding ist wie der coole Typ auf der Geburtstagsparty, an dessen Lippen alle hängen. Die unerwiderte Liebe zu seiner Deutschlehrerin Frau Rosen oder ein Cover seines Songs „Kreise“ als Schlagerversion: Er liefert eine Pointe nach der nächsten und geizt nicht mit Selbstironie.

Musiker und Entertainer

„Ihr werdet immer mehr“, ruft der 35-Jährige in die Menge. Musikzentrum, Capitol und nun die Swiss Life Hall: Die Locations, auf dessen Bühnen der Wahlhamburger in Hannover steht, wurden kontinuierlich größer. Nicht jeder Deutschpop-Sänger schafft es, auch abseits von lauschigen Clubs Atmosphäre zu überzeugen. Das zeigte jüngst Philipp Poisel in der Tui-Arena. Bei Oerding ist es anders: Er hat Stadionqualitäten. Der bodenständige Sänger ist nicht nur Musiker, sondern auch Entertainer.  

Dass Oerding allerdings auch ernst sein kann, zeigt er mit dem Song „Weiße Tauben“. In dem kritisiert er, dass immer mehr Menschen Krieg und Terror normal finden – sein erstes politisches Lied. Schade: Auf dem Konzert spielt er den Song unkommentiert und blödelt direkt danach über Michael Jackson und David Hasselhoff rum. Es geht bei Oerding eben doch um Pointen und nicht um Parolen.

Von Sarah Franke

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