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17:16 26.06.2017
Von Ronald Meyer-Arlt
Quelle: Archiv
Hildesheim

Antworten auf diese Frage hätten wohl alle gern. Oliver Scheytt, der Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft, hat für seinen Vortrag beim Forum den Titel gewählt: „Was zeichnet eine erfolgreiche Kulturhauptstadtbewerbung aus?“ Mit dieser Frage beschäftigen sich die Gäste des Kulturhauptstadtforums, zu dem das Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim in die Aula des Kulturcampus der Domäne Marienburg geladen hatte. Vertreter der Städte, die noch überlegen oder entschieden haben, ihre Bewerbung für den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2025 abzugeben, sind gekommen, um Anregungen zu finden.

Oliver Scheytt, Professor für Kulturpolitik an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, ist Experte, wenn es um die Bewerbung als Kulturhauptstadt geht. Schließlich hat er die Bewerbung der Stadt Essen und des Ruhrgebiets (2010) zum Erfolg geführt. Und er hat danach viele andere Städte bei ihrer Bewerbung als Kulturhauptstadt beraten - einige (Pafos, Plovdiv, Kaunas) erfolgreich, andere (Cluj, Sienna, Maastricht, Sonderborg) nicht.

Sein wichtigster Rat an die Kulturpolitiker lautet: „Locker bleiben.“ Schließlich hängt der Erfolg einer Bewerbung im Grunde gar nicht davon ab, ob die Stadt am Ende den Titel bekommt oder nicht. Denn die Bewerbung selbst könnte schon ein Erfolg sein. Schließlich dient sie der Selbstvergewisserung der Beteiligten und ihrer Vernetzung. Es lohnt sich, sich auf den Weg zu begeben, denn in der Regel ist hier der Weg das Ziel. „Schon die Bewerbung kann gewaltige Wirkung erzielen“, sagt Kulturexperte Scheytt - die für ihn auch darin besteht, dass Kulturleute und Touristiker einer Stadt über dieses Thema miteinander ins Gespräch kommen können. Gemeinhin sind das ja sehr getrennte Bereiche.

Warum überhaupt?

Die wichtigsten Fragen, die sich alle stellen müssten, die mit einer Kulturhauptstadtsbewerbung zu tun haben, lauten: Brauchen wir es, Kulturhauptstadt zu werden? Verdienen wir es? Können wir es? Das Können dürfte für die meisten Städte, die an einer Bewerbung interessiert sind, kein Problem sein. Mit dem Brauchen und dem Verdienen sei es schon komplizierter, meint Scheytt. Braucht zum Beispiel die Kulturstadt Dresden wirklich noch den Status einer europäischen Kulturhauptstadt?

Die Frage aber, auf die alle Bewerberstädte eine kluge Antwort finden müssten, lautet ganz schlicht: „Warum wollen Sie überhaupt Kulturhauptstadt werden?“ „An dieser Frage werden Sie monatelang arbeiten. Fangen Sie am besten gleich morgen damit an“, sagt Scheytt.

Gute Einfälle sind gefragt. Hannover immerhin kann innerhalb der Bewerberrunde mit einer hübschen Idee glänzen. Melanie Botzki und Benedikt Poensgen, die sich im Kulturbüro der Stadt um die Bewerbung Hannovers kümmern, hatten sich für das Forum etwas Besonderes einfallen lassen. Die Bewerberstädte waren aufgefordert, Plakate zu entwerfen, auf denen Gründe für ihre Bewerbung erkennbar sein sollten. Die meisten liefern Mittelmaß. Hannover aber macht mit Nichts auf sich aufmerksam. Das Hannover-Plakat ist weiß - bis auf eine Zeile am unteren Rand und den Titel: „Hannover hat nichts“. Erstmal ein Hingucker.

Am Ende hat Hannover natürlich doch etwas: Kleine UV-Lampen hängen oben am Rahmen, mit denen kann man die weiße Fläche beleuchten, dann erfährt man etwas über Hannover und seine Kultur. Schön. So ein Plakat bleibt in Erinnerung.

Frische Ideen haben, originell und unverwechselbar sein - das ist wichtig für eine Bewerbung. Kulturberater Scheytt berichtete von der Bewerbung für Essen und das Ruhrgebiet 2010. Die Kreativen aus seinem Team haben ein Plakat entworfen, auf dem „Holzwickede, Sprockhövel, Neukirchen-Vluyn: Allein die Namen sind schon Kunst“ stand. Und: „Wo das geht, geht alles“. Das Plakat wurde nur in den genannten Orten aufgehängt. Kosten: 6000 Euro. Aber die Medien berichteten. Und das Kulturhauptstadtsprojekt bekam überregionale Werbung gratis. Einen sehr großen Mitarbeiterstab brauche man für so etwas nicht, sagt Scheytt. Wichtiger sei es, „kluge Köpfe einzusetzen, die wiederum andere kluge Köpfe bewegen“.

Und am Ende komme es vor allem darauf an, die Jury zu überzeugen. Scheytt berichtet, dass er damals aus seinem Team eine Person abgestellt habe, deren einzige Beschäftigung es gewesen sei, die Publikationen der Jurymitglieder zu sichten. Scheytts Rat: „Befindet sich in der Jury niemand, der sich für Tanztheater interessiert, hat es keinen Sinn, die Jury mit Tanztheater überzeugen zu wollen.“

Die zwingenden Themen

Wichtig sei es, auf die großen Themen einzugehen, die bei einer Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt zwingend sind: Nachhaltigkeit, Partizipation und der europäische Gedanke.

Das dürfte nicht allzu kompliziert umzusetzen sein. Schließlich gibt es heutzutage in Deutschland kaum noch Anträge für Kulturprojekte, in denen nicht von Nachhaltigkeit, Partizipation oder dem europäischen Gedanken die Rede ist. Die Frage ist nur, ob diese Trias im Entscheidungsjahr 2020 noch das heutige Gewicht haben wird, das sie heute hat. Und ob die Neigung von Kulturschaffenden, eine Widerstandshaltung zum Bestehenden einzunehmen und Neues zu entwickeln, nicht ganz anderes wichtig werden lässt.

Darüber wäre dann wohl beim nächsten Kulturhauptstadtforum zu diskutieren. Es findet vom 21. bis 23. September in Dresden statt.

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