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Kultur Barockes Strahlen
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21:25 16.12.2013
Von Jutta Rinas
Schlägt große Bögen: Die Cellistin Sol Gabetta bei der Probe für ihren Auftritt im großen Sendesaal. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Sie trägt die Sonne im Namen - und lässt sie mit ihrem glutvollen Spiel immer wieder auch in Hannovers Konzertsälen erstrahlen. Sol Gabetta, Ausnahmecellistin aus Argentinien, sorgte bereits 2005, ein Jahr nach ihrem internationalen Durchbruch mit ihrem Debüt bei den Wiener Philharmonikern, in Hannover für Aufsehen. Seitdem war sie mit den unterschiedlichsten Programmen in der Landeshauptstadt zu Gast: mit großen romantischen Cellokonzerten wie dem von Edward Elgar genauso wie bei kammermusikalischen Abenden mit Werken von Mendelssohn oder Ginastera.

Zum zweiten Mal nach 2007 hatte die schöne Cellistin jetzt Vivaldi im Gepäck. Im Großen NDR-Sendesaal spielte sie (auch diesmal - wie so häufig - in einem Abendkleid mit aufregendem Rückendekolleté) mit ihrer Cappella Gabetta (Konzertmeister ist ihr Bruder Andrés) Stücke aus Barock und Frühklassik. Zu einem guten Teil sind sie auch auf ihrer neuen CD „Il Progetto Vivaldi 3“ enthalten.

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Dass Sol Gabettas Interpretationen auch in der Welt der alten Musik noch von der Erfahrung mit der klassisch-romantischen Konzertliteratur leben, war besonders deutlich im C-Dur-Konzert von Giovanni Benedetto Platti WD 646 zu hören. Gabetta hatte das Konzert, wie auch schon andere Werke des barocken Oboenvirtuosen und Komponisten, in der Notenbibliothek des Grafen Rudolf Franz Erwein von Schönborn (1677-1754) entdeckt. Der spielte selbst Cello und sammelte Noten für sein Instrument, auch deshalb, weil sie damals eher rar waren. Das Cello begann sich zu von Schönborns Zeit gerade erst als Soloinstrument zu etablieren, seine Zeitgenossen waren noch eher die Gambe gewöhnt.

Gabetta schlug vor allem im zweiten Satz Plattis mit ausladenden Gesten große Bögen, gestaltete den Fluss der Melodien druckvoll und sehr expressiv. Im dritten, hochvirtuosen Satz jagte sie einem Orkan gleich durch die Partitur und scheute dabei auch keine Schroff- und Rauheiten im Ton. Mit dem G-Dur-Konzert für Violoncello von Fortunato Chelleri, einem Zeitgenossen von Platti und Kapellmeister in der Würzburger Hofkapelle, konnten die Zuhörer im ausverkauften Großen NDR-Sendesaal nach der Pause eine Weltersteinspielung bestaunen, die Noten dafür hat Sol Gabetta ebenfalls in der Bibliothek des Grafen von Schönborn gefunden.

Nicht Chelleri, sondern Vivaldis berühmtes Konzert für zwei Mandolinen in G-Dur RV532 wurde dann aber das Glanzlicht dieses Pro-Musica-Konzertes. Sol Gabetta und ihr Bruder Andrés haben Vivaldis Komposition für ihr CD-Projekt neu für Geige, Cello und Orchester eingerichtet. Vor allem dem zweiten Satz mit seinem durchgehenden Pizzikato und einer Spielkultur irgendwo zwischen Luft- und Leichtigkeit verliehen sie einen ganz eigenen Reiz. Sol Gabetta und ihre Cappella zeigten hier auch eindrucksvoll, dass zwischen Forte und Piano eben nicht nur Mezzopiano und -forte, sondern ganze Welten liegen können - und sorgten mit einem kaum hörbaren Pianissimo für atemlose Stille im Saal.

Mit einem hinreißenden „Winter“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ und dem noch einmal zugegebenen, federleicht schwingenden dritten Satz aus Vivaldis Mandolinenkonzert in G-Dur RV532 lösten sie in so manchem begeistert applaudierenden Zuhörer sichtbar den Wunsch nach baldigem Wiederhören aus.

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