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Kultur Liebe ist zeitlos
Nachrichten Kultur Liebe ist zeitlos
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07:36 11.05.2015
Party mit Korbgarantie: Sommernacht in der Turnhalle. Quelle: Isabel Machado Rios
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Hannover

Das Orchester im Treppenhaus ist für Ungewöhnlichkeiten bekannt. „Eine ganz klassische Fete“ hatte Dirigent Thomas Posth unter dem Motto „Sommernachtsturnen“ versprochen. Eine Verknüpfung der Komödie von Shakespeare mit zwei Jugendfilmen aus den Achtzigerjahren sollte es werden.

130 Besucher im Eingangsbereich der Tellkampfschule am Maschsee erleben auf der Treppe zur Turnhalle vier Schauspieler: Zwei Jungs wollen zwei Mädchen auf eine Party einladen. Nach Geschlechtern getrennt gehen die Gäste nach oben, mit Zwischenstopp in der jeweiligen Umkleidekabine, in der sie einen Beutel mit Kondom, Bonbon und Taschentuch erhalten - Partyutensilien. In der Turnhalle lässt eine Discokugel winzige Prismen auf den Besuchern tanzen. Die Schauspieler - Lisa Spickschen als Baby, Lisa Schwindling als Vic, Henning Nöhren als Johnny und Nicolaas van Diepen als Mathieu - schwenken Cheerleader-Pompons, während die Ouvertüre zum Sommernachtstraum erklingt.

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Im Libretto geht es um unerfüllte Liebe, Verwechslungsspielchen, Sex, ein bisschen „La Boum“ und „Dirty Dancing“. Das Orchester spielt Ouvertüre und Melodram, es folgen Filmeinspieler, zu denen Nöhren und Spickschen synchron die deutschen Dialoge liefern. Im Publikum wird gekichert, wenn die beiden die Kussgeräusche überdrehen. Dann schnulzt das Orchester „Dreams Are My Reality“ - die Älteren werden sich mit Grausen erinnern. Nach einer Minute geht es gottlob in das Scherzo des Sommernachtstraums über.

Van Diepen wird zu Zettel, dem Weber, der von Puck, dem Kobold, in einen Esel verwandelt wird. Es folgt „Time of My Life“, das berühmte Duett von Bill Medley und Jennifer Warnes. Nöhren und Spickschen singen ganz anständig, ihre Mimik hingegen ist großartig. Während sie hoch über dem Boden in Ringen schaukeln - Sommernachtsturnen eben -, spielt das Orchester das Elfenlied, den Tanz der Rüpel und die Nocturne. Wirr? Und wie. Aber die verstohlen-grinsenden Akteure zeigen, dass sie Spaß daran haben, ihre Grenzen neu zu entdecken.

Sogar von außen werden die vergnügten Besucher bespielt: Mit Lampen ausgestattet irrlichtert das Schauspielerquartett vor der Schule herum, lugt durch die Fenster der Turnhalle - mit etwas Fantasie kann man sich vorstellen, dass sich Hänsel und Gretel im finsteren Wald verlaufen haben. Die hätte Volker Bürger in seiner Inszenierung auch noch irgendwie unterbringen können.

Der komplex-bizarre Abend endet wie so oft bei Auftritten des Orchesters mit Trampeln, Jubeln und begeisterten Pfiffen. Wohl niemand hat auf Anhieb alles verstanden. Aber darum geht es nicht. Es geht um Liebe und Sehnsucht. Das versteht jeder. Auch heute Abend.

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