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Kultur Sophie Hunger im Schauspielhaus Hannover
Nachrichten Kultur Sophie Hunger im Schauspielhaus Hannover
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06:15 19.11.2012
Von Hannah Suppa
Sophie Hunger Quelle: dpa (Archiv)
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Hannover

Der letzte Ton hallt noch nach, da entwischt ihr ein freudiger Seufzer. Das war gut gerade, sie weiß das, spürt das. Sophie Hunger steht am Mikrofon, schaut rüber zu ihrem Musiker Aléxis Anérilles. Seine Piano-Improvisation zum Song „Das Neue“ hatte sie gerade in Trance versetzt - und das Publikum im ausverkauften Schauspielhaus gleich mit.

Musik sei das Einzige, was sie glücklich mache, hat die 29-jährige Schweizerin mal in einem Interview gesagt. Die Endorphine, die die Töne der Trompete, des Schlagzeugs, Cellos und ihrer eigenen Stimme freisetzen, sind Sophie Hunger ins Gesicht geschrieben. Zwölf Instrumente haben sie und ihre vier Musiker mitgebracht, jeder spielt alles, wechselt von Piano zu Posaune und zurück.

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Reden indes ist nicht so ihres. Nach fünf Songs begrüßt Hunger das Publikum dann aber doch: „Letztes Mal hat’s anders ausgesehen“, sagt sie. Pause. „Mehr industriell.“ Sie meint vergangenes Jahr, im Ballhof. Jetzt ist das große Schauspielhaus restlos ausverkauft. Vor der Tür hatten einige bis zur letzten Minute versucht, doch noch eine Karte zu bekommen. Das heißt auch: Die Schweizerin ist längst kein Geheimtipp mehr.

Diesmal ist sie mit ihrem neuen Album „The Danger of Light“ gekommen, wieder einem Kleinod an Songkunstwerken. Wie bei den Vorgängeralben „1983“ und „Monday’s Ghost“ bewegt sie sich musikalisch in verschiedenen Welten. Die reisegewohnte und sprachgewandte Diplomatentochter ist auch musikalisch eine Grenzgängerin. Mal Jazz, mal Rock’n’Roll, Folk, Pop, Chansons, es hört sich organisch an.

Was auch immer sie mit ihrer Stimme anstellt, es ist bemerkenswert unaufgeregt. Die beeindruckende Tiefe klingt auf der Theaterbühne noch dichter als auf dem Album, wo alles so ausgefeilt arrangiert ist. Live kann sie ausbrechen, improvisieren, Töne mal nach oben anstatt nach unten wandern lassen. Sie singt von Revolution, Ausbruch, Neuanfängen, Kriegsheimkehrern. Und von der Freiheitsstatue. Wie die sich wohl so fühle dort, Symbol der Freiheit und doch gefangen. Um das mit Lichterketten geschmückte Mikrofon steht Hunger mit ihren Musikern und singt auf Schweizerdeutsch „Z’Lied vor Freiheitsstatue“. Es soll der Abschluss sein. Und ist doch nur Einleitung für vier weitere Zugabe-Sets. Hannover will sie nicht gehen lassen.

Jutta Rinas 16.11.2012
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