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Kultur Spielfilm über „Kannibalen von Rotenburg“ darf gezeigt werden
Nachrichten Kultur Spielfilm über „Kannibalen von Rotenburg“ darf gezeigt werden
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16:43 26.05.2009
Der verurteilte Mörder Armin Meiwes, der als „Kannibale von Rotenburg“ bekannt wurde, hatte gegen den Film geklagt. Quelle: Thomas Lohnes/ddp
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Nach der Revision des verurteilten Mörders Armin Meiwes, der als „Kannibale von Rotenburg“ bekannt wurde, hob der für Persönlichkeitsrechte zuständige VI. Zivilsenat in Karlsruhe das Berufungsurteil auf und wies die Klage ab.

Zwar könne der Film den Verurteilten erheblich belasten, weil er die Tat auf stark emotionalisierende Weise erneut in Erinnerung rufe. Bei der Abwägung zwischen den Klägerrechten und der zugunsten der Filmfirma streitenden Kunst- und Filmfreiheit müsse das Persönlichkeitsrecht Meiwes jedoch zurückstehen, begründeten die Richter ihre Entscheidung. Zudem bestehe an der Tat ein öffentliches Informationsinteresse.

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Der Spielfilm enthalte „keine Verfremdungen oder Entstellungen“ und stelle den Achtungsanspruch des Klägers als Mensch nicht in Frage, urteilte der BGH. Zwar berührten die Darstellungen den besonders schutzwürdigen Kern der Privatsphäre des Klägers. Weil diese Informationen sich unmittelbar auf die Tat und die Person des Täters bezögen, dürften aber auch solche Details geschildert werden. Überdies seien sämtliche Einzelheiten der Öffentlichkeit auch durch Mitwirkung des Verurteilten bereits bekannt gewesen.

Der Mörder hatte sich in der Vorinstanz vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main erfolgreich gegen die Aufführung des Psychothrillers gewehrt. Die verantwortliche US-Filmfirma legte vor dem BGH Einspruch dagegen ein.

Nach BGH-Angaben gibt der Film die Lebensgeschichte des Täters und den realen Tathergang „nahezu detailgetreu“ wieder. Der als „Real-Horrorfilm“ beworbene Film sollte ursprünglich im März 2006 in die Kinos kommen.

Meiwes hatte im Frühjahr 2001 in seinem Haus im hessischen Rotenburg einen 43-jährigen Mann aus Berlin mit dessen Einwilligung entmannt, getötet, die Leiche zerlegt und später teilweise verspeist. In einem ersten Prozess war Meiwes Anfang 2004 wegen Totschlags zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Zwei Jahre später wandelte das Frankfurter Landgericht das Urteil in eine lebenslange Haftstrafe um.

ddp

Ronald Meyer-Arlt 25.05.2009