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Kultur Das gibt es 2018 im Sprengel Museum zu sehen
Nachrichten Kultur Das gibt es 2018 im Sprengel Museum zu sehen
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16:39 12.12.2017
Sichtbarer Neuzugang: „Twister“ von Alice Aycock steht als Leihgabe der Hannover-Rück-Stiftung seit 2016 vor dem Sprengel-Museum. Quelle: Holger Hollemann
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Hannover

 Auf den ersten Blick scheint Reinhard Spieler die Wand anzulächeln, doch tatsächlich gilt der Gesichtsausdruck des Direktors den Kameras der Fotografen, die ihn kurz vorm Start seiner Jahrespressekonferenz ablichten. Bei deren Auftakt begründet er seine sichtlich gute Laune denn auch damit, dass die Erfolge des Sprengel-Museums dafür genug Gründe böten – mit Blick auf das laufende Jahr ebenso wie auf die Pläne für 2018. 

Mit dem Rückenwind der Auszeichnung „Museum des Jahres 2017“ blickt das Sprengel-Museum in das kommende Jahr. Mit vier großen Ausstellungen will das Haus am Maschsee Akzente im Bereich der Fotografie, der Moderne und der zeitgenössischen Malerei setzen.

Zur Erfolgsbilanz des Hauses rechnet Spieler neben der Würdigung als „Museum des Jahres“ auch die Besucherzahlen: Bislang habe das Sprengel-Museum 153.000 Kunstinteressierte angelockt, und er sei zuversichtlich, zum Jahreswechsel noch die Besucherzahl 165.000 zu erreichen. Das wäre weniger als 2015 (170.000), aber mehr als 2016 (150.000), als das Haus umbaubedingt bis Juni weitgehend geschlossen war. Baumaßnahmen dürften freilich auch im nächsten Jahr eine Hürde für gute Publikumsresonanz sein, weil ab Juni 2018 eine teilweise Schließung wegen der Brandschutzsanierung des Altbaus bevorsteht. 

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Gemeinsam mit seinem Team will er solchen Widrigkeiten trotzen - durch die Präsentation neuer, eigens für die Ausstellung geschaffener Kunst, durch die weitere Auseinandersetzung mit der Sammlung des Hauses sowie, im 100. Jahr des Frauenwahlrechts in Deutschland, durch einen spezifisch weiblichen Blick von und auf Künstlerinnen, Kunst und Gesellschaft: 

Fotografische Impulse von Rineke DijkstraDie niederländische Porträtfotografin, Trägerin des zum zehnten Mal vergebenen renommierten Spectrum-Preises der Stiftung Niedersachsen, zeichnet sich durch einen genaues Gespür für den authentischen Augenblick aus, in dem sie auf den Auslöser drückt. Für ihre Ausstellung „Figuren“ im Sprengel-Museum plant sie nach den Worten von Fotokurator Stefan Gronert eine Konfrontation mit Werken von Max Beckmann, Alexej von Jawlensky und anderen aus der Sammlung des Hauses (27. Januar bis 6. Mai 2018).

Neue Kunstwerke von Theaster GatesDer Performance- und Installationskünstler, der durch seine künstlerischen Interventionen in Armutsvierteln seiner Heimatstadt Chicago bekannt wurde und 2018 den Kurt-Schwitters-Preises der Sparkassenstiftung erhält, will im Skulpturenhof und einem Teil der Oberen Sammlung des Sprengel-Museums eine Arbeit rund um das beziehungsreiche Thema der Schwarzen Madonna errichten und lässt sich dafür gleichfalls von Sammlungsbeständen, etwa der Lehmbruch, Skulptur „Mutter und Kind“ (1918) inspirieren (23. Mai bis 2. September). 

Zwei Solitäre der Moderne: Bereits seit den Achtzigerjahren mit mehr als 2000 Werken in der Sammlung des Museums präsent sind Ella Bergmann-Michel (1895-1971) und Robert Michel (1897-1983), deren Werke unter dem Titel „Ein Künstlerpaar der Moderne“ eine Werkschau widmet. Das Paar, das Kontakt zum Bauhaus, aber auch zu Kurt Schwitters und Herbert von Garvens in Hannover hatte, zählt nach den Worten von Kuratorin Karin Orchard zu den Solitären der Moderne, die in keine der gängigen Kunst-Schubladen passen. (26. Mai bis 2. September)

Werkschau Fiorentina Pakosta: Die erste Einzelausstellung der österreichischen Malerin in Deutschland präsentiert deren Auseinandersetzung mit männlichen Grimassen und Überlegenheitsgesten, die sie in surrealistischer Tradition malt, aber auch ihre eher ornamentale Malereien zu Konsum- und Massengesellschaft sowie die abstrakten Entwürfe der 86-jährigen Künstlerin (22. September bis 13. Januar 2019)

Drei Frauen, zwei Männer in den fünf großen Ausstellungen: Darin liegt schon ein stärker weiblicher Blickwinkel. Hinzu kommt eine Lesereihe zu Frauenschicksalen in der Kunst, die im Herbst startet – aus Anlass des am 12. November 1918 gesetzlich verankerten Frauenwahlrechts in Deutschland. Und immer wieder eine Auseinandersetzung mit den Traditionen des Hauses – durch aktuelle Künstler oder auch durch Kuratoren. Dazu zählt auch eine Gegenüberstellung von Fotografen, die im nächsten Jahr 80 Jahre alt werden, mit jungen Repräsentanten künstlerischer Fotografie („1939. Geburtstagsfest mit Gästen“, 10. März bis 3. Juni). Die Kuratorin Lisa Felicitas Mattheis fördert aus dem Bestand von Werken des bislang vor allem als Konstruktivisten bekannten Rudolf Jahns eine Reihe von figurativen Arbeiten zutage („Rudolf Jahns: Zuflucht Landschaft“, 7. Februar bis 15. April). Und die Ausstellung „Fake News“ befasst sich ab Februar mit den Strategien von Kunstfälschern. Auch darin liegt übrigens eine Selbstreflexion des  Sprengel-Museums: Immerhin gehören zum Bestand des Hauses am Maschsee neben echten Beckmanns und Giacomettis auch Fälschungen, die diesen beiden Künstlern irrtümlich zugeschrieben wurden. 

Teilweise Schließung ab Juni 2018

Der größte Teil der Oberen Sammlung des Museums wird im Juni 2018 geschlossen, damit im Depot und in der Werkstatt des Altbaus eine Brandschutzsanierung beginnen kann. Nach den Worten von Museumschef Reinhard Spieler werden in der Oberen Sammlung von Juni bis „wahrscheinlich Ende 2019“ die Bestände aus Depot und Werkstatt gelagert. Später müssen auch die Räume des „Kosmos Schwitters“ und der Fotografieabteilung geräumt werden, um die Brandschutzsanierung dort fortzusetzen. Spieler rechnet damit, dass sich die Arbeiten bis 2021 hinziehen werden, auch weil die Kosten dafür erst noch in die jeweiligen Haushalte der Stadt eingestellt werden müssen. Der Aufwand war freilich absehbar, denn erforderlich ist die Brandschutzsanierung, weil mit der Museumserweiterung der Bestandsschutz hinfällig geworden ist. Kalkuliert worden sei ursprünglich mit 4,5 Millionen Euro Kosten, diese Summe sei aber bereits überschritten. 

Von Daniel Alexander Schacht

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