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Kultur „Eine neue Umlaufbahn für die Kunst“
Nachrichten Kultur „Eine neue Umlaufbahn für die Kunst“
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00:15 21.11.2013
Von Daniel Alexander Schacht
Das Sprengel Museum im Modell: "Eine neue Umlaufbahn für die Kunst". Quelle: Michael Thomas
Hannover

Über das Aussehen des Sprengel-Neubaus ist viel gestritten worden. Freuen Sie sich trotzdem darauf?

Auf jeden Fall. Die neue Fassade wird mit Sicherheit von großer signifikanter Eleganz sein, genauso wie es dem Inhalt des Sprengel Museums Hannover entspricht. Da vertraue ich der Qualität und der Ernsthaftigkeit der Architekten Meili und Peter. Im Übrigen, wer immer nur das erwartet, was er schon kennt, liegt in der Architektur meistens genauso falsch wie in der Kunst.

Ohne Margrit und Bernhard Sprengel kein Sprengel Museum. Wie kam es zur Kunstsammlung Ihrer Eltern?

Das ist eine schöne Geschichte. Es begann 1937 auf ihrer Hochzeitsreise, als sie in München die Ausstellung „Entartete Kunst“ besuchten. Die hat bei ihnen eingeschlagen wie ein Blitz, ein doppelter „coup de foudre“ also. Unmittelbar danach haben sie bei dem Kunsthändler Franke in München ihr erstes Nolde-Aquarell gekauft. Im Hinterzimmer – für Händler und Käufer nicht ganz ungefährlich.

Die Moden der Museumsarchitektur wechseln, die Ziele bleiben: Öffnung, Barrierefreiheit, Niedrigschwelligkeit.

Was empfinden Sie dabei, dass der Name Sprengel nach dem Münchener Kunstfund jetzt in den Medien bisweilen im Zusammenhang mit dem Ausverkauf moderner Kunst durch die Nazis fällt?

Ich stelle mir vor, was mit einigen der  Schätze hätte passieren können, die jetzt im Sprengel Museum Hannover hängen. So selbstverständlich war es damals ja nicht, dass es sich da um ganz große Kunst handelte. Das vergessen wir heute leicht. Meine Eltern haben es im Nachhinein als großes Glück empfunden, die Qualität der Kunst ihrer Zeit erkannt zu haben und das Risiko eingegangen zu sein, sie durch Erwerb dem Zugriff der Schergen zu entziehen. Meine Eltern verband eine enge Freundschaft mit Ada und Emil Nolde. Deshalb versteckte mein Vater ein riesiges Konvolut von Noldes Arbeiten, die er ihm unversehrt zurück-geben konnte, als die Gefahr vorbei war. Bei meinen Eltern war damals der Gedanke sehr stark, die verachtete Kunst vor der Zerstreuung oder Vernichtung zu bewahren. So war es nur konsequent, dass sie diese Werke in ihrer Sammlung zusammen mit allem, was sie dann später nach 1945 erwerben konnten, ja auch 1969 der Stadt Hannover schenkten und somit der Öffentlichkeit zugänglich machten.

Wie war das, so inmitten von Kunst und Künstlern aufzuwachsen?

Normal! Dass es das ganz und gar nicht war, merke ich eigentlich erst heute, wenn ich durchs Museum gehe ...

Der Grundstock fürs Sprengel Museum war die Schenkung der Sammlung 1969. Danach haben Ihre Eltern dem Museum weitere Exponate als Leihgaben überlasse.  Wieso dieser Strategiewechsel?

Nach der Schenkung machte mein Vater auf dem Weg zum Museumsbau nicht so gute Erfahrungen mit der Politik. Deshalb schien es ihm ratsam, sich unabhängig zu machen. Er gründete 1982 eine Stiftung für die 47 nach 1969 gesammelten Kunstwerke mit der Maßgabe, sie als Leihgabe „bevorzugt“ dem Sprengel Museum Hannover zur Verfügung zu stellen. Heute heißt diese Stiftung Kunststiftung Bernhard Sprengel und Freunde.

Durch die jahrzehntelange Tätigkeit des Museums ist das längst ein Mehrgenerationenprojekt. Wie erreicht man junges Publikum, wie junge Künstler?

Das gelingt zum einen bereits seit 1980 mit der „Fangemeinde“, dem Verein der Freunde des Sprengel Museum Hannover, zu dem sprengels.net und die Jungen Freunde gehören, und der sich immer wieder verjüngt – in dem Zusammenhang bin ich auch froh, mit Stefan Becker einen jüngeren engagierten Nachfolger für den Vorsitz des Vereins zu haben.

Und welche Rolle spielt die Kunststiftung Bernhard Sprengel und Freunde dabei?

Sie ist für die Verjüngung der Kunst entscheidend wichtig, besonders da es heute keinen Ankaufsetat für das Museum mehr gibt. Sie schreibt die Kunstgeschichte fort, indem sie besonders die aktuellen Erwerbungen des Vereins der Freunde des Sprengel Museum Hannover aufnimmt, die sie dem Museum als Leihgabe zur Verfügung stellt. Die Kunststiftung ist auch eine Adresse für Schenkungen und für Zustifter, die an moderner Kunst interessiert sind oder selber sammeln, die aber den Aufwand einer eigenen Stiftungsgründung scheuen.

Eine Gelddruckmaschine für die Kunst?

Leider nein. Die Kunststiftung setzt aber in gewisser Weise das Mäzenatentum von Margrit und Bernhard Sprengel fort, indem sie Museumsfreunde und Spender zusammenbringt.

Was versprechen Sie sich vom Inneren des Erweiterungsbaus? Eine bessere, größere, andere Präsentation der Sammlung?

Durch die neuen Räume können Abläufe verbessert, Stiftungszusammenhänge besser sichtbar gemacht und Werkgruppen neu entdeckt werden. Es wird ein großer Rundgang durchs Museum möglich, sozusagen eine neue Umlaufbahn für die Kunst. Kurz, es wird nach und nach die Sammlung und der ganze Bestand des Museums zu sehen sein – eine Fülle an Qualität, die begeistern wird. Reinhard Spieler, der neue Direktor, ist voller Elan und Vorfreude auf die Schätze, die noch zu heben sind. Und ich mit ihm!

Angela Kriesel

... wurde 1945 in Göttingen geboren. Sie studierte Anglistik und Romanistik in Heidelberg und Mannheim, mit dem Schwerpunkt Literatur. Zudem verbrachte sie Auslandsaufenthalte in Frankreich, England und Kenia. Seit 1972 setzt sie Projekte für Kunst und Künstler in Darmstadt um. 1980 war sie Mitbegründerin des Vereins der Freunde des Sprengel Museums Hannover. 1982 folgte die Übersiedlung nach Hannover und seit 1986 ist sie Vorsitzende des Vereins. Sie ist Vorstandsmitglied der Kunststiftung Bernhard Sprengel und Freunde. Diese hat soeben eine Broschüre über die Aktivitäten der Stiftung publiziert. Mit zahlreichen Bildern und in kurzen Texten wird darin ein Überblick über die Aktivitäten der Stiftung geboten – und über die Werke, die als Dauerleihgaben im Sprengel Museum sind. Die Broschüre kann unter (0 511) 8 60 55 88 kostenlos bestellt werden.

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