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Kultur Sprengel-Museum widmet Ausstellung dem Thema Pferd
Nachrichten Kultur Sprengel-Museum widmet Ausstellung dem Thema Pferd
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02:15 26.01.2017
Von Daniel Alexander Schacht
Opfer Pferd, Partner Pferd: Enzo Cucchis „Atem des Pferdes“(1982, oben) und Marc Chagalls „Dschullanâr, die Meermaid und ihr Sohn, der König Badr Bâsim von Persien“ (1948, unten).
Opfer Pferd, Partner Pferd: Enzo Cucchis „Atem des Pferdes“(1982, oben) und Marc Chagalls „Dschullanâr, die Meermaid und ihr Sohn, der König Badr Bâsim von Persien“ (1948, unten).
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Hannover

Wie wohlig geborgen schmiegt sich die meergeborene Dschullanâr an den Rücken eines strahlend roten und merkwürdig aufmerksam blickenden Pferdes. Das ist zwar nur zweibeinig, doch dafür gleich vierfach geflügelt, ein Pegasus also, ein ebenso wundersames wie wandlungsfähiges Zaubertier. So zeigt Marc Chagall 1948 in seinen Illustrationen zu den Märchenfiguren aus „Tausendundeiner Nacht“ das Pferd - ein Tier, das eher souveräner Schutz denn folgsamer Diener des Menschen, das ebenso Mythos wie Chimäre ist.

„Das Glück der Erde“: Das Sprengel-Museum widmet eine Schau in der Grafikabteilung dem Thema Pferd.

Ausstellungsdetails

Ausstellungsdetails: „Das Glück der Erde … Zossen, Rösser, Pferde in der modernen Kunst“. 25. Januar bis 23. April im Sprengel-Museum, Kurt-Schwitters-Platz.Die Lithographie des polnisch-französischen Malerpoeten ist jetzt im Sprengel-Museum zu sehen - im ersten von vier Räumen einer Kunstschau zur Darstellung des Pferdes, der denn auch „Mythos und Chimäre“ betitelt ist. So startet „Das Glück der Erde“, eine Ausstellung in den Grafiksälen des Hauses, der anzumerken ist, das ihre Kuratorin Karin Orchard sich nicht nur in der Kunstgeschichte im Allgemeinen, sondern auch mit Pferden im Besonderen auskennt.

Partner in Augenhöhe

Mehr als 600 Werke mit Pferdemotiven hat sie vor allem in der Grafikabteilung durchmustert, 120 Werke aus der Sammlung des Museums sind nun in der Ausstellung zu sehen - keineswegs nur aus dem Grafikbestand, sondern auch Malerei und Skulpturen, Foto- und Videoarbeiten. „Das Pferd“, sagte Museumschef Reinhard Spieler bei der Präsentation der Ausstellung, „hat in der Menschheitsgeschichte eine wichtige Rolle gespielt und ist auch aus der Kunstgeschichte nicht wegzudenken - und es war da stets nicht nur Macht- und Gewaltsymbol, sondern ist früh auch als Partner in Augenhöhe und nicht selten als Alter Ego erlebt worden.“

Mit derart vermenschlichten Tiervisionen startet die Ausstellung, und den Auftakt bilden neben den Chagall-Lithos etwa Werke von Emil Nolde, Franz Marc und Pablo Picasso. Im zweiten Saal folgen unter dem Titel „Der kentaurische Pakt“ Bilder vom Pferd als Nutztier, ob als Zirkusattraktion in Fernand Legérs „Cirque“ (1950), in der Landwirtschaft oder im Militär. Der „Pferdehölle“ widmet sich der nächste Raum, der vor allem das Pferd als Kriegsopfer zeigt. „Im Ersten Weltkrieg sind 1,8 Millionen Pferde gestorben“, sagt Karin Orchard, „im Zweiten Weltkrieg zählten auch 2,7 Millionen Pferde zu den Kriegstoten.“ Otto Dix hat dies schon 1924 in seiner Mappe „Der Krieg“ mit der Kaltnadelradierung „Pferdekadaver“ zum Thema gemacht, Enzo Cucchi zeigt 1982 mit „Respiro del Cavallo“ den Atem des Pferdes über einem Gräberfeld. Im vierten Raum geht es dann um das Pferd als Sport- und Freizeittier und seine Ablösung als Transportmittel durch Eisenbahn und Automobil - sinnbildlich in einer Arbeit von Thomas Bayrle, die unter dem Titel „VW“ (1969) einen aus lauter kleinen Autos zusammengesetzten VW-Käfer zeigt.

Stillstand statt Bewegung

Man merkt: Pferde haben Menschen nicht nur lange Zeit von Ort zu Ort bewegt, ihre Stärken sind bis heute bewegende Motive künstlerischer Aktivität. Deren höchst unterschiedliche Resultate führt Andreas Paul Weber sogar in einem einzigen Bild zusammen - und zitiert darin Zeichenstile von Honore Daumier über Franz Marc bis zu Pablo Picasso, dessen panisches Pferd aus dem „Guernica“-Gemälde im Zentrum von Webers Litho „Pferde“ (1957) steht.

Dass die Liebe zu Pferden statt zu Bewegung auch zur Erstarrung führen kann, demonstriert übrigens ein fotorealistisches Ölgemälde von Richard McLean am Eingang der Ausstellung: „Powder River Green“ (1973) zeigt vier Reiterinnen, die in einheitlichen Kostümen für den Betrachter posieren - ein Bild aus dem Mittleren Westen der USA, das körperlichen und sozialen Stillstand zugleich dokumentiert. Ein fast schon ironischer Kommentar zu dem Freiheitsversprechen, das Chagall mit seinen Pferdevisionen verknüpft.

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