Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Staatsorchester präsentiert Bruckners 5. Sinfonie
Nachrichten Kultur Staatsorchester präsentiert Bruckners 5. Sinfonie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:18 17.04.2012
Von Rainer Wagner
Foto: In der hannoverschen Staatsoper präsentierte das Niedersächsische Staatsorchester Bruckners 5. Sinfonie.
In der hannoverschen Staatsoper präsentierte das Niedersächsische Staatsorchester Bruckners 5. Sinfonie. Quelle: Archivfoto
Anzeige
Hannover

Das Schicksal pocht hier nicht an der Schicksalspforte, es zupft am Mantel der Geschichte. Die Kontrabässe und die Celli tupfen die B-Dur-Grundierung, dann stimmen die Streicher ihren Gesang an, ehe die Blechbläser schwungvoll auftreten und ihren ersten Choral anstimmen. Dabei bleibt es nicht in Anton Bruckners 5. Sinfonie, denn zwei weitere der vier Sätze beginnen mit gezupften Streicherklängen. Im Adagio allerdings sind alle Streicher gemeinsam am Werk - sehr leise, sehr geheimnisvoll. Das Finale rekapituliert dann den Pizzicato-Beginn der Sinfonie und verliert sich am Ende fast im Choraljubel.

Das Niedersächsische Staatsorchester bleibt dem bei seinem gut besuchten, aber nicht ausverkauften Konzert nichts schuldig. Gastdirigent Gabriel Feltz sorgt dafür, dass es in der Staatsoper nicht zu theatralisch wird und beweist, dass der Kurs auch bei gespreizteren Tempi nicht aus dem Ruder laufen muss. Feltz liegt die horizontale Taktvorgabe mehr als das vertikale Nachmodellieren von Melodiebögen. Er ist kein Vortänzer und kein Nachempfinder, sondern ein sorgsamer Weichensteller.

Statt der versprochenen eineinviertel Stunden Spieldauer (die übrigens Michael Gielen bei einem Konzertmitschnitt auf CD noch unterbietet), sind es am Ende dann doch fast anderthalb Stunden, doch länglich wirkt das nie - ganz im Gegensatz etwa zur Einspielung von Christian Thielemann, der mit den Münchner Philharmonikern vor dieser Sinfonie in die Knie geht.

Man hat Bruckners Fünfte als „Choralsinfonie“ bezeichnet, hat sie die „Katholische“ getauft. Bruckner selbst nannte seine B-Dur-Sinfonie mal die „Phantastische“, mal die „Mittelalterliche“ und mal sein „kontrapunktisches Meisterstück“. Mit Letzterem hat er recht.

Bruckners 5. Sinfonie ist vor allem ein Gesellenstück aus der Gelehrtenstube, eine Komposition über das Komponieren. Die Musikgeschichte dient als Steinbruch, aus dem Bruckner sein Universum zusammenfügt: Umso bemerkenswerter, dass die Interpretation, die Feltz und das Niedersächsische Staatsorchester abliefern, ganz und gar nicht schulmeisterlich wirkt.

Diese Musik zwischen Selbstsicherheit und Selbstvergewisserung will auch Reifeprüfung sein. Wie man gleichzeitig demütig und hypertroph sein kann, ist hier nachzuhören. Feltz scheut da auch vor robusten bis rabiaten Klängen nicht zurück. Manchmal herrscht Tumult im Gelehrtenhimmel. Doch Feltz und das Orchester bewahren die Übersicht, es gibt glanzvolle Solomomente (Horn, Klarinette) und klangvolle Tutti der Bläser und der Streicher nicht nur bei den Chorälen.

Und am Ende respektvollen Beifall.

Kultur Stationäre Aufnahme - Grass mit Herzproblemen in Klinik
16.04.2012
Johanna Di Blasi 16.04.2012
16.04.2012