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Kultur Status Quo und Spider Murphy Gang in der AWD-Hall
Nachrichten Kultur Status Quo und Spider Murphy Gang in der AWD-Hall
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14:11 01.11.2010
Francis Rossi von Status Quo hat in der AWD-Hall gesungen. 5000 Zuschauer waren dabei.
Francis Rossi von Status Quo Quelle: Handout
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Da stehen sie und schwenken die Gitarren. Synchron wie beim Fernsehballett. Dammdadam, Boogie, Baby, Boogie! Francis Rossi und Rick Parfitt, die letzten verbliebenen Gründungsmitglieder von Status Quo, scheinen die lebenden Karikaturen ihrer selbst zu sein. Wenn der schmächtige Rossi nicht wie ein Komiker über die Bühne wackelt und grimassierend auf seiner Telecaster soliert, steht er neben seinem häufig verbissen schauenden Gitarren- und Gesangpartner Parfitt, um im seitlichen Ausfallschritt synchron mit der Gitarre zu wackeln oder zu hüpfen.

Status Quo hat zur Party geladen, und 5000 Feierlustige sind erschienen, dem britischen Rockurgestein zu huldigen. Die Band ist – im fünften Jahrzehnt ihres Bestehens – populär, geradezu en vogue. Rossi und Parfitt wissen auch, woran das liegt: an der unverwüstlichen Marke. Und die wird gepflegt. Die Band spielt Boogie, Rock ’n’ Roll und Boogie, geradeaus, schnörkellos, pur. Zu den beiden E-Gitarren gesellen sich eine schnaufende Orgel (ganz selten mal ein quietschiger Keyboardsound) und natürlich Bass und Schlagzeug. Unaufhörlich rollt der Beat; an der Telecasterwand ist kein Vorbeikommen, die macht dicht – vielleicht ist es kein Zufall, dass 96-Innenverteidiger Emanuel „Mad Dog“ Pogatetz Status-Quo-Fan ist und den Musikern vor dem Konzert 96-Trikots überreichte.

Die Band, die zu ihren Anfängen 1962 noch „Scorpions“ hieß, holt manchen unbekannteren Song hervor, darunter das sanftere „Living on an island“ oder das knackige „Don’t drive my car“, aber es hilft nichts: Irgendwie klingen sie doch alle gleich. Und das macht ja auch den Reiz eines Status-Quo-Konzerts aus, das ist ähnlich wie bei Motörhead oder AC/DC: einmal Vollprogramm, bitte! Und bloß nicht abbiegen.

Auf der Schlussgeraden kommen dann die größten Hits: „Down down“, „In the army now“, „What you’re proposing“ (als Medley) und „Whatever you want“ lassen die Halle hüpfen; am Ende folgt das obligatorische „Rockin’ all over the world“, und alle singen mit. Manche schwenken auch synchron die Luftgitarren. Die Zugaben enden mit „Bye bye Johnny“ – Bye bye Boogie, das war’s.

Wie anders und gleichzeitig dazu passend die vorab spielende Spider Murphy Gang doch klingt. Sehr entspannt und locker turnt sich die Münchener Band durch ihre größten Erfolge, die aus den frühen achtziger Jahren stammen: „Schickeria“, „Wo bist du“, „Pfüati Gott Elisabeth“, „Ich schau’ dich an“ und natürlich „Skandal im Sperrbezirk“. Die Spider Murphy Gang macht nicht den Fehler, verbissen den Anheizer im Vorprogramm geben zu wollen. Die Band spielt ihren bajuwarischen Rock ’n’ Roll mit eleganter Lässigkeit und viel Mut zu solistischer Improvisation, was den alten Songs gut bekommt. J. J. Cale lässt grüßen, ebenso Chuck Berry. „Alles muss raus, sagt mein Psychotherapeut“, ruft Sänger Günther Sigl in die Halle – und die macht mit. Ja, im Grunde sind die Bayern die Stars des Abends. Zeigen sie doch, wie man mit dem Erbe würdig umgeht, ohne in Routine zu verfallen.

Matthias Schmidt

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