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Kultur Stefan Kaegis „China Bilder Import“
Nachrichten Kultur Stefan Kaegis „China Bilder Import“
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08:22 11.10.2014
Von Ronald Meyer-Arlt
Volkswagen, China und das Schauspielhaus: Premiere von Stefan Kaegis "Volksrepublik Volkswagen"
Volkswagen, China und das Schauspielhaus: Premiere von Stefan Kaegis "Volksrepublik Volkswagen" Quelle: Schauspielhaus Hannover
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Hannover

Hat das Schauspiel Hannover zur Erdkundestunde geladen? Irgendwie schon. Stefan Kaegi, einer der Gründer und Leiter der renommierten Theatergruppe Rimini Protokoll, ist auch gern in Soloprojekten unterwegs. Und nach seinem Projekt „Bodenprobe Kasachstan“, das vor drei Jahren im hannoverschen Ballhof Premiere hatte, orientiert er sich nun noch weiter östlich und macht China zum Thema eines Theaterabends. Aber nicht nur. Ihn interessiert nicht allein das Land, sondern auch die besondere Beziehung der Volksrepublik zum niedersächsischen Autokonzern Volkswagen. Der Text des etwa anderthalbstündigen Projekts stammt aus Interviews, die er mit deutschen VW-Mitarbeitern, die in China tätig sind, geführt hat. Es werden aber auch viele Mails vorgelesen, die die Befragten an ihre Verwandten und Freunde in Deutschland geschickt haben. Mails, in denen sie versuchen, ein fremdes Land zu erklären.

Eine Geschichte erzählt Stefan Kaegi nicht, Dramatik oder eine Handlung gibt es auch nicht, denn das würde nicht dem Arbeitsstil von Rimini Protokoll entsprechen. Erfolgreich wurde die Gruppe mit dokumentarischem Theater, mit „Experten des Alltags“, die von ihrer Arbeit, ihrem Leben, ihren Träumen berichtet haben und auch selber auf der Bühne standen. Auf der großen Bühne des Schauspielhauses aber stehen Schauspieler. Sie spielen VW-Mitarbeiter, aber sie spielen sie auch wieder nicht. Sie tragen ihre Mails vor, sprechen ihre Gedanken aus, aber sie spielen nicht miteinander. Es gibt keine Handlung, keine Dramatik, keine Zuspitzung. In dieser sehr offenen Theaterform könnte die Szenenfolge genausogut ganz anders sein.

DSie Frage, ob Schauspieler ihre Sache gut oder schlecht machen, stellt sich in solchen Arbeiten eigentlich nicht. Trotzdem: Hagen Oechel, Mathias Max Herrmann, Janko Kahle, Julia Schmalbrock und Susana Fernandes Genebra machen ihre Sache gut. Sie formen witzige, erkennbare Typen – und jeder scheint auf eine merkwürdige Art verletzt zu sein.

Aber das ist gar nicht wichtig und anders wäre es wohl auch ganz in Ordnung.

Denn dieses Theater will ja kein Spiel sein und keine Geschichte erzählen. Es will – tja was? Informieren vielleicht. Das tut es. Man erfährt allerhand über den Autobau in China und über die Fremdheitsgefühle deutscher „Expats“, die dort tätig sind. Nur hätte man das vielleicht auch alles in einschlägigen Sachbüchern nachlesen können.

Diesen Eindruck jedoch will Kaegi gar nicht erst aufkommen lassen. Deshalb versucht er mit großer Anstrengungsein Projekt als Theaterprojekt zu behaupten. Das Bühnenbild von Eva-Maria Bauer zeigt eine Autofabrik. Die geradezu entfesselt agierende Bühnentechnik leistet Erstaunliches. Karosserieteile werden herangefahren, ein Styropor-Golf in Originalgröße wird ferngelenkt über die Spielfläche manövriert, stets befindet man sich in irgendwelchen Produktionszusammenhängen. Die Theatermaschinerie ist in vollem Einsatz. Sie unterhält das Publikum. Und dafür ist auch die Gruppe von zwölf Kindern da. Sie tanzen und singen chinesische Lieder. Und sie machen das sehr charmant. Aber das ist natürlich ein alter Theatertrick. Kinder auf der Bühne funktionieren immer. Und retten fast alles.

In dieser Rimini-Protokoll-Produktion aber, die den Kern des Theaters überwinden will, wirkt das theatralische Drumherum besonders verlogen.

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