Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur „Braunschweig? Bregenwurst!“
Nachrichten Kultur „Braunschweig? Bregenwurst!“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:04 16.11.2014
Von Stefan Stosch
Der Schneepflugfahrer Nils Dickman (Stellan Skarsgård) will seinen ermordeten Sohn rächen in einer Szene des Films „Einer nach dem anderen“. Der Film kommt am 20.11.2014 in die deutschen Kinos.
Der Schneepflugfahrer Nils Dickman (Stellan Skarsgård) will seinen ermordeten Sohn rächen in einer Szene des Films „Einer nach dem anderen“. Der Film kommt am 20.11.2014 in die deutschen Kinos.  Quelle: Neue Visionen Filmverleih/dpa
Anzeige

Herr Skarsgård, jeder kennt Ihr Gesicht aus Hollywood-Blockbustern wie „Fluch der Karibik“. In Braunschweig haben Sie aber mal einen Preis für Ihre Verdienste ums europäische Kino bekommen – „Die Europa“. Erinnern Sie sich noch?
Ah, Braunschweig! Bregenwurst! Wunderbar, mit Grünkohl! Ich liebe diese Wurst.

Was haben Sie mit den 10.000 Euro Preisgeld gemacht?
Weiß ich nicht mehr. Ich glaube, ich habe Bregenwurst gekauft.

Sind Sie in Ihrem aktuellen Film „Einer nach dem anderen“ den riesigen Schneepflug eigentlich selbst gefahren, der sich in Ihren Händen in eine furchterregende Waffe gegen Mafiosi verwandelt?
Oh ja, und ich habe das Ding geliebt: mit 38 Tonnen und Höchstgeschwindigkeit in meterhohen Schnee düsen! Da wird der kleine Junge in einem lebendig. Das Ding ist beinahe wie ein Panzer, nur schneller.

Waren die Dreharbeiten bei so viel Kälte und Schnee ein Winterabenteuer?
Nein, sie waren fürchterlich. Ich bin kein Outdoor-Typ. Das Thermometer zeigte minus 30 Grad. In einigen Einstellungen sieht man, dass die Mienen der Schauspieler sich nicht bewegen, weil es so kalt war. Schrecklich war das für die Darsteller der serbischen Gang, die tagelang in schwarzen Anzügen herumlaufen mussten. Die Kollegen hatten eine harte Zeit.

Sehen Sie in Ihrer Figur, dem Vater Nils, der seinen Sohn rächt, eine Art Dirty Harry?
Nein, für mich lautete die entscheidende Frage: Warum tut Nils das? Ich spiele jemanden, dem es nicht gelingt, seine Wut und seine Verzweiflung zu kanalisieren. Er ist eingesperrt in seiner Wut. Und dann bricht die Schutzschicht der Zivilisation, und der Höhlenmensch kommt heraus. Aber ich wollte Nils auch seine Traurigkeit lassen – auch wenn der Film eine Komödie ist.

Hatten Sie Probleme mit dem vielen Blut?
Nein, Regisseur Hans Petter Moland wollte, dass die Gewalt auch wie Gewalt aussieht. Das hat er früh klargemacht. Er wollte nicht, dass man die Gewalt genießen kann. Es sollte eine witzige Komödie werden, aber bei der Gewalt hört der Spaß auf. Gewalt ist kein Spaß und auch nicht unterhaltend. Vielleicht lacht der Zuschauer noch, wenn dem ersten Bösewicht ins Gesicht geschossen wird. Aber dann geht die Gewalt immer weiter und hört einfach nicht wieder auf.
Sie treten oft in den Filmen von Lars von Trier auf. Der Skandal von Cannes, als von Trier sich provokativ als Nazi bezichtigte und vom Festival verbannt wurde, liegt drei Jahre zurück. Ist diese Geschichte für von Trier abgehakt?
Bei der Berlinale im Februar hat Lars ein T-Shirt getragen, auf dem stand unter dem Cannes-Logo: „Persona Non Grata – Official Selection“. Das war witzig, aber er musste dieses T-Shirt vorzeigen. Er ist immer noch verletzt.

Nach all der Zeit?
Ja, das Cannes-Festival hat sich nicht bei ihm entschuldigt. Was es meiner Ansicht nach tun sollte.

Warum?
Er ist kein Nazi. Jeder weiß das. Die Leute hinter dem Cannes-Festival sind Feiglinge. Sie baten ihn, sich für seinen Satz „Ich bin ein Nazi“ zu entschuldigen. Das hat er dann ja auch getan. Zwei Tage später haben sie ihn rausgeschmissen. Und dieses Festival lief unter der Überschrift „Redefreiheit“, weil ein paar iranische Regisseure dort ihre Werke präsentierten. Peinlich.

Wieso kommt von Trier in der Öffentlichkeit immer als der Böse rüber?
Ich habe sechs Filme mit ihm gemacht. Er ist ein Freund. Es gibt so viel Gerede über ihn. Manche sagen, es sei schwierig, mit ihm zu arbeiten. Nein, er ist der netteste Mensch auf Erden. Da können Sie alle fragen außer Björk. Ein Schauspieler hat viel Freiheit bei ihm, er ist so großzügig, er ist der gute Geist am Set. Klar, die Medien mögen die Idee von dem angeblich so großen Manipulator, dem dämonischen Regisseur ... Aber das ist alles Bullshit.

Interview: Stefan Stosch

Zur Person

Stellan Skarsgård ist sowohl in Europa als auch in Hollywood gefragt. Der 1951 geborene Schwede war in Lars von Triers „Nymphomaniac“ ebenso zu sehen wie in den Blockbustern „Fluch der Karibik“ und „Illuminati“. In der norwegischen Komödie „Einer nach dem anderen“ (Kinostart: 20. November) spielt er nun einen Vater, der den Tod seines Sohnes blutig rächt. Vor vier Jahren erhielt Skarsgård den Filmpreis „Europa“ – den just heute in Braunschweig sein dänischer Kollege Mads Mikkelsen entgegennimmt.

Kultur Milow singt im Capitol - Nichts als blauer Himmel
15.11.2014
Kultur Benefizauktion im Schloss Herrenhausen - Kunstwerke in Tausenderschritten
14.11.2014