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Kultur Stephan Berg will nicht ans Sprengel Museum
Nachrichten Kultur Stephan Berg will nicht ans Sprengel Museum
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20:03 03.02.2014
Von Ronald Meyer-Arlt
Ulrich Krempel (links) geht, aber wer wird kommen? Stephan Berg (hier mit Krempel bei „Made in Germany“) hat abgelehnt, neuer Chef des Sprengel Museums zu werden. Quelle: Ralf Decker
Hannover

Die Gespräche sollen in angenehmer Atmosphäre verlaufen sein, und der Kandidat lobt die „klaren, guten Verhandlungen“, die immer „sehr fair und offen“ geführt wurden - trotzdem ist am Ende nichts daraus geworden: Stephan Berg, heißester Kandidat für die Nachfolge von Ulrich Krempel als Direktor des Sprengel Museums, hat abgesagt. Ende vergangener Woche hat er mit Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil telefoniert und ihm seine Entscheidung bekannt gegeben. Er will nicht Nachfolger von Krempel werden (der 2013 seinen 65. Geburtstag feiert), sondern lieber in Bonn bleiben. Dort leitet Berg seit vier Jahren sehr erfolgreich das Kunstmuseum, und das wird er auch weiterhin tun: Gerade wurde sein Vertrag bis zum Jahr 2020 verlängert.

Bevor Berg (Jahrgang 1959) nach Bonn wechselte, leitete er den Kunstverein in Hannover. In dieser Position hat er nicht nur einige bemerkenswerte Ausstellungen in der Stadt präsentiert, sondern zusammen mit Ulrich Krempel und Veit Görner (dem Chef der Kestnergesellschaft) auch 2007 die erste Ausgabe der erfolgreichen Gemeinschaftsschau „Made in Germany“ entwickelt.

Berg hatte sich nicht in Hannover für den Posten des Sprengel-Chefs beworben, er wurde gefragt. Und dann hat er lange überlegt. Die Verhandlungen sollen sich über mehrere Monate hingezogen haben. Schließlich hat er sich für Bonn und gegen Hannover entschieden.

„Am Ende ist es eine Frage der Perspektive, die einem geboten wird“, sagte er gestern auf HAZ-Anfrage. Und die war in Hannover wohl nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte. „Das Problem ist, dass mit Erwartungen operiert wird, die angesichts der zur Verfügung stehenden Mittel nicht zu realisieren sind.“ Soll heißen: Für die Aufgaben, die Berg auf das Museum zukommen sieht, hält er dessen Etat für zu klein.

Für seine Museumsleitertätigkeit in Bonn hatte Stephan Berg 2008 einen im deutschen Museumsbetrieb eher unüblichen Intendantenvertrag ausgehandelt. Der bestimmt nicht nur das Gehalt des Museumsleiters, sondern schreibt auch andere Etats wie den Ankaufsetat, Ausstellungsetat, Marketingkapazitäten fest. Das alles war in Hannover nicht möglich. Am guten Willen der Verhandlungspartner in Hannover zweifelt Berg nicht, aber die Sicherheit, die ihm Bonn bietet, ist deutlich größer. Dort soll sein neuer Vertrag die gleichen Bedingungen enthalten wie der alte. Das heißt auch, dass die Etats für Ausstellungen und Anschaffungen bis 2020 nicht gekürzt werden.

„Am Ende“, sagt Berg, „entscheidet die Haushaltslage einer Stadt über die Bewegungsspielräume eines Museums.“ Und da sieht er Probleme auf das Sprengel Museum zukommen, das von Stadt und Land zusammen mit jährlich fünf Millionen Euro finanziert wird.

Die Arbeit in Hannover wäre allerdings eine schöne Herausforderung für jeden Museumsleiter. Das Haus befindet sich im Auf- und Ausbau. Anfang Oktober begannen die Bauarbeiten für die Erweiterung des Museums, 2014 soll das neue Ausstellungshaus (geplante Kosten: 28,5 Millionen Euro) fertig sein. Für einen neuen Direktor wäre es ein schöner Einstand, hier mit ersten Ausstellungen zu glänzen.

Doch auch das war für Stephan Berg kein Argument, das ihn zur Rückkehr nach Hannover hätte bewegen können. Er lobt zwar die „kluge Politik“, möglichst bald einen neuen Museumschef einzusetzen, der dann parallel mit dem Noch-Chef Ulrich Krempel den Erweiterungsbau entwickeln und auf künftige Bedürfnisse hin konfigurieren könne, aber er sieht auch ein Problem: die Sicherheit des Etats, den man braucht, um ein größeres Haus angemessen zu führen. Berg sagt: „Ein größer gewordenes Haus produziert auch größere Kosten, der Stellenplan verändert sich, man muss mehr und größere Ausstellungen machen, das sind alles kostenrelevante Faktoren.“

Nun fürchtet er, dass diese kostenrelevanten Faktoren im Museumsetat nicht ausreichend berücksichtigt werden. Stattdessen würde die Stadt Hannover nach den Ausgaben für den Erweiterungsbau nun „bestimmte Einnahmeerwartungen“ hegen. Berg sagte gestern: „Man geht davon aus, dass das Museum nach dem Umbau plötzlich sehr viel mehr generieren soll.“ Er selbst sei durchaus bereit gewesen, bei seinem persönlichen Gehalt „gegenüber den sehr kommoden Verhältnissen in Bonn“ einige Abstriche zu machen. Zwar wollte er sich „nicht signifikant verschlechtern“, aber Verhandlungsbereitschaft, das eigene Gehalt betreffend, habe er stets gezeigt.

Denn gereizt hätte ihn die Herausforderung in Hannover schon. Schließlich ist das Sprengel Museum größer als das Kunstmuseum Bonn, es wird mit dem Anbau weiter wachsen, es verfügt über hochinteressante Sammlungen, und es soll zum Amtsantritt des neuen Direktors um weitere bedeutende Werke bereichert werden. Die Niedersächsische Sparkassenstiftung will 2014, wenn der Anbau fertig ist, ihre Kunststiftung dem Sprengel Museum als Dauerleihgabe überlassen.

„Da ist Musik drin“, sagt Berg, und reizen würde ihn die Herausforderung durchaus. Aber trotzdem hat er Nein gesagt. Da hilft es auch nichts, dass Hannover immer noch ein wichtiger Teil seines Netzwerks ist, und dass hier viele Menschen leben, die ihm etwas bedeuten.

Martin Schumacher, der Bonner Kulturdezernent, freute sich über Bergs Entscheidung. Dem „Bonner Generalanzeiger“ sagt er: „Ich bin froh, dass er bleibt, weil ich weiß, wie schwierig es ist, solche Kräfte zu finden.“ Die Arbeit der sechsköpfigen Findungskommission in Hannover dürfte nicht leichter werden.

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