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Kultur Stiftung schenkt Sprengel Museum Werke von Reuterswärd
Nachrichten Kultur Stiftung schenkt Sprengel Museum Werke von Reuterswärd
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00:15 01.03.2013
Von Daniel Alexander Schacht
Foto: Reuterswärd im Sprengel Museum. Bis zum 5. Mai kann man eine Auswahl der geschenkten Werke sehen.
Reuterswärd im Sprengel Museum. Bis zum 5. Mai kann man eine Auswahl der geschenkten Werke sehen. Quelle: dpa
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Hannover

Der Maler Henri Toulouse-Lautrec hat die Tänzerin Yvette Guilbert gemalt – Carl Frederik Reuterswärd zeigt Yvette Guilbert beim Malen von Toulouse-Lautrec. Marcel Duchamp hat Leonardo da Vincis „Mona Lisa“ einen Schnurrbart gemalt, Reuterswärd  zeigt da Vinci, wie er Duchamp einen Bart pinselt. René Magritte hat eine Pfeife mit der Aufschrift „Ceci n’est pas une pipe“ gemalt, Reuterswärd setzt vor ein Konterfei Magrittes auf Französisch die Worte: Das ist kein Magritte.

Carl Frederik Reuterswärd ist einer der großen Ironiker der Moderne und der zeitgenössischen Kunst. Von deren Vertretern kannte der im schwedischen Rydebäck lebende Maler und Grafiker, Bildhauer und Aktionskünstler viele persönlich. In welchem Maße er persönlich auch ein großer Freund des Sprengel Museums ist, zeigt eine Schenkung, die das Haus, das schon über 800 seiner grafischen Arbeiten verfügt, zu einem Zentrum seiner Werke und auch der Forschung über den Schweden macht: Immerhin 145 Werke, Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen hat die Reuterswärd Art Foundation gestern an Museumschef Ulrich Krempel übergeben.

Der 1934 in Stockholm geborene Reuterswärd hat bereits mit 18 Jahren Anschluss an die zeitgenössische Moderne gesucht. Er studierte in Paris bei Fernand Léger, war mit Salvador Dalí, Francis Bacon, Jean-Paul Sartre befreundet, mit Meret Oppenheim liiert. Und er nannte sich später, mit Stolz, den „Laufburschen“ von Marcel Duchamp.

Ein Epigone der klassischen Avantgarde, der Surrealisten und der zeitgenössischen Moderne? Keineswegs. Reuterswärds Werke zeugen davon, dass er die Nähe solcher Künstler suchte, um sich an ihnen zu reiben und auch von ihnen abzugrenzen. „Stil ist Betrug“, lautet sein Kernsatz. Konsequent hat Reuterswärd immer wieder neue Formen, Techniken und Themen gesucht, hat mit Holz und Bronze, mit Öl, Kreide, Lack und Tusche gearbeitet. „Wenn es ein Markenzeichen für ihn gibt“, sagt Sprengel-Kuratorin Carina Platz, „dann ist es der stete Wechsel und der Humor in seinen Werken.“

Und wieso wird gerade das Sprengel Museum Reuterswärd-Hochburg – und nicht etwa das Stockholmer Moderna Musset, dessen Direktor Pontus Hulten ein früher Förderer des Künstlers war (und später Gründungsdirektor des Pariser Centre Pompidou wurde)? „Das Sprengel Museum ist ein Haus von internationalem Rang“, sagt Pontus Reuterswärd, der Sohn des seit einem Schlaganfall gelähmten Künstlers, dessen Frau Tonie Lewenhaupt auch zu der Schenkung nach Hannover gekommen ist. Tatsächlich hat es viel mit der von Krempel erwähnten „langjährigen Freundschaft“ zu dem Museum zu tun. Gepflegt wurde sie vor allem von Norbert Nobis. Der  Gründer und langjährige Kurator der Grafischen Abteilung des Museums, kennt Reuterswärd seit den sechziger Jahren. Jetzt freue er sich darauf, sagt Nobis, im Stiftungsauftrag Reuterswärds Werk  weiter zu erforschen.

Zu diesem Werk zählen übrigens auch durchaus plakative politische Beiträge. Reuterswärds bekanntestes Werk ist der Revolver mit verknotetem Lauf, den er nach dem Mord an seinem Freund John Lennon aus Bronze schuf. Die drei Originale der Skulptur „Non Violence“ stehen heute vor dem UN-Gebäude in New York, in Malmö und in Luxemburg. Durch die Schenkung verfügt nun auch das Sprengel Museum über eine Studie dazu.

Eine Auswahl aus Werken der Schenkung ist bis zum 5. Mai in der Museumsstraße des Sprengel Museums zu sehen.