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Kultur Stone Sour in Hannover: Konfetti statt Metal
Nachrichten Kultur Stone Sour in Hannover: Konfetti statt Metal
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00:19 15.06.2018
Stone Sour spielen in der Swiss Life Hall. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Corey Taylor hat eine Konfettikanone und keine Angst davor, sie zu benutzen. Mehrmals feuert der Frontmann der Band Stone Sour beim Konzert in der Swiss Life Hall den tragbaren dreischüssigen Stimmungsmacher ab. Das Publikum in den vorderen Reihen bewegt sich ausgelassen unter dem Regen aus bunten Papierschnipseln.

Konfetti statt Metal: Stone Sour stellen ihr neues Album in Hannover vor.

Überhaupt mag die Band bunte Partyeffekte. Gleich beim ersten Song „Whiplash Pants“ steigen Funkensäulen im Wunderkerzen-Look in die Höhe, zur Zugabe „Fabuless“ wackeln mehrere aufblasbare Luftmännchen auf der Bühne umher. Außerdem wirft Taylor gerne halbvolle Wasserflaschen in die Menschenmenge.

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„Hydrograd“ driftet Richtung Rock‘n‘Roll ab

Viele der Songs, die Stone Sour spielt, sind vom aktuellen Album „Hydrograd“, das im Gegensatz zu seinen Vorgängern etwas vom Metal in Richtung Rock‘n‘Roll abdriftet, mit Power-Balladen, die auch von Nickelback sein könnten. Letztendlich aber holzt Stone Sour auf dem Konzert Metal im Partymodus daher – von Taylor fantastisch gesungene und geschriebene, musikalisch allerdings unterkomplexe Songs, die sich gut mitgröhlen lassen. Dazwischen ein paar Balladen wie „Bother“, das Taylor allein performt, und „Through Glass“, die für eine Atempause sorgen und außerdem ans Herz gehen sollen.

Sonst mit Slipknot unterwegs

Von Taylor – sowie Ex-Soulfly-Drummer Roy Mayorga - ist man eigentlich spannenderes und vor allem härteres gewohnt. Normalerweise ist der Sänger mit der Masken-Metal-Truppe Slipknot unterwegs, die, trotz ihres karnevalesken Auftretens, manchmal kontroversen und überraschenden, aber immer konsequent weiter gedachten Nu- beziehungsweise Alternative Metal liefert. Stone Sour – benannt nach einem Cocktail aus Whisky und Orangensaft – dagegen baut sich Kuschelmetal von der Stange zusammen. „Ist es nicht schön“, lässt Taylor einmal verlauten, „dass wir alle wie eine Familie zusammen sind?“ Überhaupt, so Taylor, sei Deutschland das schönste Land der Welt, der Menschen wegen, aber auch die Landschaften und die Liebe zu Musik hätten es ihm angetan.

Immerhin: Was Stone Sour verpasst, löst die Vorband Nothing More ein. Die Newcomer aus Texas rasen durch die erste Hälfte ihres 45-minüten Sets als hätten sie längst akzeptiert, dass sie mit permanentem Muskelkater leben müssen. Vor allem der Sänger Jonny Hawkins hält die Energie hoch, gockelt in seinem Sixpack oberkörperfrei umher wie Mick Jagger es nie konnte und singt mit unglaublicher Stimmvarianz wie gleich eine ganze Parade an Rocksängern der 80er. Unterstützt wird das Ganze von einem pneumatischen Trommelhalter, der auch mal Basshalter sein darf und sich im letzten Song zu einer Gesangsplattform entfaltet. Alles in allem liefert Nothing More damit sperrigen und interessanten Hochgeschwindigkeits-Alternative Metal ab. Zumindest eine der beiden Bands des Abends zeigt zeitgemäße Musik – und die andere ihren Party-Flirt mit dem Mainstream-Rock.

Von Jan Fischer