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Kultur Streit um Bronze-Grafen erhitzt die Gemüter
Nachrichten Kultur Streit um Bronze-Grafen erhitzt die Gemüter
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09:09 15.01.2012
Der Streit um ein Reiterstandbild eines Oldenburger Grafen erhitzt die Gemüter. Quelle: dpa
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Oldenburg/Hannover

Hoch zu Ross sitzt der Oldenburger Graf Anton Günther. Seine Bronzestatue steht in einem Privatgarten. Doch nach dem Willen einiger Oldenburger soll sie künftig vor das Schloss ziehen. Doch an diesem Standort erhitzen sich die Gemüter. Bei dem Streit scheint es um nicht weniger zu gehen als um das Grundverständnis von Demokratie und von Kunst. Auch die Landespolitik kümmert sich inzwischen darum.

„Der Graf hat ein großes Ansehen in Oldenburg, er ist populär und es ist überfällig, ihm ein angemessenes Denkmal zu setzen“, meint der prominenteste Fürsprecher des Reiterdenkmals, Horst Milde. Für den ehemaligen Oldenburger Oberbürgermeister und Ex-Landtagspräsidenten gehört die Statue des befreundeten Künstlers Walter Hilpert vor das Schloss. Hier residierte Anton Günther im 17. Jahrhundert und hielt seine Grafschaft aus den Wirren des 30-jährigen Krieges heraus.

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Doch Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) erteilte dem Ansinnen Mildes in einem Brief eine Absage. „Das landeseigene Areal am Schloss ist so eng bemessen, dass es grundsätzlich nicht geeignet ist, um Kunst im öffentlichen Raum zu präsentieren“, heißt es aus dem Ministerium in Hannover. Für Milde sind das Ausflüchte. Der SPD-Politiker hat eine Petition an den Landtagspräsidenten geschrieben und rund 2000 Unterschriften für das Bronze-Denkmal vor dem Schloss gesammelt. „Das ist auch ein Test, wie mit dem Bürgerwillen umgegangen wird.“

Kritiker halten das Reiterstandbild für eine unzeitgemäße Kunstform - sie habe vor dem Schloss nichts zu suchen. „Ein solcher Herrschaftsgestus, der dadurch ausgedrückt wird, ist völlig überflüssig“, meint der Direktor des Landesmuseums Oldenburg, Rainer Stamm. Nach dem Ende der Monarchie in Deutschland habe es seit 1919 hierzulande keine Reiterstandbilder mehr gegeben. Auch wirft Stamm dem Künstler ein laxes Umgehen mit der Vorlage, einer Druckgrafik, vor. „Der Regentenstab des Grafen ist versehentlich als Reitgerte interpretiert worden.“

Graf Anton Günther sei im Oldenburger Stadtbild mit Straßennamen, Bildern und einer anderen Skulptur ausreichend präsent. „Es ist irgendwie eine Provinz-Posse“, meint Stamm. „In Berlin oder Frankfurt wäre eine solche Diskussion so sicher nicht möglich gewesen.“

Die Stadt selbst hält sich mit einem Kommentar zur Grafen-Statue bedeckt. Oldenburg hat das Thema „Kunst im öffentlichen Raum“ auf die Agenda des Kulturausschusses gesetzt. Mit der Diskussion um das Grafen-Denkmal habe das aber nichts zu tun, meint der Stadtsprecher. „Es sollen Richtlinien erarbeitet werden, wie die Stadt in Zukunft mit Kunst im öffentlichen Raum umgeht - wie Kunstwerke in Auftrag gegeben werden zum Beispiel.“ Andere Städte hätten solche Bestimmungen längst. „Das Reiterstandbild soll auf landeseigenem Gelände aufgestellt werden, deswegen betrifft uns das nicht.“

Bis seine Petition im Landtag entschieden sei, könne bis zu ein Vierteljahr vergehen, meint Milde. „Bis dahin heißt es, abwarten.“ Und weiterkämpfen. „Ich bin nicht allein“, macht er sich Mut. 

dpa