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Nachrichten Kultur Streit um Vergewaltigungsmahnmal
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15:15 17.10.2013
Umstritten: Die Betonskulptur „Komm, Frau“ zeigt einen Soldaten der Roten Armee, der eine schwangere Frau zu vergewaltigen versucht. Quelle: dpa
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Warschau

Jerzy Bohdan Szumczyk geht noch auf die Kunstakademie, doch schon jetzt hat der 26-jährige polnische Student mit einer Nacht- und Nebelaktion für Schlagzeilen gesorgt. Seine Betonskulptur „Komm, Frau“ zeigt einen Soldaten der Roten Armee, der eine schwangere Frau zu vergewaltigen versucht. Zusammen mit Freunden hatte Szumczyk das mehrere hundert Kilogramm schwere Mahnmal am vergangenen Wochenende neben einem sowjetischen Panzer in der Danziger Aleja Zwyciewcow (Siegesallee) aufgestellt.

Die Polizei entfernte die Skulptur nur wenige Stunden später - doch schnell entbrannte eine öffentliche Debatte: Ist das nun Kunst oder Aufruf zum Hass gegen andere Völker? Sollte die Staatsanwaltschaft wegen Aufstachelung zum Völkerhass ermitteln, drohen Szumczyk bis zu zwei Jahre Haft.

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Der russische Botschafter in Warschau, Alexander Alexejew, zeigte sich in einer Stellungnahme empört: Das sei keine Kunst, sondern ein Sakrileg, das die Ehre der 600.000 sowjetischen Soldaten verletze, die für die Freiheit Polens gefallen seien, protestierte er. „Die vulgäre Skulptur verletzt nicht nur die Gefühle der Russen, sondern aller vernünftigen Menschen, die sich daran erinnern, wem sie die Befreiung von der Nazi-Besatzung verdanken.“

Zumindest der letzte Satz dürfte bei vielen Polen gemischte Gefühle wachrufen. Denn die von der Sowjetunion gestützte kommunistische Regierung, die Westverschiebung Polens mit der erzwungenen Aussiedlung der Menschen aus den einstigen ostpolnischen Gebieten im heutigen Litauen, Weißrussland und der Westukraine wurden in Polen nicht gerade als Akt der Befreiung gewertet.

Und nicht nur bis zu zwei Millionen deutscher Frauen in den einstigen deutschen Ostgebieten und der russischen Besatzungszone, sondern auch rund 100.000 Polinnen hörten Historiker-Schätzungen zufolge im Winter 1945 den Satz „Komm, Frau“, wurden Opfer sexueller Gewalt sowjetischer Soldaten. In Polen war das bis zum Ende des Kommunismus ein Tabuthema.

Seine Skulptur solle „die Wahrheit zeigen“, begründete Szumczyk seine Kunstaktion. „Mir ging es um die Tragödie dieser Frauen, um das ganze Leid.“ Die Akademie der schönen Künste distanzierte sich von Szumczyk. „Er hat das auf eigenes Risiko und ohne Wissen der Hochschule gemacht.“

In Medien und Internetforen wird seit dem Kunst-Happening jedenfalls heftig diskutiert. „Das ist keine Beleidigung russischer Soldaten, sondern ein stummer Schrei der Opfer“, hieß es in einem dieser Kommentare. In anderen wird daran erinnert, dass es sexuelle Gewalt auf allen Seiten und nicht nur im Zweiten Weltkrieg gegeben habe. In der Tat wurde und wird Vergewaltigung in vielen Konfliktgebieten als Kriegswaffe eingesetzt - sei es im Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien oder im Ostkongo.

Kritisch zeigte sich am Donnerstag auch Marek Gorlikowski in einem Kommentar der „Gazeta Wyborcza“: „Geschichte ist nicht so einfach wie ein Denkmal im realsozialistischen Stil.“ Ein angemessenes Mahnmal für die Opfer sexueller Gewalt und andere Opfer der Zivilbevölkerung müsse noch errichtet werden. Nächtliche Happenings seien aber der falsche Weg.

dpa/sag

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